Corona

Was mit der Impfung kommt – Hoffnung, Unsinn und Antworten auf diesen

Zuletzt aktualisiert am 1. April 2021 von Claus Nehring

Dieser Artikel stammt von „Bissiges Mäuschen“ und ist mit ihrer freundlichen Genehmigung hier im Blog veröffentlicht worden. Sie können (und sollten) ihr auf Twitter unter https://twitter.com/BMauschen folgen. Der Artikel wurde auch auf publikum.net veröffentlicht.

Es sieht so aus, als ginge es tatsächlich sehr bald mit den Impfungen los.

Das ist toll, aber es wird auch zu neuen Diskussionen, Irrtümern und Irreführungen führen. Viele davon sind vorhersagbar, also schauen wir ein paar doch gleich mal an, okay?

Der Plan (hier beim RKI) sieht vor, zuerst die Risikogruppen zu impfen, am Anfang Ältere Menschen und medizinisches Personal.

Warum zuerst die Risikogruppen?

Weil diese Menschen das größte Risiko für schwere Verläufe haben und wir diese durch die Impfungen verlässlich verhindern können.  Das kann im besten Fall schon ziemlich bald viele Tote verhindern helfen und die Krankenhäuser doppelt entlasten da sowohl die schweren Fälle abnehmen als auch das Personal geschützt wird.

Da die Risikogruppen und medizinisches Personal aber (wahrscheinlich) keinen sehr großen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus haben – sie sind eher „Empfänger“ als „Verbreiter“ – werden wir in dieser frühen Phase wahrscheinlich kaum Einfluss auf die Gesamtzahlen sehen.

Und, weil alte Menschen sowieso öfter krank werden und sterben, werden wir eine ganze Menge Menschen beobachten, die nach der Impfung Symptome entwickeln oder sogar sterben. Das wäre auch sonst passiert, aber das Bild in der frühen Impfphase sieht dann insgesamt eben so aus:

  • Die Gesamtzahl der COVID-19 Fälle nimmt kaum ab
  • Die Todesfälle sinken (aber mit der üblichen Verzögerung, da es von Ansteckung bis Tod ein paar Wochen dauert)
  • Es sterben Menschen nach der Impfung

Was werden die Schwurbler daraus machen?

Wahrscheinlich mehreres:

  1. Sie werden behaupten, die Impfung wirkt gar nicht, da die Fälle in der Gesamtbevölkerung  am Anfang kaum abnehmen und auch die positiven Effekte bei den Todesfällen eine Zeit brauchen
  2. Sie werden völlig vergessen, dass sie bei COVID-19 immer „an“ und „mit“ unterscheiden wollten und werden alles was der Impfung folgt als „an“ verbuchen. Leider werden hierbei auch einige ÄrztInnen und PflegerInnen einsteigen, da diese eher den einzelnen Patienten und dessen Symptomen vor Augen haben als die epidemiologische Lage. Und die genaue Beobachtung nach der Impfung wird auch dazu führen, dass wir Symptome finden, die wir sonst gar nicht beachtet hätten. Es stellt sich also eine Art „Nocebo by Proxy“ -Effekt ein. Auf den fallen besonders leicht Menschen mit Hintergrundwissen herein! Zusammengenommen kann uns das ein falsches, negatives Bild der Impfung vermitteln.
  3. Aber es kann noch schlimmer kommen: Ein anderer Teil der Bevölkerung wird den Effekt der Impfung überschätzen – bzw. den Anteil der Bevölkerung, der bereits geschützt ist – und dann unvorsichtiger werden. Dadurch können Fall- und Todeszahlen indirekt durch die Impfkampagne sogar erst einmal steigen – und natürlich werden Schwurbler auch das verdrehen!
  4. Wenn endlich die Risikogruppen durch die Impfung einigermaßen geschützt sind, werden die Gesamtfälle in der Bevölkerung kaum sinken aber die Todesfälle merklich. Hier werden die Schwurbler ansetzen und behaupten, das Virus sei ja offenbar ungefährlicher geworden! Natürlich lässt sich das einfach widerlegen, indem man die Risiken altersgruppen- und impfquotenbezogen auswertet, aber das ist aufwändig und viel schwerer als die Unsinnsbehauptung.

Die Annahme eines weniger gefährlich gewordenen Virus kann dann wieder zur Forderung nach Maßnahmenlockerung führen und natürlich auch zu einer sinkenden Impfbereitschaft.

Trotzdem werden wir weiter impfen und dann auch bei den Gruppen mit mittlerem Risiko ankommen, Gruppen, die auch als Verbreiter des Virus eine größere Rolle spielen. Was jetzt passiert, hängt auch davon ab, wie genau die Impfung wirkt – verhindert sie Infektionen so frühzeitig, dass bei den Geimpften kaum oder nur so kurzzeitig eine Virusvermehrung stattfindet? Dann sollten wir ab hier auch eine deutliche Einschränkung der Virusverbreitung sehen – immer noch nicht genug, um die Pandemie zu stoppen, aber vielleicht genug, um uns bei der Kontrolle zu helfen.

Stoppt die Immunreaktion die Infektion aber meist erst etwas später, dann könnten geimpfte Infizierte eine Zeitlang Viren verbreiten und wir sind wieder beim Risiko falscher Sicherheit – und bei den Schwurblern, die behaupten, die Impfung bringt gar nichts, obwohl inzwischen sicher weniger Menschen sterben!

Irgendwann – wenn die Logistik hält und die Impfbereitschaft hoch bleibt – sieht es für SARS-CoV-2 aber wirklich düster aus. Wenn genug Menschen geimpft sind, findet es kaum mehr effektiv nutzbare Wirte und verbreitet sich immer langsamer. Wenn wir von einem R0 von ca. 3 ausgehen, müssten wir dem Virus etwa 2/3 der möglichen Wirte nehmen, um ein R unter 1 und damit irgendwann einen Zusammenbruch der Pandemie zu erreichen. Mit einer Impfquote von 60-70% könnte das gelingen, mit zusätzlichen Maßnahmen schon früher.

Und hier ist ein weiterer Angriffspunkt für Schwurbler: Wenn sie auf halbem Weg behaupten, wir seien schon am Ziel, dann können sie das ganze torpedieren und unseren Weg verzögern.

Aber irgendwann kommen wir an. Und dann werden die letzten Schwurbler jedes seltsame Symptom irgendeines Patienten auf die Impfungen schieben. Aber dann winken wir ab, denn dann haben wir COVID-19 besiegt, eine neue, vielversprechende Impftechnologie etabliert und es ist Zeit zum Feiern!

Und bis dahin wisst Ihr, was vielleicht (oder sicher) an Unsinn auf dem Weg kommt. Aber jetzt seid ihr ein bisschen geimpft und könnt schneller reagieren 😉

Mäuschen out!

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Bissiges Mäuschen

Wenn schon Mäuschen, dann wenigstens bissig! Ich trolle Twitter mit Argumenten und manchmal ein bisschen Sarkasmus

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