Corona

Die Omikron-Variante und ihre Folgen für uns

Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021 von Claus Nehring

Mit zunehmendem Aufkommen der Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Virus in den europäischen Ländern nehmen auch die Medienberichte darüber zu. Leider wird das Thema aber in vielen Medien (und in Kommentaren in den sozialen Netzwerken) nicht sonderlich differenziert betrachtet.

Sicher scheint für den Moment, dass diese Omikron-Variante infektiöser als die derzeit vorherrschende Delta-Variante ist. Und es sieht auch danach aus, dass sie der Immunantwort bis zu einem gewissen Grad entgehen kann, was zu mehr Impfdurchbrüchen führen wird. Das wird dafür sorgen, dass sich die Omikron-Variante in den nächsten 2 bis 3 Monaten bei uns durchsetzen wird und uns bis in den Sommer hinein Probleme bereiten dürfte (wir sehen im Moment in Südafrika und Großbritannien für Omikron Zuwachsraten von rund 25 Prozent pro Tag).

Die gute Nachricht dabei ist, dass die Impfung auch gegen Omikron immer noch ziemlich gut wirkt, zumindest nach einer Auffrischungsimpfung. Der Schutz vor Infektionen fällt geringer aus, Impfdurchbrüche werden also zunehmen, das ist schon richtig. Aber der Schutz der Impfung vor schweren Verläufen dürfte nach wie vor ziemlich gut ausfallen.

We have highly effective vaccines that have proved effective against all the variants so far, in terms of severe disease and hospitalization, and there’s no reason to expect that it wouldn’t be so.

Dr. Mike Ryan, WHO (Quelle: BBC)

Vollständig geimpfte Menschen (bei länger zurückliegender Zweitimpfung mit Auffrischung) müssen sich also um ihren persönlichen Schutz auch bei Omikron wohl keine allzu großen Gedanken machen. Große Sorgen sollten sich hingegen Ungeimpfte machen, denn ihr Infektions-Risiko wird durch Omikron erheblich ansteigen.

Warum das so ist, welche Folgen das haben wird und was wir jetzt tun könnten bzw. sollten, um die Pandemie-Situation trotz Omikron kontrollieren zu können, lesen Sie in diesem Artikel.

Das Infektions-Geschehen wird durch Omikron ansteigen

Wenn eine Virus-Variante mit höherer Infektiosität und einem teilweisen Immun-Escape (und das scheint bei Omikron wohl leider der Fall zu sein) auftaucht, dann steigt dadurch das Infektions-Geschehen insgesamt an, weil sich auch wieder vermehrt geimpfte Menschen infizieren und das Virus weiterverbreiten.

Aus aktuellen Laboruntersuchungen ist mittlerweile klar, dass die Neutralisation durch die Antikörper bei Omikron um das 20- bis 40-fache geringer ausfällt (was übrigens nicht bedeutet, dass die Impfung 40-mal weniger schützen würde). Aktuelle Daten finden Sie beispielsweise hier auf medRxiv oder hier und hier bei Twitter.

Eine 40-fache Reduktion der Neutralisationsaktivität bedeutet NICHT, dass die Impfung 40-mal weniger schützt. Der reale Immunitätsverlust ist viel geringer. Im Moment ist Dreifachimpfung der beste Schutz. Neue Impfstoffe erst nach der Winterwelle. Nicht warten, sondern boostern.

Prof. Christian Drosten am 8. Dezember 2021 auf Twitter

Wir wissen also mittlerweile, dass die Omikron-Variante die Antikörper-Antwort zumindest teilweise unterlaufen kann (wohlgemerkt, dass lässt keine Rückschlüsse auf die T-Zell-Antwort zu, die für die Schwere des Krankheitsverlaufs mitentscheidend ist). Und aus der bisherigen Entwicklung in Ländern wie Südafrika, Großbritannien und Dänemark lässt sich ableiten, dass die Omikron-Variante deutlich infektiöser als die Delta-Variante ist (Verdoppelungszeit der Fälle bei Omikron 3 bis 4 Tage, bisher waren es 14 bis 18 Tage).

Omikron lässt sich durchaus noch mit den durch die aktuellen Impfungen gebildeten Antikörpern neutralisieren, dazu werden aber deutlich mehr Antikörper benötigt. Diese höheren Antikörper-Spiegel lassen sich für geimpfte Menschen durch eine Auffrischungs-Impfung erreichen, der Schutz gegen Omikron steigt danach deutlich an (was übrigens auch die EMA dazu veranlasst hat, die Auffrischungs-Impfung bereits drei Mona­te nach Abschluss der Grundimmunisierung zu empfehlen, wenn das unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit sinnvoll ist).

Für ungeimpfte Menschen sind das sehr schlechte Neuigkeiten, denn ihr Infektions-Risiko steigt deutlich an, wenn sich eine infektiösere Variante wie Omikron verbreiten sollte. Und dann bleibt ihnen letztlich nur die Wahl zwischen Impfung oder natürlicher Infektion (das war schon bei Delta so, aber Omikron lässt noch einmal weniger Zeit für die Entscheidung).

Wer ist dadurch gefährdet?

Solange der Schutz gegen schwere Verläufe bestehen bleibt, ist das kein sonderlich großes Problem für vollständig geimpfte Menschen. Und das ist offenbar auch bei Omikron der Fall (wir wissen aus Studien [z.B. hier bei The Lancet] bereits, dass durch die Auffrischungs-Impfung mit einem der mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna nach einer ursprünglichen Impfung mit den mRNA- oder Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Janssen eine sehr hohe Schutzwirkung entsteht, BioNTech hat gerade bestätigt, dass dieser Schutz auch bei Omikron erhalten bleibt).

Quelle: BioNTech

Aber es ist ein sehr großes Problem für Menschen ohne vollständigen Impfschutz, weil ihr Infektions-Risiko bei ansteigendem Infektions-Geschehen immer weiter ansteigt und sie gar keinen oder nur einen geringen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen haben.

Besonders betroffen sind daher vier Gruppen in unserer Gesellschaft:

  • Ungeimpfte Menschen sind am stärksten betroffen, weil sie über keinerlei Schutz verfügen. Und sie stellen auch das größte Problem für unser Gesundheitswesen dar, weil es viel zu viele von ihnen gibt (mehr darüber finden Sie auch im Artikel Die Rolle von Geimpften und Ungeimpften in der Pandemie hier im Blog)
  • Kinder unter 12 Jahren, die sich bisher nicht impfen lassen können. Die EMA empfiehlt zwar den BioNTech/Pfizer-Impfstoff für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren, erste Impfstoffdosen wird es aber erst ab dem 13. Dezember 2021 geben. Und längst nicht jedes Land hat sich der Empfehlung der EMA angeschlossen und die Impfung für diese Altersgruppe empfohlen (weder die deutsche STIKO noch der luxemburgische Hohe Rat für Infektionskrankheiten konnten sich beispielsweise zu einer Empfehlung durchringen, die Durchseuchung der Kinder geht in diesen Ländern also ungebremst weiter).
  • Menschen mit schwachem Immunsystem, die auch nach einer Impfung keinen ausreichenden Immunschutz aufbauen (entweder aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung oder aufgrund immunsupprimierender Medikamente). Von einer solchen Immunschwäche dürften rund 10 bis 15 % der Bevölkerung betroffen sein, ein Teil dieser Menschen verfügt über keinen ausreichenden Schutz gegen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung (mehr darüber finden Sie im Artikel Über Impfdurchbrüche und Booster-Impfungen hier im Blog).
  • Geimpfte ohne Auffrischungs-Impfung, besonders diejenigen, bei denen die zweite Dosis der Impfung schon einige Monate zurückliegt oder die nur eine Einzeldosis des Janssen-Impfstoffes bekommen haben. Wichtig dabei: nach allem, was wir derzeit wissen, wirkt der Impfschutz nach wie vor gegen schwere Verläufe. Und das tut er auch bei Omikron und ohne Auffrischungs-Impfung, er lässt nur im Laufe der Zeit nach (wie stark und wie schnell, lässt sich mangels Zahlen kaum verlässlich sagen). Aber gegen Omikron wird die Auffrischungs-Impfung (und möglicherweise auch eine an Omikron angepasste Impfung im kommenden Jahr) unumgänglich sein, um eine verlässliche Schutzwirkung zu erzielen.

Wir sind schon bisher kaum mit der Delta-Variante fertig geworden, weil unsere Regierungen offenbar aktiv auf eine Durchseuchung der Bevölkerung hinarbeiten. Wenn wir es zulassen, dass sich die Omikron-Variante bei den aktuellen Inzidenzen (Deutschland liegt derzeit bei 422,30, Luxemburg bei 448,48) verbreitet, dürfte eine exponentielle Fall-Entwicklung und eine sehr rapide Zunahme der Klinikbelegung die Folge sein.

Omikron und die schweren Verläufe

Man hört und liest häufig in den Medien, dass die Omikron-Variante offenbar mildere Verläufe auslöst. Aber diese Aussagen beruhen in der Hauptsache auf Studien aus Südafrika, und die dortigen Verhältnisse sind mit denen in europäischen Ländern kaum zu vergleichen.

So ist das Durchschnittsalter der südafrikanischen Bevölkerung mit 27,6 Jahre (Deutschland 44,5 Jahre, Luxemburg 39,7 Jahre) deutlich geringer, schon aufgrund dieser Tatsache dürften die Verläufe in Südafrika weniger schwer ausfallen. Außerdem anderen liegt die Impfquote in Südafrika mit knapp 24 Prozent (viele davon mit einer Dosis des Janssen-Impfstoffs) sehr niedrig, dafür haben wohl nahezu alle Menschen bereits eine Infektion durchgemacht haben. Das Virus trifft also auf eine jüngere Bevölkerung, die fast ausschließlich aus Genesenen und Geimpften besteht, mildere Verläufe sind also schon aufgrund der bestehenden Immunisierung und der Altersstruktur eher zu erwarten.

Andererseits sehen wir in den südafrikanischen Daten, dass dort zwar die Hospitalisierungsrate insgesamt relativ niedrig ausfällt, dass unter den Patienten aber überproportional viele Kinder zwischen 0 und 9 Jahren und jüngere Erwachsene zwischen 20 und 39 Jahren sind. Das mag daran liegen, dass auch in Südafrika ältere Menschen bei der Impfung priorisiert wurden, ebenso ist denkbar, dass die Omikron-Variante derzeit eher unter jüngeren Menschen kursiert.

Man sollte aus dieser niedrigen Hospitalisierungsrate also nicht darauf schließen, dass Omikron generell weniger schwere Verläufe hervorruft. In Südafrika verhindert die vorhandene Immunität der Bevölkerung und das junge Alter der Betroffenen einen Großteil der schweren Verläufe. Aus den südafrikanischen Daten lässt sich kaum ablesen, ob nicht immunisierte (immunnaive) Menschen schwere Verläufe durch Omikron riskieren (obwohl der Anstieg hospitalisierter jüngerer Menschen eher dafür spricht). Ungeimpfte Menschen sollten sich deshalb eher nicht damit beruhigen, dass Omikron ungefährlicher sei, sondern diese Variante als ernsthafte Gefahr ansehen! Und deshalb über eine Impfung nachdenken, um sich selbst zu schützen!

Die gute Nachricht lautet also, dass die Immunisierung aufgrund von Impfung oder natürlicher Infektion auch gegenüber Omikron immer noch einen guten Schutz vor schweren Verläufen bietet. Die schlechte Nachricht ist, dass Omikron für nicht-immunisierte Menschen wenigstens genauso gefährlich wie Delta sein dürfte und für ein erheblich höheres Infektions-Risiko sorgt.

Ist Omikron gefährlicher für Kinder?

Sicher ist, dass die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen in Ländern wie Österreich, Deutschland und Luxemburg die höchsten unter allen Altersgruppen sind. Und sicher ist auch, dass Kinder durch ihr Immunsystem besser als Erwachsene vor Pandemieviren geschützt sind (die Gründe dafür finden Sie beispielsweise hier bei Spektrum) und seltener aufgrund einer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert werden müssen.

Aber bei der enorm hohen Inzidenz unter Kindern und Jugendlichen und der daraus resultierenden großen Zahl an Infektionen sorgen auch geringe Hospitalisierungsraten (aktuelle österreichische Daten beziffern die Rate auf 0,2 bis 0,6 Prozent, siehe beispielsweise hier im Standard) dafür, dass die Zahl der Hospitalisierungen ständig zunimmt.

Selbst wenn also Omikron für keine schwereren Verläufe bei Kindern und Jugendlichen sorgen sollte (was wahrscheinlich, aber nicht sicher ist), werden wir aufgrund der (offenbar von der Politik beabsichtigten) Durchseuchung mit einer zunehmenden Anzahl hospitalisierter Kinder und Jugendlicher rechnen müssen.

Anmerkung: Dass Kinder am Infektions-Geschehen beteiligt sind, wissen wir schon lange (siehe beispielsweise im Artikel Kinder haben schon immer zum Infektions-Geschehen beigetragen vom 5. Januar 2021 hier im Blog). Dass auch Kinder und Jugendliche eine Covid-19-Erkrankung nicht immer folgenlos überstehen, ist ebenfalls schon lange klar (siehe beispielsweise die Artikel Die versteckte Pandemie – Long-Covid vom 8. August 2021 oder Die Durchseuchung von Kindern und Jugendlichen muss aufhören vom 5. November 2021 hier im Blog). Und dass vergleichsweise einfach umsetzbare Maßnahmen wie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung oder tägliche Schnelltests durchaus zu einer Minderung des Infektions-Geschehens in Klassenräumen beitragen können, dürften die meisten von uns mittlerweile auch gelernt haben. Mehr zu Long-Covid bei Kindern finden Sie bei Interesse auch im folgenden Artikel.

Leider schließt manch eine(r) der Verantwortlichen immer noch die Augen vor der Realität, so zum Beispiel der luxemburgische Bildungsminister Claude Meisch. Nach einem aktuellen Bericht des Luxemburger Wort schließt er eine allgemeine Maskenpflicht in den Klassenräumen (wegen großer regionaler Unterschiede bei den Inzidenzen) ebenso wie eine Testpflicht (die sich angesichts der Schulpflicht nicht umsetzen lasse, da man ansonsten Testverweigerer vom Unterricht ausschließen müsse) aus.

Hierzulande werden seit zwei Wochen nach anhaltendem Druck der Medien übrigens wieder die Zahlen zur Situation in den Schulen des Landes veröffentlicht, die besagter Minister Meisch wohl ganz gerne verschwiegen hätte. Daraus ergibt sich dann, dass nach wie vor rund ein Drittel der Neu-Infektionen in den Schulen festgestellt werden (Herr Meisch nennt das übrigens eine „Stabilisierung der Zahlen“, was es auch tatsächlich ist, nur auf einem beängstigend hohen Niveau). Vielleicht sollten wir nicht nur Testverweigerer vom Unterricht, sondern auch Realitätsverweigerer von Ministerämtern ausschließen?

In Deutschland und Österreich ist die Situation übrigens auch nicht viel besser, auch hier wurden aus der Ignoranz der Verantwortlichen heraus vernünftige Maßnahmen bis heute verzögert und nicht umgesetzt.

Fazit / Was wir tun können

Wir wissen also, dass Omikron ziemlich gut darin ist, Antikörpern zu entwischen. Und wir wissen, dass es zu Durchbruchs-Infektionen bei 2-fach Geimpften und auch (wenn auch seltener) bei 3-fach Geimpften kommen wird. Aber wir wissen auch, dass bei 2-fach Geimpften immer noch ein Schutz vor schweren Verläufen vorhanden ist und dass dieser Schutz bei 3-fach Geimpften sogar sehr gut ist.

Deswegen ist auch klar, was wir jetzt tun müssen. Wir müssen erstens so viele Auffrischungs-Impfungen wie möglich so schnell wie möglich hinbekommen, zweitens so viele Ungeimpfte wir nur irgend möglich impfen und drittens die Infektionszahlen so weit wie möglich absenken.

Österreich hat bereits mit einem kompletten Lockdown auf vorzeitige Lockerungen reagieren müssen, schließt auch nach dem Ende dieses Lockdowns Ungeimpfte weiterhin größtenteils vom öffentlichen Leben aus und führt als erstes EU-Land eine allgemeine Impfpflicht ein. Dänemark zeigt uns sogar gerade, dass Politik auch mal vorausschauend reagieren kann, und reagiert rotz hoher Impfquote mit Einschränkungen (siehe unten) auf die Omikron-Variante.

Deutschlands Politik hat sich in den letzten Wochen und Monaten hauptsächlich mit dem Wahlkampf und den Koalitionsverhandlungen beschäftigt und die Pandemie-Entwicklung und die immer prekärer werdende Situation in den Kliniken des Landes mehr oder weniger ignoriert. Nachdem die Regierungsbildung nun endlich abgeschlossen ist und mit Karl Lauterbach als Gesundheitsminister eine evidenzbasierte Pandemiebekämpfung möglich scheint, könnte sich die Situation zum Besseren wandeln. Hoffentlich.

In Luxemburg hat es die Regierung bisher nicht geschafft, die in der letzten Pressekonferenz vom 29. November 2021 (!!!) gemachten Ankündigungen dem Parlament in Form eines Gesetzestextes vorzulegen, die Abstimmung darüber soll nach Informationen von RTL wohl erst am kommenden Donnerstag stattfinden (womit das Gesetz dann vermutlich erst am 20. Dezember, also drei Wochen nach der Ankündigung, in Kraft treten dürfte). Bleibt nur zu hoffen, dass die Reaktionen aus anderen europäischen Ländern die hiesige Regierung künftig zu schnellerem Handeln zwingen werden.

Ein paar halbherzige Maßnahmen (was vor einem Monat vermutlich noch gerade gereicht hätte, können Sie im Artikel Wir brauchen Maßnahmen – UND ZWAR SOFORT!!!! vom 11. November 2021 nachlesen) werden angesichts der aktuellen Inzidenzen und der Gefahr durch die Omikron-Variante jetzt nämlich nicht mehr ausreichen, ohne Lockdown werden wir die Neu-Infektionen nicht mehr weit genug absenken können. Wir brauchen jetzt:

  • Die möglichst schnelle Einführung einer allgemeinen Impfpflicht
  • Einen kompletten Lockdown von wenigstens 2 Wochen Dauer (idealerweise wohl ab dem 27. Dezember 2021, um Durchsetzbarkeit und Planbarkeit sicherzustellen), gefolgt von Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte nach dem Beispiel von Österreich
  • Die möglichst schnelle Freigabe der Impfung für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren
  • Eine geänderte Gültigkeitsdauer für Immunitätsnachweise (max. 7 Monate nach der zweiten Impfung mit BioNTech/Pfizer oder Moderna, max. 5 Monate nach der zweiten Impfung mit AstraZeneca oder einer überstandenen Infektion, max. 6 Wochen nach der Impfung mit Janssen) mit Verlängerung um zunächst einmal 6 Monate nach erfolgter Auffrischungs-Impfung
  • Auffrischungs-Impfungen schon nach 3 Monaten. Wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht, dann ist in der aktuellen Lage die Auffrischung nach drei Monaten sinnvoll (siehe EMA-Empfehlung oben). Wir werden uns sowieso darauf einstellen müssen, dass es im März/April an Omikron angepasste Impfungen geben wird und dass dann eine vierte Impfung notwendig sein wird
  • Die sofortige Einführung einer täglichen Testpflicht an den Schulen (daraus folgt automatisch auch eine Aufhebung der Präsenzpflicht)
  • Die sofortige Wiedereinführung der Maskenpflicht in Klassenräumen
  • Die Vorverlegung der Weihnachtsferien um wenigstens eine Woche und die gleichzeitige Verlängerung für mindestens eine weitere Woche
  • Die Ausweitung der strikten 2G-Regelung auf den Handel mit nicht-essentiellen Waren

Es ist mir durchaus bewusst, dass es sich hierbei um sehr drastische Maßnahmen handelt. Aber ich sehe ohne solche Maßnahmen keinen Weg mehr, um das Infektions-Geschehen hinreichend schnell unter Kontrolle zu bekommen. Bekannt war das alles schon seit längerem (Warnungen vor der Herbstwelle aufgrund zu niedriger Impfquoten gibt es seit Monaten, nachlesen können Sie das beispielsweise im Artikel Die Hütte brennt und wir sehen das Feuer nicht hier im Blog), die Politik hat es aber vorgezogen ein weiteres Mal abzuwarten, ob es wirklich so schlimm kommen würde.

Ja, liebe Politiker, diesmal habt ihr wirklich versagt! Ihr habt in dieser Pandemie schon viele Warnungen der Wissenschaft ignoriert und es kam jedes Mal genauso schlimm wie vorhergesagt. Und dieses Mal habt ihr wirklich Pech, weil die Wissenschaft die Omikron-Variante nicht voraussehen konnte und es deswegen diesmal noch schlimmer als vorhergesagt kommen könnte.

Es mag tatsächlich sein, dass sich Omikron letztlich als Variante mit milderem Krankheitsverlauf erweist, auch wenn das leider momentan eher unwahrscheinlich erscheint. Aber wollt ihr wirklich darauf wetten und einfach so wie bisher weitermachen?

In eigener Sache: Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, dann können Sie mir das Schreiben und Recherchieren gerne mit einem Kaffee oder einer kleinen Spende versüßen. Eine Möglichkeit dazu finden Sie auf der Seite Buy me a coffee.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Ich bin freiberuflicher Autor, Journalist und Texter (aka "Schreiberling") aus Luxemburg. Als Informatiker und Statistiker habe ich jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Ich beschäftige mich seit mehr als 30 Jahren mit Infektionskrankheiten und publiziere Artikel zu diesem Thema, aus verschiedenen anderen Wissenschafts-Bereichen und aus dem Bereich Internet & Gesellschaft,

4 Kommentare

  1. Hallo Claus, ich habe schon öfter in dein Blog reingeschaut und finde ihn sehr interessant auch wenn ich nicht immer deiner Meinung bin. Ich finde den psychisch Aspekt, den dieses Virus verursacht, darfs du nicht ausser acht lassen und nicht nur bei Kinder und Jugendlichen sondern auch bei der ältern Generation. Wieder ein Lockdown würde diese Symptome nur noch verstärken und ich finde, wieso sollen wir Geimpfte bestraft werden weil die Ungeimpften Egoisten sind !!!!!????

    1. Hallo Danielle, du hast völlig recht, die psychischen Folgen des/der Lockdowns darf man natürlich nicht außer acht lassen. Und ich möchte eigentlich auch nicht noch einmal Schulschließungen noch einen Lockdown erleben. Das Problem liegt darin, dass wir die aktuelle Welle schon so lange haben durchlaufen lassen, ohne groß darauf zu reagieren. Und deswegen bin ich ziemlich sicher, dass wir eine kurze Vollbremsung brauchen werden, um die Inzidenz herunterzubekommen. Ob das nun per Lockdown erfolgt, oder ob’s reicht, wenn die Vernünftigen (und das ist ja die überwältigende Mehrheit) von sich aus auf ein paar Kontakte verzichten, sei hier mal dahingestellt.

      Mir persönlich wäre es auch viel lieber gewesen, wenn wir’s früher und mit anderen Mitteln versucht hätten. Wir hätten schon längst eine strikte 2G-Regel haben müssen, wir hätten schon lange gegen Fake-News vorgehen müssen, wir hätten die Impfquote schon im Sommer mit allen Mitteln erhöhen müssen usw., die Liste ist lang (ich hab’s im Artikel Wir brauchen Maßnahmen – UND ZWAR SOFORT!!!! vor einem Monat weiter ausgeführt). Das eigentliche Problem stellen hierzulande die rund 195.000 ungeimpften Menschen dar, von denen rund 115.000 im Alter von 12 Jahren und älter sind (sich also impfen lassen könnten, wenn sie wollten). Hätten wir zumindest in der Bevölkerung ab 12 Jahren eine Impfquote von 95 % oder so erreicht, dann könnte man’s tatsächlich durchlaufen lassen und die Risiken in Kauf nehmen. Bei der derzeitigen Impfquote sind die Risiken zu groß (absehbar ist das schon lange, ich hab’s vor mehr als einem halben Jahr schon im Artikel Nicht-Geimpfte werden ein paar Nachteile haben thematisiert)

      Tja, die Politik hat sich stattdessen wohl eher auf ein gelungenes Christmas-Shopping-Erlebnis und ungestörte Weihnachts- und Après-Ski-Partys konzentriert und derweil die pandemische Lage und die Situation im Gesundheitswesen fahrlässig ignoriert. Und es damit möglicherweise bis zu einem Punkt laufen lassen, an dem wir auf die psychologischen Folgen einer Vollbremsung keine allzu große Rücksicht mehr nehmen können.

      1. Ich bin für 2G mit Maskenpflicht und Desinfektionsmittel und kein Lockdown damit die Wirtschaft nicht auch noch den Bach runter geht und die Arbeitslosigkeit steigt. Sorry, wie gesagt jedermann seine Meinung. Danke 👋

        1. Wäre mir, wie schon gesagt, auch lieber. Ich befürchte nur, dass sich Omikron auch bei uns ziemlich schnell verbreiten und uns Omikron nicht wirklich die Wahl lassen wird. Und ich hoffe wirklich inständig, dass ich mich da täusche…

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