Corona

Luxemburg, Corona und die nächsten paar Monate

Ich werde häufig (meistens von Leuten, die ich eher den Querdenkern zurechne) gefragt, warum ich diese Artikel über Corona schreibe und von wem ich dafür bezahlt werde. Die Antwort auf die zweite Frage ist recht einfach, ich werde schlicht gar nicht dafür bezahlt, dieses Blog ist eine rein private Initiative.

Die Antwort auf die erste Frage ist hingegen etwas komplexer. Ich bin einfach der Meinung, dass in der jetzigen Situation ein Medium fehlt, das Ihnen, liebe Leser, die wissenschaftliche Sicht auf die Corona-Pandemie in einfachen Worten ermöglicht. Die Politik tut so etwas nur in den seltensten Fällen, weil sich Politiker bei ihren Meinungsäußerungen meist an dem orientieren, was (ihrer Meinung nach) die meisten Menschen hören möchten. Und die klassische Presse tut es (zumindest hier in Luxemburg) auch nicht unbedingt, weil dazu die Abhängigkeit von der Politik viel zu groß ist.

Und da ich den Eindruck habe, dass gerade in der jetzigen Situation, kurz vor den Festtagen und mitten in der Diskussion um die Notwendigkeit eines Lockdown, die reine, ungeschminkte Wahrheit manchmal etwas zu kurz kommt, habe ich diesen Artikel begonnen.

Dieser Artikel ist eigentlich gar kein Artikel, sondern vielmehr ein Experiment, dessen Idee bei einem längeren und überaus interessanten Gespräch mit Frank Engel, Präsident der CSV, zustande gekommen ist. Ich möchte mithilfe dieses Artikels gerne herausfinden, ob es in Luxemburg einen parteiübergreifenden Konsens in der Frage gibt, wie wir alle zusammen durch die nächsten vier oder fünf Monate kommen werden.

Dazu habe ich meine eigene Meinung, die ich Ihnen in den nächsten Absätzen darlegen möchte. Aber, und das ist die eigentliche Idee hinter diesem Artikel, ich möchte hier Akteure aus Politik und Wissenschaft zu Wort kommen lassen und ihren Kommentaren und Anmerkungen den größtmöglichen Raum in diesem Artikel einräumen. Denn sie, nicht ich, verfügen über alle notwendigen Informationen zu dieser Pandemie.

Und da ich glaube, dass die nächsten paar Monate ziemlich schwer für uns alle werden, ist die Meinung der Akteure aus Politik und Wissenschaft jetzt wichtiger denn je. Denn wir brauchen einen breiten, parteiübergreifenden Konsens, um die Corona-Leugner, Schwurbler und Schönredner zu übertönen. Und damit Ihnen, liebe Leser, eine gewisse Planbarkeit für die nächsten Monate zu ermöglichen.

Also, liebe Akteure aus Politik und Wissenschaft, liebe Mitglieder der Corona-Taskforce, bitte schreiben Sie mir Ihre Meinung zu den folgenden Fragen. Jede Antwort, die ich erhalte, wird in diesem Artikel veröffentlicht werden. Ich hoffe, Sie melden sich zahlreich, damit letztlich ein Überblick zustande kommt, an dem sich jeder Bürger hierzulande orientieren kann.

Sie können mich per Facebook Messenger oder per E-Mail erreichen, um mir Ihre Sicht der Dinge mitzuteilen, die Fragen, um die es geht, finden Sie weiter unten.

Wo, wenn nicht in einem kleinen Land wie Luxemburg, könnte ein solches Experiment funktionieren? Also, liebe Akteure aus Politik und Wissenschaft, zeigen Sie uns bitte, dass Bürgernähe und Kommunikation keine Fremdwörter für Sie sind. Vielleicht reicht es am Ende ja sogar für einen parteiübergreifenden Konsens…..man darf ja auch mal optimistisch sein und ein bisschen träumen.

Und Sie, liebe Leser, können bei diesem Experiment helfen. Bitte sorgen Sie dafür, dass dieser Artikel von möglichst vielen Menschen gelesen wird. Lassen Sie uns gemeinsam beweisen, dass Luxemburg die Vorteile eines kleinen Landes und direkter Kommunikationswege tatsächlich nutzen kann. Und dass wir diese Vorteile nutzen können, um eine wirkliche Transparenz und einen wirklichen Konsens zu schaffen. Bitte teilen Sie diesen Artikel so soft wie möglich.

Ist ein kompletter Lockdown notwendig?

Ich denke, dass die Situation in Luxemburg nur bedingt mit der in Deutschland (die ja häufig als Vergleich herangezogen wird) zu vergleichen ist. Ich glaube, dass die Bevölkerung hierzulande stark mehrheitlich die Gefahren erkannt hat und zu Einschränkungen bereit ist. Deswegen glaube ich, dass wir hierzulande mit den aktuellen Maßnahmen durchaus leben können und dass diese Maßnahmen ausreichen, um die Neu-Infektionen auf ein erträgliches Maß zurückzufahren.

Allerdings sollten wir darauf vorbereitet sein, dass wir diese Maßnahmen wahrscheinlich bis ins Frühjahr hinein aufrechterhalten müssen. Ich könnte mir vorstellen, dass zumindest die Restaurants (mit gewissen Einschränkungen, beispielsweise einer Maximaldauer des Besuchs von 2 Stunden) im Januar wieder geöffnet werden könnten, für Cafés und Brasserien sehe ich eine Wiedereröffnung als zu kritisch an.

Für einen kompletten Lockdown gilt Ähnliches. Wir würden zwar die Zahl der Neu-Infektionen damit recht schnell wieder senken können, trotzdem wären weiterhin Einschränkungen bis ins Frühjahr hinein notwendig, um diese Entwicklung dann auch unter Kontrolle zu behalten. Letztlich würde ein solcher kompletter Lockdown das Problem vermutlich nur um einige Wochen verlagern.

Allerdings sollte ein möglicher kompletter Lockdown trotzdem vorsorglich geplant und in einen stimmfertigen Gesetzentwurf gegossen werden, um auf eine mögliche Überlastung des Gesundheitswesens sehr schnell reagieren zu können.

Sollte das Missachten der Bestimmungen zu einer Straftat werden?

Ich denke ja. Das Missachten der Bestimmungen des Infektionsschutz-Gesetzes kann eine Gefahr für Leib und Leben anderer Menschen darstellen und sollte dementsprechend eingestuft werden. Die Einordnung als Straftat würde der Polizei die Kontrolle solcher Verstöße auch in Privatwohnungen ermöglichen. Allerdings müsste eine solche gesetzliche Grundlage der Ausnahmefall sein und sollte jeden Monat vom Parlament neu genehmigt werden müssen, damit hier kein Missbrauch möglich wird.

Wie müssen die Maßnahmen kommuniziert werden?

Das A und O für eine Akzeptanz von Einschränkungen ist die Kommunikation. Die Regierung muss dafür sorgen, dass sich jeder Bürger über die Notwendigkeit der Einschränkungen informieren kann. Das beinhaltet sowohl aktuelle Zahlen über die Entwicklung als auch Analysen über die Wirksamkeit der Einschränkungen in Bezug auf das Infektions-Geschehen. Diese Zahlen sind auf der Covid-Website der Regierung bereits vorhanden, bei Analysen und Erklärungen mangelt es noch etwas.

Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass den Corona-Schönrednern endlich etwas entgegengesetzt wird. Die „alternativen Fakten“ dieser Schönredner werden hauptsächlich in den sozialen Medien verbreitet. Wenn man die dort versammelten Menschen erreichen möchte, ist die Schaffung einer Social-Media-Taskforce notwendig, deren (geschulte) Mitarbeiter sich tagtäglich über den in den sozialen Netzwerken verbreiteten Unfug informieren, diesen kommentieren und notfalls auch zur Meldung bringen. Ohne richtigstellende Kommentare überlassen wir die Deutungshoheit den Corona-Leugnern, und das darf nicht geschehen.

Welche Maßnahmen werden aufrechterhalten werden müssen?

Das hängt in hohem Masse von der Qualität und Verfügbarkeit eines Impfstoffes und von der Verfügbarkeit hochwertiger Schnelltests ab. Die Impfung wird in absehbarer Zeit dafür sorgen können, dass immer mehr Menschen gegen die Covid-19-Erkrankung immun sein werden. Die Schnelltests hingegen könnten bei entsprechend hoher Zuverlässigkeit zur Eingangskontrolle in Bereichen mit vulnerablen Menschen eingesetzt werden (Altersheimen oder Kliniken) und den Zugang zu Einrichtungen mit hoher Menschenanzahl zu überwachen (Schulen, Universitäten usw.).

Allerdings wird uns weder die fortschreitende Impfung noch die Verfügbarkeit von Schnelltests alles wieder ermöglichen. Meiner Meinung nach sollten Cafés und Kneipen bis wenigstens zum Beginn des Frühlings geschlossen bleiben, größere Veranstaltungen sollten bis dahin ebenfalls nicht stattfinden dürfen. Grundsätzlich sollte also alles unterbleiben, bei dem eine größere Anzahl von Menschen in Innenräumen zusammenkommt.

Die Politik wird sich bis dahin um die Unterstützung der Selbständigen aus dem Gaststättengewerbe kümmern müssen, damit die Betriebe nicht geschlossen werden müssen. Daneben muss übrigens auch ganz grundsätzlich die Unterstützung für Selbständige aus anderen Bereichen überarbeitet werden, weil auch hier Menschen aufgrund der Krise in teilweise prekären Situationen sind. Besonders krass fällt die Situation in manchen Bereichen des Gesundheitswesens aus, da medizinische Berufe wie beispielsweise Kinésitherapeuten keiner Niederlassungspflicht durch das Mittelstands-Ministerium unterliegen und daher auch keine Ansprüche auf die Hilfen für andere Selbständige haben.

Wie soll es in den Schulen weitergehen?

Dank der Halsstarrigkeit des Bildungsministeriums ist es bisher nicht gelungen, die Schulen als „Verteiler“ von Infektionsketten auszuschalten, obwohl die Wissenschaft schon seit längerem vor den von den Schulen ausgehenden Risiken warnt (alleine in diesem Blog wurde bereits seit Mai auf diese Problematik hingewiesen). Das ist in der jetzigen Situation nicht mehr akzeptabel und muss sich ändern. Daher sollte jetzt bereits festgelegt werden, dass bis zu den Sommerferien der Unterricht für ältere Schüler (ab +/- 14 Jahre) in geteilten Klassen stattfindet. Dazu sollten die Klassen in A/B-Gruppen unterteilt werden und wechselweise im Präsenz- und Fern-Unterricht unterrichtet werden.

Neben der dadurch entstehenden Planbarkeit könnte ein solches Vorgehen auch große Vorteile für die Zukunft erbringen. Denn wir werden danach wissen, ob ein Fernunterricht in größerem Rahmen möglich ist und werden aus den hier gemachten Erfahrungen vielleicht sogar ein Modell für die Zukunft der Schulen erstellen können. Die Chance dazu wird vermutlich nicht so schnell wiederkommen.

Wann können die Einschränkungen aufgehoben werden?

Meiner Ansicht nach werden wir wohl noch bis Ende des nächsten Jahres mit einigen Einschränkungen leben müssen, dazu dürften hauptsächlich der Mund-Nasen-Schutz und die Abstands- und Hygiene-Regeln zählen. Der Sommer und das draußen stattfindende Leben werden uns die Situation etwas erleichtern, aber ein völlig „normales“ Leben wird es erst wieder geben können, wenn eine gewisse Herdenimmunität (so um die 70 % der Bevölkerung) erreicht ist. Diese Herdenimmunität können wir auf zwei Arten erreichen, entweder durch eine Impfung oder durch natürliche Infektion.

Eine funktionierende Impfung wird dafür sorgen, dass das Immunsystem einer geimpften Person schnell auf das SARS-CoV-2-Virus reagiert und Antikörper bildet, die einen schweren Verlauf oder sogar schon die Infektion als solche verhindern können. Wie gut und wie lange das funktionieren wird, wissen wir im Moment ebenso wenig, wie wir die tatsächliche Wirksamkeit eines Impfstoffes abschätzen können. Wir wissen aber zumindest schon einmal, dass es funktionierende Impfstoffe gibt, die in den nächsten Wochen auch bei uns zum Einsatz kommen werden. Hier finden Sie bei Interesse mehr über mRNA-Impfstoffe.

Eine natürliche Infektion findet dann statt, wenn sich ein Mensch mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Auch hier ist das Resultat eine Antwort des Immunsystems und die Bildung von Antikörpern. Aber im Gegensatz zur Impfung besteht hier für den Betroffenen ein potentielles Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

Mir persönlich erscheint das Risiko einer Impfung im Vergleich zu den Folgen einer Erkrankung als sehr gering, ich würde mich daher so schnell wie irgend möglich impfen lassen. Aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Fazit

Das von meinen Artikeln gewohnte Fazit suchen Sie in diesem Artikel vergebens. Ich hoffe, dass sich genügend Fachleute und Politiker darauf einlassen, Ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit uns zu teilen.

Daher noch einmal meine Bitte an Sie: Teilen Sie diesen Artikel sooft wie irgend möglich, damit wir möglichst schnell möglichst viele verschiedene Einschätzungen von Fachleuten bekommen. Sie können das mit den folgenden Schaltflächen auf dem Medium Ihrer Wahl tun. Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Mitarbeit.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Ich bin freiberuflicher Autor, Journalist und Texter (aka "Schreiberling") aus Luxemburg. Als Informatiker und Statistiker habe ich jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Ich beschäftige mich seit mehr als 30 Jahren mit Infektionskrankheiten und publiziere Artikel zu diesem Thema, aus verschiedenen anderen Wissenschafts-Bereichen und aus dem Bereich Internet & Gesellschaft,

3 Kommentare

  1. Restrictions to life as we (used to) know it shouldn’t be continued longer than strictly necessary.
    The main reasons for restrictions are to protect the vulnerable people and avoid hospital overload.
    Hence, after the vulnerable have been vaccinated in the coming months, restrictions should be lifted and people given the freedom to choose what risks to take personally.

    1. I agree completely. But we should be aware that it might take until Winter 2021 to get enough people vaccinated. In my opinion we have to manage to come over the winter. As soon as the temperatures rise we’ll get rid of the most problems which will allow to lift most restrictions.

      1. Um die Welttournee von Covid 19 auf einen Schlag zu beenden währe mein Vorschlag eine Impfpficht für die ganze Menschheit aber leider gibt es die nicht daher müssen leider noch viele Menschen daran erkranken und auch noch sterben.

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