CoronaGesellschaft

Wie konnte es soweit kommen – und was tun?

Irgendwie hat es Anfang des Jahres ein ziemlich bösartiges Virus geschafft, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Man nennt so etwas eine Zoonose, und es ist durchaus nicht neu. Was bei diesem SARS-CoV-2-Virus allerdings neu war, war ein sehr robustes Infektionsverhalten, mit dem es mühelos alle unsere aus wissenschaftlicher Erfahrung mit anderen Viren entstandenen Schranken problemlos niederreißen konnte.

Die Anfänge der Pandemie

So konnte eine Pandemie entstehen, von der bis Ende April dieses Jahres mehr als 3 Millionen Menschen betroffen waren. Viele Länder der Welt sind ab dann einem Prinzip gefolgt, das von dem spanisch-französischen Schriftsteller Tomas Pueyo entwickelt wurde und unter dem Namen Der Hammer und der Tanz bekannt geworden ist. Die Folge davon waren sehr strikte Eindämmungs-Maßnahmen, die leider vielfach ein paar menschliche Grundbedürfnisse völlig ignoriert haben.

Wohlgemerkt, aus heutiger Sicht waren diese strikten Eindämmungs-Maßnahmen vollständig richtig. Denn das Wissen, das verfeinerte und mehr zielgerichtete Maßnahmen erlaubt hätte, war zum damaligen Zeitpunkt einfach nicht vorhanden.

Aber wir haben bei diesen aus wissenschaftlicher Sicht absolut notwendigen Einschränkungen die Rechnung ohne den Menschen und sein Verlangen nach sozialen Kontakten gemacht. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen, alleine sein können die wenigsten von uns. Aber in der Anfangsphase dieser Pandemie, mit den Bildern aus beispielsweise Italien vor den Augen, haben viele begriffen, dass Geselligkeit in einer solchen Situation eine überaus gefährliche Angelegenheit ist. Das änderte sich dann aber leider schnell.

Das „Magical thinking“

Letztlich haben sich die zu Beginn der Pandemie verhängten Eindämmungs-Maßnahmen (der „Hammer“ aus dem Konzept von Tomas Pueyo) als ziemlich erfolgreiche Schocktherapie erwiesen. Sie haben sogar so gut gewirkt, dass wir dann darüber völlig vergessen haben, dass dieses SARS-CoV-2-Virus weder verschwunden noch weniger virulent geworden ist. Obwohl viele Wissenschaftler, Journalisten und Politiker immer wieder zur Vorsicht aufgerufen haben.

Leider kam hier aber jetzt etwas ins Spiel, das im englischen als Magical thinking bezeichnet wird. Weil Menschen nun mal vom Wesen her gesellig sind und weil sie Zuversicht brauchen, hat sich ein gar nicht so kleiner Teil der Bevölkerung ein paar Zahlen und Studien einfach schöngeredet. Frei nach dem Motto: ist ja alles gar nicht so schlimm und bestimmt bald wieder vorbei.

Und genau dieses „Magical thinking“ haben viele Corona-Schönredner benutzt, um den Menschen eine völlig ungerechtfertigte Hoffnung auf baldige besser Zeiten zu versprechen (der Hohepriester dieser „Kunstform“ ist vermutlich der US-Präsident Donald Trump). Bei den meisten dieser Corona-Schönredner ging es dabei immer nur um die eigene Popularität.

Spätestens seit den letzten paar Wochen dürfte den meisten Anhängern dieser Scharlatane wohl dämmern, dass das mit dem „Magical thinking“ nicht so recht geklappt zu haben scheint.

Die Ausgrenzung

Einige dieser Corona-Schönredner spielen leider auch gerne mit der Argumentation, dass die durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöste Covid-19-Erkrankung ja eigentlich nur für ein paar bestimmte Risikogruppen gefährlich sei. Und das es deswegen ja eigentlich ausreichend sei, wenn man diese Risikogruppen zu ihrem eigenen Schutz einsperrt.

Einmal abgesehen davon, dass es reichlich egoistisch ist, andere Menschen einzusperren, damit man selbst in Ruhe weiterleben (und weiterfeiern) kann, ist der Gedanke auch aus virologischer Sicht nicht so ganz richtig.

Grundsätzlich sprechen zwei Dinge gegen diese Idee. Zum einen wird es kaum gelingen, ältere Menschen vollständig abzuschirmen. Denn das würde ja bedeuten, dass man Altersheime komplett für jeden Besuch schließen und innerhalb von Familien komplette Besuchssperren durchsetzen müsste. Das wäre dann in letzter Konsequenz keine Abschirmung, sondern eine komplette Ausgrenzung älterer Menschen aus der Gesellschaft, die ethisch kaum zu vertreten wäre.

Zum anderen würde es dazu führen, dass man die Covid-19-Erkrankung in den jüngeren Altersgruppen quasi ungebremst durchlaufen lässt. Und auch in diesen Altersgruppen gibt es genügend Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.) zu einer Risikogruppe gehören. Aufgrund des fehlenden immunologischen Schutzes gegen das SARS-CoV-2-Virus würde das sehr schnell dazu führen, dass wir wieder an die Belastungsgrenze der Medizin kämen. Und hier wären dann junge Familienväter und -mütter betroffen.

Was können wir jetzt tun?

An sich haben wir kaum eine Wahl. Wir werden uns entweder freiwillig einschränken und auf nicht absolut notwendige soziale Kontakte ab sofort verzichten müssen. Oder wir warten darauf, dass die Situation eskaliert (sie ist gerade dabei, genau das zu tun) und wir aufgrund neuer strikter Einschränkungen zuhause bleiben müssen.

Wenn wir jetzt abwarten, bis wieder viele Intensivbetten belegt sind, dann dürfte der Zeitpunkt verpasst sein, zu dem wir noch selbst hätten auf die Situation reagieren können. Dann werden wir sehr schnell in eine Situation geraten, in der den betroffenen Staaten nichts anderes mehr übrigbleibt, als das gesellschaftliche Leben erneut strikt herunterzufahren.

Wie schnell das gehen kann, können wir gerade in Belgien, Frankreich oder Spanien beobachten. In Luxemburg hat es eine Weile so ausgesehen, als würden wir die Kurve auch ohne neuerliche Einschränkungen vielleicht noch so gerade eben kriegen (siehe die Pressekonferenz vom 17. Oktober 2020 mit ihren eindringlichen Worten von Herrn Bettel und Frau Lenert, beispielsweise hier im Luxemburger Wort). Aber mittlerweile hat sich die Situation so explosiv entwickelt, dass es ohne Einschränkungen nicht mehr möglich ist.

Deswegen hat der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel am 23. Oktober 2020 neue Maßnahmen angekündigt. So soll die Zahl der möglichen Gäste im öffentlichen und privaten Bereich auf 4 beschränkt werden, Versammlungen mit mehr als 4 Personen sollen nur noch mit Maske erlaubt sein. Außerdem wird es eine Ausgangssperre von 23 bis 6 Uhr geben (siehe beispielsweise hier im L’essentiel).

Und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (die nun wirklich nicht zu panischen oder auch nur emotionellen Reaktionen neigt), hat die deutschen Bürger am 17. Oktober 2020 in einer ziemlich emotionellen Video-Botschaft dazu aufgerufen, auf jede nicht notwendige Reise, Feier und Begegnung zu verzichten und soweit irgend möglich zu Hause zu bleiben. Das übrigens obwohl Deutschland in Bezug auf die Neu-Infektionen immer noch einer der „Musterknaben“ im europäischen Vergleich ist, wie die aktuelle Karte der New York Times (Stand: 17.10.2020, aktuelle Version hier) zeigt.

Falls wir uns also (was ich sehr hoffe) darüber einig sind, dass weder das Schönreden der Situation noch das Ausgrenzen von Risikogruppen uns bei der Bewältigung dieser Pandemie behilflich sein kann, dann wäre es jetzt an der Zeit, dass jeder Einzelne von uns sich auch weiterhin an ein paar einfache Regeln hält.

Gleiches Recht für alle

Wie oben schon gesagt, ist die Ausgrenzung von Risikogruppen keine Lösung, weil wir genau betrachtet nicht einmal wissen, was denn jetzt genau diese Risikogruppen eigentlich sind. Selbst mit den jetzt bekannten Risikofaktoren dürften die Risikogruppen um die 40 % der Bevölkerung ausmachen, und auch in diesen Risikogruppen zirkuliert das Virus bereits. Abgesehen von der Frage nach der ethischen Vertretbarkeit ist eine effektive Abschottung dieser Risikogruppen schon deswegen kaum noch möglich.

Deswegen werden wir das Problem nur gemeinsam hinbekommen, wir werden alle an einem Strang ziehen müssen, wenn wir halbwegs unbeschadet und ohne Zusammenbruch des Gesundheitssystems über den Winter kommen möchten. Egoismus und Selbstsucht werden uns da nicht weiterhelfen.

Glauben Sie nicht, Sie seien ungefährdet

Sicher, junge und gesunde Menschen haben im Allgemeinen keinen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung, Was aber nicht heißt, dass ein schwerer Verlauf nicht trotzdem möglich wäre. Es gibt Berichte über Langzeitschäden nach einem leichten Krankheitsverlauf (Fatigue) und es gibt auch erste Berichte über Herzschäden bei jüngeren Sportlern, die eine Covid-19-Erkrankung ohne schweren Verlauf hatten (siehe beispielsweise hier im Science Mag).

Sie sollten also auch als jüngerer Mensch vorsichtshalber nicht davon ausgehen, dass bei Ihnen ein leichter oder symptomloser Verlauf sichergestellt ist, denn Sie könnten sich täuschen.

Tragen Sie den verdammten Mund-Nasen-Schutz

Ein Mund-Nasen-Schutz (die Dinger heißen übrigens so, weil sie Mund und Nase bedecken sollten) ist kein Maulkorb und hindert niemanden am Ausdruck seiner persönlichen Meinung. Und er ist auch kein Gesundheitsrisiko, wie immer wieder fälschlich behauptet wird.

Er soll lediglich dafür sorgen, dass das Risiko einer Weitergabe des SARS-CoV-2-Virus zwischen mehreren Menschen reduziert wird.

Reduzieren Sie die sozialen Kontakte

Kein Mensch hat irgendetwas dagegen, wenn ein jeder von uns Kontakte (auch enge Kontakte) mit seinen Mitmenschen pflegt. Wir sind soziale Wesen und brauchen diese Kontakte. Deswegen fordert auch niemand, dass es keine sozialen Kontakte mehr geben dürfe.

Es geht um Einschränkung, es geht darum, dass der Verzicht auf jeden unnötigen sozialen Kontakt dem Virus eine Möglichkeit zur Weiterverbreitung nimmt. Und es wird darauf ankommen, diese Möglichkeiten zur Weiterverbreitung möglichst einzuschränken.

Also sehen Sie ruhig weiterhin Ihren Freund oder Ihre Freundin (auch wenn Sie nicht zusammen in einem Haushalt leben), nehmen Sie ihn oder sie in den Arm und beruhigen Sie sich gegenseitig. Wir alle brauchen diesen Rest von Optimismus, ohne ihn können wir kaum leben. Aber hinterfragen Sie bei jedem Kontakt und bei jeder Versammlung, ob Sie da jetzt wirklich hingehen oder diese Person wirklich sehen sollten. Und versuchen Sie zumindest, Ihre sozialen Kontakte auf eine kleine Gruppe von Menschen zu beschränken und nicht ständig andere Personen zu treffen.

Zur Einordnung: wenn wir es schaffen, in den nächsten Monaten unsere Kontakte um rund ein Drittel zu reduzieren, dann dürfte alleine das dafür sorgen, dass aus einer (potentiell katastrophalen) exponentiellen Steigerung wieder eine (potentiell beherrschbare) lineare Steigerung wird. Und auf einen von drei Kontakten zu verzichten, sollte doch wohl eine machbare Aufgabe sein, oder?

Führen Sie ein Kontakt-Tagebuch

Gerade das Wort „Kontakt-Tagebuch“ wird gerne einmal falsch verstanden. Denn es geht nicht so sehr darum, dass man sich im Falle einer Infektion an alle persönlichen Kontakte erinnern kann (die engen weiß man wahrscheinlich sowieso aus dem Kopf). Wichtig ist hingegen, dass wir uns an Situationen erinnern, die vielleicht ein Cluster sein könnten.

Als mögliches Cluster sollten dabei alle Situationen gelten, bei denen man das Gefühl hat, dass hier eigentlich zu viele Leute zu eng in einem geschlossenen Raum zusammen sind. Denn an genau diese Situationen können wir uns für die letzten zehn Tage viel schlechter erinnern, als an ein paar Kontakte mit engen Bekannten. Und genau diese Situationen könnten ein Quellcluster gewesen sein, das ein Gesundheitsamt erkennen muss, um Folge-Infektionen entdecken zu können. Zur Erkennung genau dieser Ansteckungsherde kann ein Kontakt-Tagebuch in erheblichem Maße beitragen.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund. Denn ein solches Tagebuch führt auch dazu, dass jeder Einzelne von uns für das Risiko bestimmter Situationen immer sensibler wird und sie irgendwann vielleicht einmal ganz automatisch meidet.

Meiden Sie Innenräume

Grundsätzlich ist es so, dass das Infektionsrisiko in Innenräumen um ein Vielfaches höher ist, als es draußen der Fall ist. Das liegt daran, dass sich in Innenräumen Aerosol-Wolken bilden können, gegen die auch ein Mund-Nasen-Schutz keinen sonderlich wirksamen Schutz bildet. Eine gute Belüftung kann das Risiko vermindern, aber nicht ausschließen.

Auch der Zeitfaktor spielt dabei eine große Rolle. In Supermärkten oder Geschäften, in denen man nicht allzu lange an einem Platz verbleibt, dürfte das Infektionsrisiko relativ gering sein. In Restaurants oder Cafés oder an Versammlungsorten, an denen man länger an einem Platz sitzen bleibt, ist das Infektionsrisiko auch bei genügend Abstand immer noch sehr hoch.

Die ideale Lösung für Restaurants oder Cafés dürfte in der Nutzung von Außenterrassen mit Heizstrahlern liegen (und zur Not gibt’s ja auch noch Wolldecken). Das funktioniert in vielen Städten im Winter schon seit Jahren, eigentlich gibt es keinen Grund, warum es nicht auch in der jetzigen Situation funktionieren sollte.

Achten Sie auf Abstand und Handhygiene

Respiratorische Viren wie SARS-CoV-2 werden über die Atemwege übertragen. Das geschieht durch kleine Tröpfchen, die wir beim Atmen, Reden, Singen, Husten, Niesen usw. ausstoßen. Diese Tröpfchen sind teils recht groß und sinken relativ schnell zu Boden, teils sind sie sehr klein und können für einige Stunden in der Luft schweben (das sind die sogenannten Aerosol-Wolken).

Gegen Aerosol-Wolken lässt sich nicht so sehr viel ausrichten, hier hilft nur eine ständige Luftbewegung und/oder ein nicht allzu langes Verweilen an einem Platz.

Gegen die größeren Tröpfchen hingegen hilft sowohl ein ausreichender Abstand zu anderen Personen als auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Experten gehen davon aus, dass das Risiko einer Tröpfcheninfektion ab einem Abstand von ungefähr 2 Meter relativ gering ist.

Wohlgemerkt, das gilt für den Außenbereich. In Innenräumen helfen Abstand und Mund-Nasen-Schutz gegen Tröpfcheninfektionen, aber kaum gegen Aerosol-Wolken.

Schmierinfektionen scheinen bei der Übertragung des SARS-CoV-2-Virus hingegen keine allzu große Rolle zu spielen. Deswegen bleibt die Handhygiene zwar wichtig, aber Sie sollten es auch nicht übertreiben und sich alle 10 Minuten die Hände desinfizieren. Ihre Haut wird es Ihnen danken.

Schützen Sie Andere vor einer Ansteckung

Die meisten von uns merken durchaus, wenn irgendwas in unserem Körper nicht stimmt. Und jetzt sind wir in einer Situation, in der die richtige Reaktion darauf enorm wichtig ist, um die Ansteckung anderer Personen zu vermeiden. Deswegen sollte jeder von uns sich selbst isolieren, wenn er oder sie Symptome einer solchen Erkrankung aufweist.

Die Weltgesundheitsorganisation listet die Symptome einer Covid-19-Erkrankung recht übersichtlich auf:

Häufigste Symptome:

  • Fieber
  • Trockener Husten
  • Müdigkeit

Seltenere Symptome:

  • Gliederschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Durchfall
  • Bindehautentzündung
  • Kopfschmerzen
  • Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns
  • Verfärbung an Fingern oder Zehen oder Hautausschlag

Schwere Symptome:

  • Atembeschwerden oder Kurzatmigkeit
  • Schmerzen oder Druckgefühl im Brustbereich
  • Verlust der Sprach- oder Bewegungsfähigkeit

Weitere Informationen zur korrekten Vorgehensweise finden Sie unter https://covid19.public.lu/de.html.

Gibt es auch positive Neuigkeiten?

Ja, die gibt es durchaus. Denn an der Covid-19-Erkrankung wird so viel geforscht, dass wir mittlerweile vieles darüber ziemlich genau wissen.

Zum einen hat die medizinische Versorgung von Covid-19-Patienten deutliche Fortschritte gemacht. Das hat dazu geführt, dass heute auch bei schweren Verläufen in einigen Fällen auf eine invasive Beatmung verzichtet werden kann, weil wir therapeutisch in den letzten Monaten eine Menge hinzugelernt haben. Und sicherlich auch, weil erheblich mehr über mögliche Behandlungen durch bereits zur Verfügung stehende Medikamente bekannt ist (Remdesivir, Dexamethason usw.). Außerdem laufen ständig weitere Tests mit vorhandenen Medikamenten, gerade vor ein paar Tagen wurde das Medikament Prozac (ein Antidepressivum mit dem Wirkstoff Fluoxetin) als aussichtsreicher Kandidat zur Behandlung von Covid-19-Patienten identifiziert (siehe beispielsweise hier bei Healthcare in Europe).

Auch die Situation in den Kliniken hat sich etwas verbessert, der Anteil der Infizierten, die eine klinische Betreuung benötigen, ist im Vergleich zur Anfangsphase der Pandemie zurückgegangen. In Deutschland wurden laut RKI im März/April rund 20 % der Infizierten in Kliniken eingeliefert (rund 5 % mussten intensiv betreut werden), mittlerweile sind es nur noch ungefähr 6 % (und ungefähr 2 %, die eine Intensiv-Betreuung benötigen). Das liegt einerseits daran, dass mittlerweile erheblich mehr Tests durchgeführt und damit auch mehr asymptomatische Infektionen erkannt werden, andererseits daran, dass das Durchschnittsalter der Infizierten abgenommen hat (und bei jüngeren Menschen eben weniger schwere Krankheitsverläufe auftreten). Allerdings kann’s sich dieser Vorteil auch schnell wieder ins Gegenteil verkehren, wenn der Altersdurchschnitt der Infizierten wieder zunimmt (genau das passiert gerade in Deutschland und in Luxemburg).

Ein weiterer möglicher Lichtblick sind die immer genauer werdenden Antigen-Schnelltests, die uns möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft eine sehr schnelle Information (in einigen Minuten) über eine eventuelle Infektion liefern können. Mit solchen Schnelltests wären dann unter Umständen sogar größere Veranstaltungen wieder möglich, weil eine Kontrolle auf eine Infektion direkt am Eingang der Veranstaltung möglich wäre. Momentan sind diese Tests dazu noch nicht zuverlässig genug, aber die Entwicklung geht ständig (und sehr schnell) weiter).

Auf einen zuverlässigen Impfstoff hingegen werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Denn selbst wenn schon gegen Ende dieses Jahres ein solcher gefunden werden sollte (was ein echter Glückstreffer wäre), dann würde es bis zur Produktion ausreichender Mengen trotzdem noch mindestens ein halbes Jahr dauern (und auch das wäre extrem schnell). Mit einem zuverlässigen und in großen Mengen verfügbaren Impfstoff ist daher keinesfalls vor Mitte nächsten Jahres zu rechnen, es könnte durchaus auch noch sehr viel länger dauern. Mehr Informationen zum Thema Impfstoff-Verteilung finden Sie bei Interesse übrigens hier in der ZEIT in einem Interview mit dem Medizinethiker Ole Norheim.

Fazit

Leider sieht es so aus, als sei das eingetreten, vor dem ich in diesem Blog seit Monaten warne. Und Sie dürfen mir glauben, dass ich in dieser speziellen Situation sehr viel lieber unrecht gehabt hätte. Aber nun ist die zweite Welle der Corona-Pandemie nun einmal da und ganz Europa (und leider auch Luxemburg) ist schwer betroffen.

Deswegen ist es jetzt wichtig, dass wir alle zusammenstehen und uns, so gut es eben geht, an die Regeln halten. Natürlich darf jeder selbst bestimmen, welchem gesundheitlichen Risiko er oder sie sich aussetzen möchte. Aber wir dürfen nicht über die Gesundheit anderer Menschen bestimmen. Daher müssen wir jetzt selbstlos genug sein, um andere Menschen vor einer Ansteckung durch uns zu schützen.

Wir sind diesem Virus nicht hoffnungslos ausgeliefert. Denn ein Virus kann sich nicht von sich aus verbreiten, es braucht einen Wirt. Und dieser Wirt sind wir, wir sind untrennbar mit dieser Pandemie verbunden. Jede neue Infektion ist darauf zurückzuführen, dass ein Mensch in Kontakt mit einem anderen Menschen war. Deswegen nimmt jeder Kontakt, den wir vermeiden, dem SARS-CoV-2-Virus eine potentielle Möglichkeit zur Weiterverbreitung. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen und folgerichtig unsere Kontakte einschränken.

Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass wir die Lage in den Griff bekommen werden, wenn jeder (ja, wirklich jeder) daran mitarbeitet und sich ein klein wenig zurücknimmt. Das werden wir auch brauchen, denn wir werden diesen Winter ungeimpft überstehen müssen.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflicher Autor, Texter und Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er ist diplomierter Informatiker und Statistiker und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Er publiziert Artikel zu Themen rund um Gesellschaft, Internet und verschiedene Wissenschaftsgebiete in seinem eigenen Blog und in verschiedenen Foren.

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