CoronaGesellschaft

Die Corona-Lage in Luxemburg und bei seinen Nachbarn

Ich habe im Artikel Warum Luxemburg kein Risiko für seine Nachbarn ist vom 15. Juli 2020 zu erklären versucht, warum Luxemburg zwar durchaus hohe Neu-Infektionszahlen aufweist, aber aufgrund der sehr umfassenden Teststrategie für seine Nachbarländer eigentlich kein besonderes Risiko darstellt, sondern eher ein nachzuahmendes Beispiel.

Im damaligen Artikel bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Lage in Luxemburg trotz scheinbar höherer Neu-Infektionen nicht schlimmer als in den Nachbarländern ist, weil hierzulande aufgrund der höheren Testanzahl die Dunkelziffer (der unerkannt aktiv Infizierten) kleiner als in den Nachbarländern sein dürfte und sich die Pandemie dadurch leichter kontrollieren lässt. Ganz im Gegensatz zur Situation bei unseren Nachbarn, die sich vermutlich in einer ganz ähnlichen Situation befinden, ohne das allerdings überhaupt zu bemerken.

Vor gut zwei Wochen war das zwar absehbar, allerdings stellte sich die Pandemie-Lage in Deutschland, Belgien und Frankreich zu dem Zeitpunkt noch relativ gut dar. Das hat sich mittlerweile geändert, das Problem beginnt auch bei unseren Nachbarn sichtbar zu werden. Deswegen scheint mir jetzt der richtige Zeitpunkt zu sein, um die Situation in unseren Nachbarländern zu beleuchten und noch ein wenig auf die Mechanismen dieser Corona-Pandemie einzugehen.

So beginnen zweite Wellen

Seit einigen Tagen kommt auch in unseren Nachbarländern keiner mehr an der Frage vorbei, ob die Lockerungen und die überall zu beobachtende Vernachlässigung der Abstands- und Hygiene-Regeln nicht schon längst alle bisher erzielten Fortschritte in der Bekämpfung der Pandemie zunichtegemacht hat.

Denn bei unseren Nachbarn lässt sich gerade dieselbe Entwicklung beobachten, die zur Einschätzung von Luxemburg als Risikogebiet geführt hat. Die Neu-Infektionen steigen mehr oder weniger massiv an, das Durchschnittsalter der neu infizierten Menschen nimmt deutlich ab und die Infektionen beruhen nicht mehr auf einzelnen großen Superspreading-Events, sondern kommen in der Breite vor.

In Deutschland warnt das Robert-Koch-Institut immer eindringlicher vor einer zweiten Welle, in Belgien und Frankreich sind die Regierungen dabei, neue Einschränkungen einzuführen. Überall in Europa sorgt eine zunehmende Sorglosigkeit eines Teiles der Bevölkerung und die teilweise übereilten Lockerungen der Eindämmungs-Maßnahmen für eine zunehmende Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus.

Selbst die Wirtschaftsverbände, auf deren Druck hin viele Lockerungen sehr schnell und ohne große Überlegungen erfolgt sind, schließen sich mittlerweile der Warnung des Robert-Koch-Instituts an. Denn auch die ziemlich konsequente Pandemievorsorge in den Unternehmen könnte wegen des Verhaltens in Parks, auf Straßen und Partymeilen vergeblich bleiben und die Angst vor neuen Einschränkungen und daraus resultierenden Insolvenzen wächst stark. So warnt beispielsweise Andreas Rade vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit den Worten „Das Risiko einer zweiten Welle erwächst nicht aus den Werkshallen, sondern ganz offensichtlich aus Feiern und mangelnder Abstandshaltung.“ vor zu leichtfertigem Verhalten. Der Deutsche Reiseverband (DRV) schließt sich dem an und warnt vor drohenden Insolvenzen durch Urlauber, die sich nicht an die Abstands- und Hygieneregeln halten und damit neue Einschränkungen durch die Behörden nötig machen (siehe beispielsweise hier in der WELT).

In den Nachbarländern von Luxemburg macht sich jedenfalls so langsam die Erkenntnis breit, dass die Lockerungen aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen möglicherweise zu schnell durchgeführt wurden und zu weitreichend waren. Und das weder konsequent genug getestet worden ist noch eindringlich genug vor den Gefahren des SARS-CoV-2-Virus gewarnt wurde.

Im Gesundheitswesen herrscht die Ruhe vor dem Sturm

Ganz ähnlich sieht es auch im Gesundheitswesen aus. Aufgrund der geänderten Altersstruktur sind weniger Menschen von schweren Folgen einer Covid-19-Erkrankung betroffen, die Klinikbetten füllen sich erheblich langsamer, als das in der ersten Pandemie-Welle mit ihren älteren Betroffenen der Fall war. Die Gründe dafür können Sie im Artikel Die Kliniksituation in Luxemburg hängt den Infektionen hinterher in diesem Blog nachlesen.

Das sollte allerdings keinesfalls als Entwarnung missverstanden werden. Denn auch beim derzeitigen Infektionsgeschehen mit jüngeren Betroffenen wird es schwere Verläufe geben, allerdings wohl mit einer größeren zeitlichen Verzögerung. Ähnliches gilt für die Risikogruppen (ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankung), auf die diese Pandemie-Welle mit hoher Wahrscheinlichkeit auch irgendwann übergreifen wird.

Unter den Wissenschaftlern und Ärzten herrscht ein weitgehender Konsens, dass mit einer neuen Welle von schweren Erkrankungen in den Kliniken zu rechnen ist. Uneinigkeit herrscht allenfalls darüber, wie schnell das der Fall sein wird.

Das neue Corona-Virus ist nach wie vor tödlich

In den sozialen Netzwerken und in Gesprächen trifft man nach wie vor auf Menschen, die das SASR-CoV-2-Virus mit einer Grippe vergleichen. Ob das jetzt aus Gründen der Selbstberuhigung, aufgrund einer enormen Ignoranz oder aus irgendwelchen anderen Gründen geschieht, dürfte vom Einzelfall abhängen.

Aber eine neue Studie verschiedener Institute in Deutschland kommt anhand der Untersuchung von mehr als 10.000 Covid-19-Patienten aus 920 Krankenhäusern in Deutschland zu Ergebnissen, die die Gefährlichkeit des SARS-CoV-2-Virus unterstreichen. Laut dieser Studie (die hier bei Lancet erschienen ist) sind 22 % aller in die Kliniken eingelieferten Patienten an ihrer Erkrankung verstorben (bei Beatmungspatienten waren es 53 %, bei Patienten ohne künstliche Beatmung immer noch 16 %).

Was dann wiederum zweierlei bedeutet. Zum einen sollte die Aussage, dass das SARS-CoV-2-Virus nicht gefährlicher als eine Grippe sei, damit wohl endgültig ins Reich der Fantasie gehören. Und zum zweiten sollten wir uns darauf einstellen, dass eine höhere Klinikbelegung letztlich auch wieder zu mehr Todesfällen führen wird. Das lässt sich anhand einer kleinen Modellrechnung recht einfach nachvollziehen.

Auch wenn einige Ewig-Gestrige offenbar immer noch nichts aus der bisherigen Entwicklung gelernt haben (die Demo in Berlin vom letzten Samstag mit 20.000 Teilnehmern und einer allgemeinen Missachtung der Abstandsregeln haben gerade gezeigt, dass noch genügend „Covidioten“ vorhanden sind) sieht die allgemeine Lage doch eher beängstigend aus. Dass dieses Verhalten einen Einfluss auf die künftige Entwicklung haben dürfte, scheint bereits jetzt klar zu sein.

Die Lage in Luxemburg und bei seinen Nachbarn

Die optimistische Idee von der Sommerpause des SARS-CoV-2-Virus, äquivalent zum Grippevirus, stellt sich immer mehr als (opportunistisches) Märchen heraus. Auch das war durchaus absehbar, denn gerade in eher heißen Ländern wie den USA, Brasilien oder Israel wütet die Pandemie stärker denn je.

In der Grafik wird die Entwicklung in Luxemburg und seinen Nachbarländern recht deutlich:

Entwicklung der Neu-Infektionen in Luxemburg
Entwicklung der Neu-Infektionen in Frankreich
Entwicklung der Neu-Infektionen in Belgien
Entwicklung der Neu-Infektionen in Deutschland

Belgien

In Belgien weist die Verlaufskurve mittlerweile eine frappierende Ähnlichkeit mit der von Luxemburg auf. Mit über 69 400 nachgewiesenen Infektionen und fast 10.000 Todesfällen (Stand: 3. August 2020) ist das Land eines der am stärksten betroffenen Länder in Europa. Die relativ hohe Fallsterblichkeit (CFR) von 14,09 % weist darauf hin, dass nicht ausreichend getestet wird und dass die Dunkelziffer der unentdeckten aktiven Fälle in der Bevölkerung recht hoch sein dürfte (mehr über die verschiedenen Sterblichkeitsraten finden Sie auch im Artikel Betrachtungen zur Fallsterblichkeit in diesem Blog).

Laut den Daten von OurWorldInData testet Belgien auf einem ähnlichen Niveau wie Deutschland und Frankreich, zum 26. Juli 2020 erreichte Belgien 0,86 Tests pro 1.000 Einwohner.

Seit einigen Wochen steigt die Zahl der Neu-Infektionen aufgrund der Lockerungen wieder stark an, aufgrund dessen verschärft die Regierung die Einschränkungen wieder. Seit dem 29. Juli dürfen Belgierinnen und Belgier für mindestens vier Wochen nur noch 5 statt 15 Menschen treffen, die nicht dem eigenen Haushalt angehören. An Veranstaltungen im Freien dürfen künftig maximal 200, im Inneren 100 Personen teilnehmen. An privaten Feiern wie Hochzeiten dürfen nur noch 10 Personen teilnehmen. Zudem empfiehlt der Sicherheitsrat, auch weiterhin möglichst von zu Hause aus zu arbeiten. Seit dem 25. Juli muss auf öffentlichen Plätzen eine Maske getragen werden.

Frankreich

Auch Frankreich gehört mit mehr als 225.000 nachgewiesenen Infektionen und mehr als 30.000 Todesfällen (Stand: 3. August 2020) zu den stark betroffenen Ländern. Auch hier weist die hohe Fallsterblichkeit von 13,44 % darauf hin, das nicht ausreichen getestet wird und das die Dunkelziffer der unentdeckt aktiven Infektionen relativ hoch liegen dürfte.

Frankreich erreichte zum 26. Juli 1,01 Tests pro 1.000 Einwohner und liegt damit auf einem mit Belgien und Deutschland vergleichbaren Niveau.

Die Anzahl der Neu-Infektionen steigt in Frankreich seit Wochen an, der Sieben-Tage-Durchschnitt lag am vergangenen Donnerstag erstmals wieder bei über 1.000 Neu-Infektionen pro Tag. Deswegen hat die Regierung den örtlichen Behörden jetzt mehr Spielräume bei der Maskenpflicht in der Öffentlichkeit gegeben, die Präfekturen können nun die Maskenpflicht auf öffentliche Plätze ausdehnen. Viele Präfekturen, besonders in den stark frequentierten Urlaubsregionen im Süden Frankreichs, haben bereits mit Verschärfungen reagiert.

Deutschland

Deutschland ist mit über 211.000 nachgewiesenen Infektionen und über 9.000 Todesfällen (Stand: 3. August 2020) bezogen auf die Bevölkerungsgröße deutlich weniger betroffen als Belgien und Frankreich. Auch die Fallsterblichkeit liegt mit 4,33 % deutlich niedriger, was entweder auf eine niedrigere Dunkelziffer von unentdeckt Infizierten schließen lässt oder der sehr guten klinischen Betreuung geschuldet ist.

Denn die Testanzahl in Deutschland liegt nicht höher als in Belgien oder Frankreich, zum 26. Juli wurden in Deutschland 0,96 Tests pro 1.000 Einwohner durchgeführt.

Aber auch in Deutschland steigt die Anzahl der Neu-Infektionen seit einigen Wochen wieder stark an, der Wochendurchschnitt überschreitet erstmals seit Mitte Mai wieder die 600 Neu-Infektionen pro Tag. Im Vergleich mit anderen Ländern ist das immer noch relativ wenig, zu denken gibt allerdings, dass die neuen Infektionen nicht mehr in größeren Clustern sondern über die Fläche verteilt auftreten. Selbst das bekannt gut aufgestellte Meldewesen in Deutschland könnte mit vielen kleinen Infektionsherde schnell an die Grenze der Belastbarkeit gebracht werden.

Hinzu kommt ein immer größer werdendes Problem mit positiv getesteten Urlaubsrückkehrern, in Nordrhein-Westfalen werden an den Flughäfen mittlerweile rund 2,5 % der Urlauber positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Da sich nur 40 bis 50 % der Urlauber testen lassen, besteht hier wahrscheinlich ein hohes Potential für die Entstehung neuer Infektionsketten.

Daher wird in Deutschland mittlerweile über verpflichtende Tests bei der Rückkehr nach Deutschland nachgedacht, eine Entscheidung dürfte noch im Laufe dieser Woche fallen.

Luxemburg

Mit bisher 6.855 nachgewiesenen Infektionen und 117 Todesfällen gehört Luxemburg (bezogen auf die Bevölkerungsgröße) zu den stärker betroffenen Ländern. Allerdings spricht die sehr niedrige Fallsterblichkeit von 1,71 % dafür, dass die Teststrategie der luxemburgischen Regierung gut funktioniert, die Dunkelziffer der unentdeckt Infizierten sollte hier deutlich geringer als in den Nachbarländern ausfallen.

Dafür spricht auch die im Vergleich zu den Nachbarländern (und nahezu allen anderen Ländern der Welt) extrem hohe Testquote. In Luxemburg wurden (zum 26. Juli 2020) 11,03 Tests pro 1.000 Einwohner durchgeführt, also mehr als zehnmal so viele wie in den Nachbarländern.

Durch diese Teststrategie werden in Luxemburg sehr viele asymptomatische Fälle entdeckt. Das ist zwar schlecht für den Ländervergleich, aber sehr gut für die Entwicklung der Pandemie im Land selber. Und das sieht man auch deutlich in der Grafik.

Denn während die Nachbarländer (wie übrigens fast alle Länder Europas) darum kämpfen, die neuen Infektionsketten (die zu mehr oder weniger stark ansteigenden Neu-Infektionen führen) überhaupt aufzudecken, ist Luxemburg einen deutlichen Schritt weiter. Denn die Teststrategie in Verbindung mit einem gut funktionierenden Kontakt-Tracing hat hierzulande tatsächlich (und allen Modellierungen zum Trotz) dazu geführt, dass die zweite Infektionswelle bisher nicht in eine exponentielle Steigerung übergegangen ist.

Man kann also durchaus darauf hoffen, dass die Teststrategie ausreichen könnte, um die weitere Entwicklung zu beherrschen. Denn zur Kontrolle der Pandemie ist es extrem wichtig, die Anzahl der unentdeckt infizierten Personen in der Bevölkerung so niedrig wie möglich zu halten. Und momentan scheint es so, als würde das Luxemburg als bisher einzigem Land in Europa auch tatsächlich gelingen.

Allerdings gibt es da auch einen Wermutstropfen, die relativ konstante Anzahl von Neu-Infektionen in Luxemburg könnte nämlich auch auf eine verringerte Testanzahl zurückzuführen sein. Denn seit dem 22. Juli ist in Luxemburg ein erheblicher Rückgang der durchgeführten Tests und eine Abnahme der insgesamt getesteten Personen zu verzeichnen. Die Anzahl der Tests hat sich im Wochendurchschnitt von knapp 15.000 auf unter 10.000 pro Tag verringert, die Anzahl der getesteten Personen hat sich im selben Zeitraum von knapp 10.000 pro Tag auf unter 5.000 halbiert. Gleichzeitig hat sich der Anteil der positiven Tests verdoppelt, was ebenfalls für eine verminderte Testkapazität spricht.

Die Rolle der unentdeckten aktiv Infizierten

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die bereits oben erwähnte Dunkelziffer der aktiv infizierten Personen in der Bevölkerung während einer Pandemie eingehen. Denn das Verständnis gerade dieser Zahl ist enorm wichtig.

In einer Bevölkerung gibt es zu jeder Zeit eine bestimmte Anzahl an Personen, die andere Menschen anstecken können. Im Falle des SARS-CoV-2-Virus dürfte die infektiöse Phase rund 2 Tage nach der eigentlichen Infektion beginnen und sich auf einen Zeitraum von rund 10 bis 14 Tagen erstrecken. Nach diesem Zeitraum repliziert das Virus eher in den tieferen Atemwegen und im Lungenbereich, die Infektiösität nimmt dann schnell ab.

Die Tage, an denen die Ansteckung anderer Personen am wahrscheinlichsten ist, sind dabei nach bisherigen Erkenntnissen wohl die ersten zwei bis drei Tage der infektiösen Phase. Diese hochansteckende Phase liegt nun aber leider in einem Zeitraum, in dem die infizierte Person noch keine Symptome aufweist, von einer Erkrankung also gar nichts bemerkt.

Wenn diese asymptomatischen infizierten Personen in der Bevölkerung gefunden werden können, dann können sie unter Quarantäne gestellt werden und somit keine anderen Menschen mehr (wohlgemerkt unabsichtlich und ohne eigenes Wissen) infizieren. Werden Sie nicht gefunden, gibt es in einer Bevölkerung zwangsläufig eine ständig wachsende Zahl von unerkannten Infektionsquellen, das Risiko einer Ansteckung steigt dadurch zwangsläufig an.

Sichtbar wird das in der Reproduktionszahl, denn diese Zahl wird ja aufgrund der tatsächlichen Neu-Infektionen berechnet. Und beruht damit zwangsläufig weniger auf den in Quarantäne befindlichen Personen (die ja nur noch in Ausnahmefällen andere anstecken können), als vielmehr auf denjenigen, die die Erkrankung unbemerkt weitergeben. Deswegen bedeutet eine Reproduktionszahl über 1 auch immer, dass die Anzahl der unerkannt aktiv infizierten Personen in der Bevölkerung ansteigt.

Und deswegen ist die luxemburgische Teststrategie völlig richtig und sollte unseren Nachbarn als Beispiel dienen. Denn nur mit einer sehr großen Anzahl von Tests lassen sich die asymptomatischen Infizierten in der Bevölkerung entdecken. Und nur durch die möglichst umfassende Verkleinerung dieser Dunkelziffer lässt sich eine Pandemie-Welle mehr oder weniger unter Kontrolle halten.

Die Wichtigkeit der Kontaktverfolgung

Neben einer ausreichenden Testkapazität wird die Nachverfolgung der Kontakte einer infizierten Person immer wichtiger. Denn durch eine frühe Erkennung und Isolation dieser Kontakt-Personen können Infektionsketten unterbrochen werden, bevor sie überhaupt zum Ausbruch kommen.

Das Problem bei diesem Kontakt-Tracing liegt darin, das es sehr schnell erfolgen muss. Denn nur eine sehr schnelle Quarantäne und Testung der Risiko-Kontakte ermöglicht die Unterbrechung der Infektionsketten. Die diversen Corona-Apps der einzelnen Länder könnten das Problem lösen, kämpfen aber derzeit mit Akzeptanz- und Datenschutz-Problemen und bislang allenfalls eine zusätzliche Hilfe dar (mehr zum Thema der Corona-Warn-App finden Sie beispielsweise hier im SPIEGEL und im Artikel Ein paar Worte zu Corona-Apps vom 19. April in diesem Blog). Daher muss die Nachverfolgung der Kontakte derzeit in einem sehr zeit- und arbeitsaufwändigen Verfahren manuell erfolgen.

Und hier sind offenbar besonders Luxemburg und Deutschland sehr gut aufgestellt. In Luxemburg hilft dabei die relative Kleinheit des Landes und die gute personelle Ausstattung der mit dem Kontakt-Tracing befassten Behörde. In Deutschland spielt die föderale Struktur mit weitgehend eigenständigen und gut ausgestatteten örtlichen Gesundheitsämtern zu einer Unterteilung in kleine Verwaltungseinheiten, die die Nachverfolgung von Kontakten deutlich vereinfachen.

So ziemlich alle anderen Länder setzen auf zentralisierte Strukturen, die für die derzeitige Situation viel zu schwerfällig reagieren. Was übrigens teilweise auch die schwereren Krankheitsverläufe in manchen Ländern und die niedrigeren Todesfall-Raten in Luxemburg und Deutschland zu erklären hilft. Denn eine frühzeitige Erkennung einer Covid-19-Erkrankung (bevor ein schwerer Verlauf überhaupt einsetzt) ermöglicht eine erheblich bessere medizinische Versorgung als bei einem Patienten, der erst mit schweren Symptomen in eine Klinik eingeliefert wird.

Deswegen kann eine funktionierende Kontakt-Nachverfolgung Leben retten und für eine bessere Kontrolle einer Pandemie-Welle und eine Entlastung des Gesundheits-Systems sorgen.

Fazit

Leider sieht es danach aus, als hätte ich in meinem oben erwähnten Artikel vom 15. Juli 2020 nicht so sehr falsch gelegen. Ich sage an dieser Stelle übrigens ganz bewusst „leider“, weil diese Entwicklung wohl nur durch das weitgehende Ignorieren der Abstands- und Hygieneregeln durch einen Teil der Bevölkerung ermöglicht worden ist.

Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass sich diese Pandemie möglicherweise unter Kontrolle halten lässt, wenn sich jeder an ein paar ganz einfache Regeln hält. Und deswegen möchte ich diesen Artikel mit ein paar Zeilen abschliessen, die ich bereits im Artikel Was wir in Luxemburg JETZT tun sollten vom 14. Juli 2020 geschrieben habe, und die heute noch genau so richtig und wichtig wie damals sind:

  • Lassen Sie sich testen, wenn Sie die Möglichkeit haben. Denn jeder einzelne asymptomatische Infizierte, den wir frühzeitig erkennen, macht das Problem ein klein wenig kleiner.
  • Beschränken Sie ihre Kontakte auf das Notwendigste. Denn nur dann, wenn Sie wissen, mit wem Sie in letzter Zeit engeren Kontakt hatten, ist im Falle des Falles eine Nachverfolgung möglich. Und diese Nachverfolgung ist wichtig, denn Sie kann Leben retten.
  • Unterlassen Sie Feiern mit vielen Personen. Sicher, feiern macht Spaß und es fehlt uns allen. Aber größere Menschenmengen in Feierlaune passen nicht in die jetzige Zeit. Also lassen Sie es bitte bleiben und nehmen Sie etwas Rücksicht auf die anderen Menschen, die Sie sonst möglicherweise anstecken werden.
  • Tragen Sie die verdammte Maske. Mir macht das Ding auch kein Vergnügen. Aber ein Mund-Nasen-Schutz kann auch dann Menschenleben retten, wenn er nur teilweise wirksam ist. Sie tun es für andere, nicht für sich selbst, deswegen ist das Nichttragen ein Zeichen von purem Egoismus.
  • Hören Sie auf mit dem Populismus. Ein Virus ist kein politischer Gegner, es schert sich einen Dreck um Sie und ihre politischen Einstellungen. Und es ist auch kein Modellfall für angewandte Oppositionsarbeit. Sehen Sie sich die USA und Brasilien an und stellen Sie sich einmal die Frage, ob Sie für so etwas verantwortlich sein möchten.
  • Treten Sie Falschaussagen entschieden entgegen. Diskussion ist gut und muss sein. Aber diskutieren Sie nicht mit Leuten, die nur Behauptungen aufstellen und keine Fakten anbieten. Treten Sie Menschen entgegen, die die derzeitige Situation verharmlosen möchten. Weil irgendjemand anders diesen Menschen vielleicht glauben könnte, wenn niemand auf solche Kommentare antwortet.
  • Wenn Sie in einem Café oder Restaurant arbeiten, dann stellen Sie bitte sicher, dass sich Ihre Gäste an die Richtlinien halten. Vielleicht werden Sie deswegen den einen oder anderen Gast verlieren und das eine oder andere Getränk weniger verkaufen. Aber Sie werden auch Ihren Teil dazu beitragen, dass es im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht wieder zu neuen Schließungen kommt. Und ein Getränk weniger zu verkaufen, wird Sie vermutlich weniger Geld kosten, als es eine erneute Schließung täte.
  • Vermeiden Sie längere Aufenthalten in Innenräumen. Die Aerosol-Übertragung stellt ein zu Beginn dieser Pandemie stark unterschätztes Problem dar, mittlerweile scheint sich dieser Übertragungsweg zu einem der Haupttreiber der Infektion zu entwickeln. Wenn Sie längere Zeit in einem Innenraum mit ungenügender Belüftung und vielen Menschen verbringen, setzen Sie sich einem nicht unerheblichen Infektionsrisiko aus. Weitere Informationen dazu finden Sie im Artikel Die Übertragungswege und ihre Folgen in diesem Blog.
  • Wenn Sie zur jüngeren Bevölkerung zählen und für sich selbst kein Risiko sehen, sollten Sie sich zwei Dinge vor Augen führen. Einerseits stimmt es nicht, dass für Sie kein Risiko besteht. Denn auch jüngere Menschen können durchaus ernsthaft an Covid-19 erkranken und auch daran sterben. Und andererseits könnten Sie als asymptomatisch Erkrankter unwissentlich andere Menschen (Eltern, Großeltern, Bekannte) infizieren, bei denen die Krankheit dann schwerer verläuft als bei Ihnen selbst und an deren Tod Sie vermutlich nicht schuld sein möchten.

Letztlich läuft alles darauf hinaus, dass wir alle JETZT NOCH die Wahl haben. Wir können uns entweder so gut wie möglich an die Empfehlungen (Distanz, Maske, Hygiene usw.) halten und versuchen, ein wenig solidarisch zu sein. Oder wir können es lassen und uns schon einmal seelisch auf den nächsten Lockdown vorbereiten.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn wir alle uns FÜR Solidarität und Zivilcourage und GEGEN den Egoismus entscheiden würden. Und so neue Einschränkungen unseres Lebens vermeiden können.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflicher Autor, Texter und Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er ist diplomierter Informatiker und Statistiker und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Er publiziert Artikel zu Themen rund um Gesellschaft, Internet und verschiedene Wissenschaftsgebiete in seinem eigenen Blog und in verschiedenen Foren.

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