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Kinder, Jugendliche, Schulen und die Corona-Pandemie

Seit Beginn der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie fällt auf, dass Kinder und Jugendliche offenbar von den schlimmsten gesundheitlichen Auswirkungen einer Covid-19-Erkrankung weitgehend verschont bleiben.

Deutlich schwerer fällt der Wissenschaft allerdings die Erklärung dafür, warum das so ist. Zum einen wurden bereits zu Anfang der Corona-Pandemie in vielen Ländern die Schulen geschlossen, eventuelle Ansteckungen konnten so gar nicht erst stattfinden. Und zum anderen wurden zu Beginn der Pandemie die wenigen verfügbaren Tests hauptsächlich für symptomatische Personen genutzt. Aufgrund des meist asymptomatischen Verlaufs bei Kindern und Jugendlichen sind dadurch eventuelle Erkrankungen wahrscheinlich nur in sehr wenigen Fällen erfasst worden.

Beides sorgt dafür, dass es lange Zeit keine Studien zum Infektionsverhalten bei Kindern und Jugendlichen gegeben hat. Erst jetzt, mit dem Blick auf die geplante Wiedereröffnung der Schulen, ändert sich das so langsam und erste Studienergebnisse werden veröffentlicht.

Aber selbst diese bisher erschienenen Studien beziehen sich auf kleine Gruppen und lassen kaum allgemeingültige Aussagen zu. Es gibt viele durch erste Studien gewonnene Theorien und Hypothesen, belastbare Daten hingegen nur sehr wenige.

Ebenso schwer fällt der Wissenschaft eine Aussage darüber, inwieweit Kinder und Jugendliche das neue Corona-Virus an andere Menschen weitergeben können, wie infektiös sie also sind.

In diesem Artikel möchte ich zusammenfassen, was wir derzeit über das Infektionsverhalten von Kindern und Jugendlichen wissen und was noch erforscht werden muss.

Unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Altersgruppen

Es ist sichtbar, dass eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus je nach Altersgruppe unterschiedlich verläuft. Allerdings verstehen die Wissenschaftler bisher nicht so recht, warum das so ist. Das gilt übrigens nicht nur für das aktuelle SARS-CoV-2-Virus, sondern trifft auch für andere bisher bekannte Coronaviren wie SARS oder MERS zu.

Kinder bis zu 10 Jahren

Es scheint immer deutlicher zu werden, dass sich Kinder unter 10 Jahren wohl ebenso leicht anstecken können wie Erwachsene (auch wenn manche Studien wie diese vielzitierte aus NATURE das Ansteckungsrisiko als geringer beziffern). Aber es sieht ganz danach aus, dass es ungeachtet der Ansteckungs-Anfälligkeit unter bereits infizierten Kindern kaum ernstere Fälle gibt und dass sie weniger infektiös als Jugendliche und Erwachsene sind.

Eine aktuelle Studie aus Südkorea zeigt beispielsweise, dass Kinder im Alter bis zu 10 Jahren das SARS-CoV-2-Virus kaum verbreiten (72 % weniger als Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren). Auch diese Studie baut allerdings auf einer recht kleinen Anzahl von Betroffenen auf und ist deswegen kaum repräsentativ. Ausgeschlossen ist eine Übertragung von Kindern auf Erwachsene sicherlich nicht, aber das Risiko scheint doch eher gering zu sein.

Über die Gründe für die fehlende Ansteckung durch diese Altersgruppe ist wenig bekannt. Eine bereits etwas ältere Studie der Charité in Berlin zur Viruslast im Rachentrakt verschiedener Altersgruppen hat eine geringere Viruslast bei Kindern unter 10 Jahren ergeben, eine neuere auf JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie scheint im Gegensatz dazu darauf hinzudeuten, dass Kinder durchaus eine ähnlich hohe Virenlast im Rachentrakt tragen können.

Trotzdem sieht es nach einigen Studien zur Kontaktverfolgung ganz danach aus, als würden zumindest kleinere Kinder eher selten andere Personen infizieren.

Warum das so ist (und ob es überhaupt so ist), ist derzeit völlig unklar. Eine Theorie beruht darauf, dass Kinder weniger kraftvoll aus- und einatmen und daher das Virus weniger weiträumig streuen. Eine weitere Studie berichtet über tiefer schwebende Tröpfchen und Aerosole aufgrund der geringeren Körpergröße der Kinder. Letztlich bleibt nur zu sagen, dass wir es aufgrund fehlender Forschungsergebnisse derzeit schlicht nicht wissen.

Ähnlich sieht es bei Erklärungen für den milderen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung in dieser Altersgruppe aus. Eine vorherrschende Theorie hat mit einem Enzym namens ACE2 zu tun, an welches das SARS-CoV-2-Virus andockt und mit dessen Hilfe es in Zellen eindringt. Einer Studie vom 20. Mai 2020 zufolge sind bei Kindern unter 10 Jahren mehr ACE2-Rezeptoren in Nase und oberen Atemwegen aktiv, während bei Erwachsenen diese Rezeptoren mehr in der Lunge aktiv sind. Das könnte eine Erklärung dafür liefern, warum dem SARS-CoV-2-Virus bei Erwachsenen die Replikation im Lungenbereich leichter fällt.

Eine andere Theorie bezieht sich auf das noch im Aufbau befindliche Immunsystem von Kindern bis zu 10 Jahren. Denn das Immunsystem von Kindern reagiert anders als das von Erwachsenen. Das angeborene Immunsystem antwortet als erstes auf eventuelle Eindringlinge. Es tritt sehr schnell in Aktion und antwortet eher unspezifisch mit sogenannten Fresszellen (Phagozyten), die Krankheitserreger einschließen können.

Bei Erwachsenen und älteren Kindern ab ungefähr 11 Jahren kommt zu dieser unmittelbaren Reaktion noch eine spezifischere Reaktion durch Antikörper sowie B- und T-Lymphozyten hinzu, die auf das sogenannte erworbene Immunsystem (Immungedächtnis) zurückzuführen ist.

Diese kombinierte Reaktion von angeborenem und erworbenem Immunsystem kann eine potentiell lebensbedrohliche Überreaktion auslösen, die als Zytokinsturm bezeichnet wird und die bei Kindern unter 10 Jahren kaum jemals vorkommt. Mehr zu diesem Thema finden Sie bei Interesse beispielsweise hier in der Deutschen Apotheker-Zeitung.

Diese bei dieser Altersgruppe fast nie vorkommende Überreaktion des Immunsystems könnte ein Grund dafür sein, dass bei Kindern weniger häufig mit schweren Folgen einer Covid-19-Erkrankung zu rechnen ist. Eine der bislang größten pädiatrischen Studien, die Ende Juni in Lancet Child & Adolescent Health veröffentlicht wurde, stellt fest, dass Covid-19 bei Kindern im Allgemeinen eine leichte Krankheit ist. Was allerdings nicht heißt, dass Kinder (besonders solche mit Vorerkrankungen) nicht trotzdem schwer krank werden können. Letztlich wissen wir mit Stand heute nicht, ob Kinder ein Risiko für Langzeitfolgen haben könnten oder nicht.

Grundsätzlich dürfte all dies trotzdem eine gute Nachricht für Bildungspolitiker sein. Denn wenn diese Theorien zutreffen, dann sollte die vollständige Öffnung von Kindergärten und Grundschulen mit relativ geringem Risiko möglich sein.

Kinder und Jugendliche von 11 bis 20 Jahren

Etwas anders sieht es leider bei Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 20 Jahren aus. Denn immer mehr Studien zeigen, dass durch deren nahezu vollständig entwickeltes Immunsystem sowohl die Ansteckungsgefahr wie auch die Infektiösität mindestens auf dem gleichen Niveau wie bei Erwachsenen liegen.

Und das stellt im Hinblick auf die in einigen Ländern beabsichtigte vollständige Öffnung der Schulen ein recht erhebliches Risiko dar. Wenn Kinder und Jugendliche ab einem gewissen Alter ebenso infektiös wie Erwachsenen sind, aber seltener Symptome einer Covid-19-Erkrankung entwickeln, dann steigt durch eine vollständige Schulöffnung mit einer Vermischung der Schülergruppen das Risiko zur Entstehung neuer Infektionsketten bis in den Familien- und Freundeskreis erheblich.

Letztlich dürfte auch bei der Frage einer vollständigen Öffnung der Schulen die Anzahl der unerkannt aktiv infizierten Personen in der Bevölkerung eine erhebliche Rolle spielen (mehr über diese Dunkelziffer finden Sie beispielsweise im Artikel Die Corona-Lage in Luxemburg und bei seinen Nachbarn vom 5. August 2020 in diesem Blog). Denn umso geringer die Anzahl dieser aktiv Infizierten im unmittelbaren Umfeld der jeweiligen Schule ist, desto geringer dürfte auch das Risiko einer vollständigen Schulöffnung ausfallen.

Aber genau weiß heute niemand, welche Auswirkungen eine solche Öffnung haben könnte. Deswegen wäre es wohl eher anzuraten, für ältere Kinder und Jugendliche von einer vollständigen Schulöffnung abzusehen und stattdessen eher eine Mischung aus E-Learning und Präsenzunterricht mit Gruppentrennung in den Schulen beizubehalten, um gerade in diesem eminent wichtigen Bereich kein Hochrisiko-Experiment mit den Schülern und ihrem Umfeld durchzuführen.

Die Vorfälle in einem Feriencamp in Georgia in den USA

Das Übertragungen unter Kindern und Jugendlichen ähnlich schnell wie bei Erwachsenen erfolgen können, belegt das Beispiel eines Feriencamps im US-Bundesstaat Georgia. Eine Studie der amerikanischen Seuchenbekämpfungs-Behörde CDC zeichnet nach, was in diesem Feriencamp geschah, viele Medien, unter anderem die Washington Post und CNN, berichteten über die Vorfälle.

Laut der Studie der CDC wurden in diesem Camp die meisten der von den Behörden geforderten Sicherheitsmaßnahmen übernommen, die Schüler trugen allerdings keine Gesichtsmasken. Mitte Juni wurde dieses Feriencamp für mehr als 600 Camper und über 120 Mitarbeiter geöffnet.

Sieben Tage nach der Eröffnung (und zwei Tage nach Eintreffen der Schüler) wurde ein jugendlicher Mitarbeiter krank und verließ das Lager, am darauffolgenden Tag wurde die Covid-19-Erkrankung dieses Mitarbeiters bestätigt. An diesem Tag wurden die Schüler nach Hause geschickt, das gesamte Camp wurde drei Tage später geschlossen.

Das Gesundheitsministerium von Georgia begann am Tag nach der bestätigten Erkrankung des Mitarbeiters mit systematischen Tests auf Covid-19 bei allen Schülern und Mitarbeitern des Camps. Bislang liegen Testergebnisse für 344 (58%) von 597 Betroffenen vor; von diesen waren 260 (76%) positiv.

Interessanterweise wurde ein höherer Prozentsatz der jüngsten Kinder positiv getestet: 51% der 6- bis 10-Jährigen, 44% der 11- bis 17-Jährigen und 33% der 18- bis 21-Jährigen. Die Autoren der Studie schreiben dazu, dass die Untersuchung zeigt, dass Kinder jeden Alters anfällig für SARS-CoV-2-Infektionen sind und dass sie eine wichtige Rolle bei der Übertragung spielen könnten.

Diese Ergebnisse lassen sich aufgrund der speziellen Situation in diesem Feriencamp sicherlich nicht beliebig auf andere Situationen übertragen. Aber sie zeigen doch sehr deutlich, dass eine Übertragung auch unter Kindern und Jugendlichen extrem schnell möglich ist und dass vermutlich auch Erwachsene von ihnen infiziert werden können.

Sind Schulöffnungen überhaupt sinnvoll?

Es dürfte ein breiter Konsens darüber herrschen, dass eine moderne Gesellschaft ohne Schulen weder funktionieren kann, noch sollte. Denn eine völlige und langandauernde Schließung der Schulen würde gravierende Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit der Kinder haben und ist daher nicht einmal ansatzweise sinnvoll.

Aber das heißt eben auch nicht, dass es hier nur ein „alles oder nichts“ gäbe. Denn eine vollständige Schulöffnung ist aus sozialen Gesichtspunkten heraus wohl am ehesten für Kinder bis zu 10 Jahren wichtig, die sich aufgrund ihres Alters zwar weniger an die Regeln halten, für die andererseits aber auch das Infektions-Risiko nach den vorliegenden Informationen wohl erheblich geringer ist.

Für Kinder ab 11 Jahren und Jugendliche sollte vorsichtshalber davon ausgegangen werden, dass sie ebenso gefährdet und ansteckend sind wie Erwachsene. Für diese Altersgruppe wäre eine Klassentrennung in kleinere Gruppen mit einer Mischung aus Präsenz-Unterricht und Home-Schooling deswegen vermutlich die bessere Wahl.

Das dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch für das gesamte nächste Schuljahr so bleiben, weil dieses Virus eben nicht einfach wieder verschwinden wird. Und weil sich im Gegensatz zu den Aussagen manch eines Politikers Ansteckungen im Schulbereich kaum ausschließen lassen. Aber zumindest lässt sich das Risiko minimieren, Gesundheitsrisiken lassen sich sehr wohl gegen Bildungsrisiken abwägen und miteinander vereinbaren. Deswegen sollten die sowieso schon knappen Ressourcen im Bildungsbereich jetzt eher dafür genutzt werden, ein solches System aufzubauen.

Die Wissenschaftler der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) sehen das in einer Stellungnahme vom 5. August (Coronvirus-Pandemie: Für ein krisenresistentes Bildungssystem) ganz ähnlich und schreiben „Nach heutigem Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass Kinder und Jugendliche sich grundsätzlich mit dem SARS-CoV-2-Virus infizieren und es auch weitergeben können – obwohl manches darauf hinweist, dass dies jüngere Kinder weniger betrifft als ältere Kinder und Jugendliche.“. Von den Autoren wird unter anderem für Schutzmaßnahmen in den Schulen, kleinere Lerngruppen und eine Kombination aus Präsenz- und Distanz-Unterricht plädiert.

Auch die deutsche Gesellschaft für Virologie warnt in einer Stellungnahme führender Virologen (unter anderem Prof. Christian Drosten, Prof. Melanie Brinkmann und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit) vom 6. August vor einer Schulöffnung ohne Schutzkonzepte. In der Stellungnahme heißt es unter anderem „Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen. Eine Unterschätzung der Übertragungsgefahren an Schulen wäre kontraproduktiv für das kindliche Wohlergeben und die Erholung der Wirtschaft.“

Das luxemburgische Experiment der vollständigen Schulöffnungen in den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien scheint sich jedenfalls immer mehr als gefährlicher, verantwortungsloser und ziemlich sinnfreier Unfug zu erweisen. Oder sollte es sich tatsächlich um ein bewusstes Experiment mit der Gesundheit der Schüler und Lehrer gehandelt haben?

Aufgrund einiger Kommentare möchte ich diesem Absatz eine persönliche Anmerkung hinzufügen: Bei der abschließenden Frage handelt es sich um eine sogenannte rhetorische Frage, die schon per Definition nicht der Vermittlung von Informationen, sondern vielmehr der Unterstreichung einer Aussage dient. Ich hätte das dementsprechend kennzeichnen sollen und habe es nicht getan. Das war ein Fehler, für den ich mich an dieser Stelle entschuldigen möchte. Ich bin ein Fan der Politik der derzeitigen luxemburgischen Regierung (und selbst Mitglied der DP) und glaube daran, dass die bisherigen Maßnahmen dafür gesorgt haben, das Luxemburg heute besser als die meisten anderen Länder dasteht. Ich bin lediglich mit der Einführung eines vollen Schulbetriebs in den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien nicht einverstanden gewesen und stehe einer vollständigen Schulöffnung auch nach den Sommerferien (zumindest für Kinder und Jugendliche über 10 Jahre) ausgesprochen skeptisch gegenüber.

Fazit

Die genauen Übertragungswege und Infektionsketten des SARS-CoV-2-Virus sind momentan alles andere als abschließend erforscht. Sehr vieles ist und bleibt, insbesondere bei der Rolle von Kindern und Jugendlichen, ungewiss.

Als mehr oder weniger belegt kann allenfalls gelten, dass jüngere Menschen eher selten schwere Krankheitsverläufe einer Covid-19-Erkrankung durchmachen müssen, auch wenn die Gründe dafür noch eher unklar sind. Aber was die möglichen Langzeitfolgen auch bei Kindern und Jugendlichen betrifft, liegt vieles im Unklaren (denn diese Langzeitfolgen sind bisher ja noch nicht eingetreten und daher auch nicht untersuchbar).

In der nächsten Zeit dürfte sich aufgrund neuer Studien aus bereits geöffneten Bildungseinrichtungen in vielen Ländern die Informationslage deutlich verbessern. Allerdings sollten wir hier nicht unbedingt mit positiven Nachrichten rechnen. Im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern begann am vergangenen Montag (3. August 2020) das neue Schuljahr ohne Abstandsregeln, die Zahl der Neu-Infektionen steigt seitdem (beispielsweise laut News4Teachers) schnell und weitläufig verteilt an. Wie unter anderem die FAZ berichtete, wurden die ersten beiden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern bereits wieder geschlossen.

Ob vor diesem Hintergrund eine vollständige Schulöffnung in den europäischen Ländern nach den Sommerferien möglich ist, muss zumindest sehr infrage gestellt werden. Bei Kindern bis zu 10 Jahren könnte das mit einem relativ überschaubaren Risiko möglich sein, während für ältere Kinder vielleicht eher eine Mischung aus Präsenz-Unterricht und Home-Schooling mit geteilten Klassen ratsam wäre, um das Risiko zumindest etwas zu begrenzen.

Grundsätzlich dürfte gelten, das in Ländern und Regionen mit relativ wenigen lokalen Neu-Infektion die Öffnung der Schulen mit wenig Risiken erfolgen konnte, während in Ländern mit hohen Infektionsraten (wie beispielsweise in Israel) die Schulen recht schnell zu kaum kontrollierbaren Infektions-Schwerpunkten wurden. Nachlesen können Sie das übrigens bei Interesse unter anderem hier in einer Studie der amerikanischen gemeinnützigen Kayser Family Foundation.

Spätestens seit dem oben bereits erwähnten Ausbruch in dem Feriencamp im US-Bundesstaat Georgia darf man außerdem mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass sich Kinder und Jugendliche ebenso umfassend und schnell untereinander anstecken können, wie das bei Erwachsenen der Fall ist. Der Verzicht auf nur einige der empfohlenen Schutzmaßnahmen (insbesondere auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes) hat in diesem Fall innerhalb weniger Tage zu einem katastrophalen Infektionsgeschehen geführt.

Um zu sehen, ob das luxemburgische Bildungsministerium die Risiken ebenso einschätzt und entsprechend verantwortungsbewusst handelt, wird man wohl noch ein wenig abwarten müssen. Zumindest scheint (unter anderem laut einem Bericht des Tageblatt) für den Beginn des nächsten Schuljahrs an einem abgestuften Sicherheitskonzept für die Schulen gearbeitet zu werden. Genaueres darüber dürfte aber wohl erst später bekanntgegeben werden. Es bleibt die Hoffnung, dass die zur Verfügung stehende Zeit bis zum 15. September zur Ausarbeitung von tragfähigen Konzepten genutzt wird.

Ansonsten sollte weiterhin jeder von uns ein paar grundlegende Dinge, besonders das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes und das Vermeiden von Innenräumen, beherzigen. Denn mit diesen einfachen Maßnahmen können wir alle zusammen dafür sorgen, dass uns erneute Einschränkungen erspart bleiben.


Übrigens, liebe Maskengegner: das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist kein Eingriff in eure persönlichen Freiheits-Rechte. Und es ist auch kein Komplott. Denn ihr dürft mir glauben, dass die Ordnungsbehörden mit den Dingern alles andere als glücklich sind (hauptsächlich wegen der Videoüberwachung, über die ihr euch vorher aufgeregt habt).

Nein, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist ein Zeichen dafür, dass ihr die Sorge und Nöte eurer Mitmenschen ernst nehmt und euch solidarisch verhalten möchtet. Denn selbst wenn nur eine geringe Chance bestünde, dass dieser Mund-Nasen-Schutz eine gewisse Wirkung zeigt (tatsächlich zeigt er sogar eine sehr hohe Wirkung), dann wäre die Verweigerung des Tragens nichts anderes als ein Zeichen von Egoismus und Selbstsucht gepaart mit einer ordentlichen Portion Dummheit. Denkt mal drüber nach.


Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflicher Autor, Texter und Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er ist diplomierter Informatiker und Statistiker und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Er publiziert Artikel zu Themen rund um Gesellschaft, Internet und verschiedene Wissenschaftsgebiete in seinem eigenen Blog und in verschiedenen Foren.

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