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Ein paar Worte über Auto-Blogging

Was ist Auto-Blogging ?

Auto-Blogging beschreibt die Fähigkeit einer Anwendung, sich aus bestimmten Quellen im Internet (beispielsweise aus RSS-Feeds) über Artikel eines bestimmten Themenbereichs, diese zu laden und dann in Ihrem eigenen Blog zu veröffentlichen.

Das Ganze wird von findigen Vermarktern unter dem Deckmäntelchen der Suchmaschinen-Optimierung verkauft und ist mittlerweile ein Milliarden Dollar schwerer Markt.

Diese findigen Vermarkter werden im englischen übrigens als „Black Hat SEO“ bezeichnet. Erinnern Sie sich an die klassischen Western, in den der Schurke immer den schwarzen Hut trägt? Dann wissen Sie jetzt auch, wo die Bezeichnung herkommt.

Black Hat SEO und White Hat SEO

Als „Black Hat SEO“ werden alle Praktiken zur Suchmaschinen-Optimierung bezeichnet, bei denen bewusst gegen die Richtlinien der großen Suchmaschinen-Betreiber verstoßen wird, um dadurch ein besseres Suchmaschinen-Ranking der beworbenen Website zu erzielen. Dazu gehören zum Beispiel gefälschte Back-Links, gefälschte Bewertungen auf Portalen wie beispielsweise Trip-Advisor und eben auch der durch Praktiken wie Auto-Blogging erzeugte massenweise Artikel-Müll.

Im Gegensatz dazu ist White Hat SEO das Bewerben einer Website mit Mitteln, die den Richtlinien der Suchmaschinen entsprechen. Aber natürlich sind die Übergänge fließend, weil auch hier ab und an mit dem einen oder anderen Trick zur Verbesserung der Suchergebnisse gearbeitet wird.

Und dann gibt es in unserem imaginären Western natürlich auch noch die großen Suchmaschinen-Betreiber in der Rolle der Sheriffs, von denen solche Praktiken natürlich überhaupt nicht gewünscht werden, weil die Ergebnisse ja auf den tatsächlichen Leistungen und der Qualität einer Website beruhen sollen. Und die deswegen Unmengen von Geld und Arbeitszeit in die Aufdeckung solcher Praktiken investieren. Die Waffen in diesem Krieg sind Google-Algorithmen „Panda“, „Penguin“ und „Hummingbird“, die mittlerweile offenbar diese Praktiken recht zuverlässig erkennen.

Und die Strafe für die Erwischten ist der Suchmaschinen-Tod. Websites, die auf intensives „Black Hat SEO“ setzen, müssen damit rechnen, für immer und ewig aus den Ergebnissen der großen Suchmaschinen-Anbieter ausgeschlossen zu werden.

Wie funktioniert dieses Auto-Blogging ?

Grundsätzlich werden für das Auto-Blogging von einer darauf spezialisierten Software viele Websites auf neue, interessante Artikel überprüft. Meistens geschieht das über RSS-Feeds. Diese interessanten Artikel werden dann kopiert, um später in das eigene Blog eingestellt werden zu können und so die Generierung von neuen Inhalten vorzuspiegeln.

Bei einer reinen Kopie wäre dieses Vorgehen natürlich sehr leicht durch einen simplen Vergleich zu erkennen. Und damit genau das nicht mehr so einfach ist, haben sich finidge „Black Hat SEO“ etwas einfallen lassen, das als „Article Spinner“ (oder neudeutsch „Artikelspinner“) bezeichnet wird.

Ein Artikelspinner nimmt sich im Prinzip einen bestimmten Text vor, analysiert ihn und schreibt ihn anschließend anhand von Synonym-Wörterbüchern und grammatikalischen Tricks so um, dass er bei einem automatisierten Vergleich nicht mehr als Kopie oder Plagiat erkannt wird.

Und das ganze System wird von unseren findigen Vermarktern dann als neues Verfahren zur Suchmaschinen-Optimierung teuer verkauft. Suchen Sie einfach mal auf Google nach Begriffen wie „Article Spinning“ oder „Artikelspinner“ und Sie werden es sehen.

Was sind die Folgen von Auto-Blogging ?

Einmal abgesehen für die jeweiligen Websites ist das Ganze aber vor allem sehr schlecht für das Internet im Ganzen.

Und zwar deswegen, weil durch das Auto-Blogging kein Mehrwert, sondern nur Millionen und Aber-Millionen von Webseiten mit völlig unnötigem Müll erzeugt werden. Neben den Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des gesamten Netzwerks wirkt sich das aber leider auch auf jeden einzelnen Benutzer des Internet aus.

Weil es für Sie als Benutzer durch diesen ganzen Müll nämlich viel schwieriger geworden ist, überhaupt noch Seiten mit hochwertigem redaktionellen Inhalt zu finden. Am ehesten werden Sie da wahrscheinlich noch bei den großen traditionellen Presseorganen fündig, die sich mit einem großen Redaktionsteam, einem hohen Personalaufwand und einem funktionierenden Moralkodex (ja, dass meine ich ernst!) um echte Qualitätsarbeit bemühen.

Aber die vielen kleinen Blogs, deren Autoren sich mit hohem persönlichen Einsatz um hochwertige Artikel bemühen, bleiben dabei leicht einmal auf der Strecke. Oder benutzen selbst Auto-Blogging, um wenigstens überhaupt noch etwas aufzufallen.

Fazit

Das leider weitverbreitete System des Auto-Bloggings schadet letztendlich allen Beteiligten. Den Website-Betreibern, die es nutzen, weil sie über kurz oder lang von den Suchmaschinen-Betreibern abgestraft werden.

Und Ihnen als Benutzer des Internet, weil Sie unter den ganzen Müllbergen die durchaus vorhandene Qualitätsarbeit kaum noch finden können.

Und auf die moralischen Aspekte des Ganzen möchte ich gar nicht erst eingehen. Wenn wir Personen des öffentlichen Lebens für das „Abkupfern“ von Passagen in ihren Arbeiten bestrafen und laut „Plagiator“ schreien, was ist dann jemand, der genau das in Millionen von Fällen tut?

Wenn Sie also irgendwann auf einen Anbieter stoßen, der Ihnen solche Praktiken zur Suchmaschinen-Optimierung anbietet, dann gehen Sie bitte nicht darauf ein. In Ihrem Interesse und im Interesse des gesamten Internets. Denn wenn Sie sich auf diese Art der Suchmaschinen-Optimierung einlassen, dann wird man Sie eines nicht allzu fernen Tages dabei erwischen. Und danach dürfte der Wert Ihrer teuer aufgebauten Website und Ihrer teuer eingekauften Suchmaschinen-Optimierung von einem Tag auf den anderen ziemlich abstürzen.

Übrigens bietet auch das von mir durchaus hochgeschätzte Plug-In „Feedzy RSS Feeds Lite“ in der Premium-Version die Funktion des Auto-Blogging an. Und deswegen rate ich vom Kauf der Premium-Version auch eindringlich ab und installiere sie auch nicht.

Und aus genau diesem Grunde biete ich die Suchmaschinen-Optimierung auch nicht als Dienstleistung an. Es ist mittlerweile sehr schwierig geworden, mit einem vertretbaren (und bezahlbaren) Aufwand unter Verzicht auf eher dubiose Methoden konkurrenzfähige Resultate zu erzielen. Ich berate Sie gerne über die richtlinien-konformen Möglichkeiten zur Suchmaschinen-Optimierung und installiere auch durchaus Plug-Ins wie „Yoast SEO“, dass Sie bei dieser Optimierung unterstützt. Aber ich möchte nicht mit Versprechen werben, die sich letztendlich nicht einlösen lassen.

Ich bin allerdings durchaus zuversichtlich, dass die großen Suchmaschinen-Betreiber (allen voran Google) das Problem in absehbarer Zukunft gelöst werden haben. Wodurch dann das Internet für alle wieder etwas benutzbarer werden dürfte.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflichler Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er entwickelt seit mehr als 25 Jahren Websites für seine Kunden und hat sich in den letzten 12 Jahen auf Websites auf Basis von Wordpress spezialisiert. Er publiziert ständig Artikel zu Themen rund ums Internet in verschiedenen Foren.

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