Corona

Versuch einer wissenschaftlichen Annäherung an Querdenker

Dieser Artikel ist aus mehreren Threads von „Bissiges Mäuschen“ zusammengesetzt und ist mit ihrer freundlichen Genehmigung hier im Blog veröffentlicht worden. Sie können (und sollten) ihr auf Twitter unter https://twitter.com/BMauschen folgen. Die Links zu den einzelnen Threads mit allen Kommentaren finden Sie am Ende des jeweiligen Teils.

Einer der fatalsten Denkfehler der Menschen allgemein und im Zusammenhang mit Corona insbesondere ist ja, dass wir alle (!) die Verantwortung für aktive Handlungen als unverhältnismäßig höher werten, als die für passive (unterlassene) Handlungen.

Bekanntestes philosophisches Beispiel ist das Trolley-Problem, bei dem ein Wagen auf ein Gleis mit fünf Menschen zurast und gefragt wird, ob es ethisch sei, eine Weiche so umzustellen, dass er nur noch auf eine Person zurast. Rein rational sollte uns die Antwort leicht fallen, emotional würden die meisten von uns sich wohl vor allem schwer tun, eine Entscheidung zu treffen, bevor es zu spät ist.

In der Realität sieht es bei solchen Problemen natürlich noch einmal viel komplizierter aus, denn wir haben ja keine garantierten, sondern meist nur mehr oder weniger wahrscheinliche Folgen unseres Handeln. Daher ist die Aussage „Man darf keine Menschenleben gegeneinander aufrechnen“ in der Praxis oft sinnvoll, auch wenn sie konsequent gedacht eigentlich menschenverachtend erscheinen muss, wenn auf den Seiten der Gleichung sehr unterschiedlich viele Leben stehen und wir auch das „Nicht-Eingreifen“ als eine bewusst zu treffende Handlungsoption sehen.

Soweit so philosophisch und schwer auflösbar. Aber was hat das aktuell mit Corona zu tun?

Auch hier tendieren wir alle (ja alle!) dazu, Corona erstmal als gegeben hinzunehmen, als etwas das von außen kommt, das wir erstmal nicht in der Hand haben und für dessen Folgen wir erstmal auch nicht persönlich verantwortlich sind.

Natürlich können wir begreifen, dass das oft Unsinn ist und z.B. ein Verzicht auf Hygienemaßnahmen ein aktiv schädlicher Akt werden kann. Aber diese Einsicht kommt nicht instinktiv, dazu müssen wir ein bisschen nachdenken. Und wenn es uns dann so logisch erscheint, sehen wir nicht mehr, dass wir nachgedacht hatten und wundern uns über die fehlgeleiteten Instinkte anderer.

Wirklich extrem wird es aber bei den größeren Eingriffen – seien es Schulschließungen, Lockdown oder auch die Impfung.

Hier kommt zusätzlich zu der höheren Verantwortung für „aktive“ Handlungen noch dazu, dass wir die negativen Folgen teilweise direkt sehen, die ausbleibenden Folgen des Nicht-Handelns aber eben nicht (wir sind beim Präventionsparadoxon)!

Und so fällt es uns allen leichter die konkreten Folgen von Massnahmen zu diskutieren als die hypothetischen Folgen der nicht getroffenen Maßnahme.

Und so entstehen Querdenker. Teils als ganzer Mensch, teils aber auch als kleine Stimme in uns allen, die manchmal einfach nicht so ganz zum Schweigen zu bringen ist.

Was tun?

Ein echtes Rezept habe ich nicht, aber vielleicht ein paar Gedanken:

Unser Bauchgefühl hat seinen Platz, auch wenn es nicht logisch ist und oft falsch liegt, aber der Instinkt, aktive Handlungen besonders zu hinterfragen, ist gesund und wichtig. Er muss nur seinen richtigen Platz bekommen, Teil des Entscheidungsprozess sein und nicht Wortführer.

Vielleicht sollten wir teilweise bewusster einen geeigneten Raum für die Einwände gegen Maßnahmen finden, wo wir sie in den Kontext setzen können und nicht erst als Einwand gegen unsere Argumente an den Kopf geworfen bekommen.

Klar, auch das macht uns irgendwo angreifbar und das gut zu machen, braucht ganz viel Übung. Aber manchmal denke ich, sind wir und die Querdenker nur auf der Trolley-Schiene anders abgebogen. Ich halte unseren Weg für den richtigen – jedesmal, wenn ich wieder darüber nachdenke. Aber wenn unser Wagen die eine Person (statt der fünf) überfährt, dann müssen wir das vor uns und den anderen rechtfertigen können – nicht nur logisch, auch emotional.

Und allein das zu begreifen, kann vielleicht ein bisschen helfen, den einen oder anderen Graben zu überwinden. Und auch wenn Sarkasmus gegen das absurde manchmal gut tut und gegen den Wahnsinn da draussen nötig ist – ich will versuchen, auch den Blick auf den Querdenker nicht ganz zu vergessen, der mit erstarrter Hand am Weichenhebel steht und nicht handeln kann.

Vielleicht kommen wir ja doch irgendwann nochmal aufs gleiche Gleis. Nicht mit den großen Verleugnern und Krisenprofiteuren. Aber in manchen PMs und Alltagsgesprächen habe ich das schon erlebt.

Es ist ein langer Weg, aber mit Bauch und Verstand können wir viel schaffen!

Mäuschen out.

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Warum sind eigentlich gerade die Querdenker so vehemente Impfgegner? Müssten nicht gerade die Maßnahmengegner sich über einen absehbaren Weg aus der Pandemie freuen?

Nicht wirklich, denn es gibt da mehrere Probleme:

  • Der naturalistische Fehlschluss, also die Annahme, dass „natürliche“ Dinge generell besser sein, lässt nicht nur das Virus im Vergleich zu den (menschgemachten) Maßnahmen harmloser erscheinen, sondern auch „natürliche Immunität“ als besser als die Impfung.
  • Die menschliche Tendenz Schäden durch aktive Eingriffe moralisch viel schwerer zu werten als solche durch passives Geschehen lassen spricht auch gegen jegliche Maßnahmen, ob Lockdown oder Impfung. Mehr zu diesem Thema gibt’s auch in Teil 1 weiter oben.
  • Viele „Querdenker“ misstrauen generell der Gesellschaft, Politik und Wissenschaft, teils aus Paranoia, teils weil sie sich in der Rebellenmentalität wohl fühlen und darin das Ausleben der eigenen Freiheit sehen.
  • Manche sind aus Sensationslust oder aus (finanziellem) Interesse an der Aufmerksamkeit an einer Skandalisierung interessiert und da sind „die da oben“ immer der bessere Gegner als ein Virus.
  • Manche sind durch die oben genannten Gruppen tatsächlich einfach grob desinformiert, haben im vergangenen Jahr aber zu diesen ein Vertrauen aufgebaut und folgen ihnen daher weiter.
  • Wer jetzt für Impfungen ist, muss anerkennen, dass Corona gefährlich genug ist, diesen Eingriff vorzunehmen. Das passt aber schlecht dazu, es als harmlos genug anzusehen, gegen Maßnahmen zu sein. Um eine kognitive Dissonanz zu vermeiden – also das Problem, zwei widersprüchliche Vorstellungen balancieren zu müssen – wird bevorzugt an einer bestehenden Vorstellung festgehalten.
  • Ängste vor Nebenwirkungen oder Spritzen werden nicht anerkannt, sondern rationalisiert – so wie diffuse Ängste vorher zu einer konkreteren, benennbaren Angst-Diktatur aufgebaut wurden.

Es sind also oft in sich logische, aber auf falschen Grundlagen basierende Gedankengänge und oft eine unüberschaubare Mischung aus mehreren. Das macht die Diskussion so schwer, da man eigentlich für jedes Gegenüber Argumente maßschneidern müsste, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Verschwörungstheorien zu unterstellen, die diese Person gar nicht hält.

Im individuellen Kontakt kann hier aufmerksames Zuhören helfen, um die tatsächliche Position des Gegenübers kennen zu lernen.

Im öffentlichen Diskurs müssen wir verschiedene rationale, teil-rationale, emotionale, bewusste und unbewusste Ebenen gleichzeitig bedienen.

Und uns dabei am besten selbst nicht aufreiben!

Mäuschen out!

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Willkommen im Grundkurs „Vorhersagen machen für Schwurbelärzte und solche, die es sein wollen“

Ihr glaubt, es ist schwer, Vorhersagen zu machen – zum Beispiel zu Impfschäden – bei denen ihr später sagen könnt „Ich hab’s ja gesagt!“?

Ist es gar nicht! Ich sag Euch wie!

Regel 1: Mache viele Vorhersagen – je mehr und breit gestreut, desto besser. Wenn ich jede nur denkbare Nebenwirkung „vorhersage“ dann ist das zwar wissenschaftlich nichts wert, aber was immer passiert, ich habe Treffer!

Regel 2: Mische Wahrscheinliches mit Extremem – sage das vorher, was alle Experten auch vorhersagen, aber geh weit darüber hinaus, so kannst Du gleichzeitig Seriosität vorgeben, Angst machen und „sichere“ Treffer plus gelegentliche Glückstreffer abgreifen!

Regel 3: Bleib vage. Wenn Du Gerinnungsprobleme vorhersagst, kannst Du nachher Einblutungen, Thrombosen, Anämie usw. als Treffer verbuchen. Spezifische Vorhersagen sind viel schwerer nachher anzupassen!

Regel 4: Werte Fehler als Treffer. Du hast Herzinfarkte und Schlaganfälle vorhergesagt, die Leute haben aber nur Kopfweh? Na eben! Nicht nur hast Du ja vor Problemen gewarnt, nein jetzt kannst Du eine neue Theorie über Kopfweh durch Mikroinfarkte verkaufen!

Regel 5: Sammle Treffer, egal woher sie kommen. Irgendwer hat eine Thrombose gefunden? Prima! Zähle alle zusammen, von denen Du irgendwo jemals gehört hast, und verkauf das als Deine Trefferquote! Ruhig auch Fälle von vor Deiner Vorhersage! Merkt doch niemand.

Mit diesen einfachen Tricks könnt ihr „Vorhersagen“ machen, die sich nicht nur fast sicher „bewahrheiten“, nein, ihr könnt Euer Publikum auch konstant bei Atem halten, da neben Euren „Treffern“ so viele andere tolle Vorhersagen übrig bleiben für Buch 2…

Aber vielleicht…vielleicht wollt ihr ja gar nicht Schwurbeln oder Vorhersagen daran messen, ob sie tatsächlich gut waren?

Dann dürft ihr halt nur Treffer zählen von:

  • Präzisen Vorhersagen, die vor dem Ereignis gemacht und klar definiert wurden

Damit sind hohe Trefferzahlen dann aber echt schwer zu erreichen, selbst für Experten.

Die Quote aus Treffern zu Versagern sollte dann allerdings viel höher sein und der Vorhersagewert damit viel höher.

Aber damit begäben wir uns dann weit aus dem Bereich der Schwurbelei und gefährlich nah an Wissenschaft…

Mäuschen out!

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Bissiges Mäuschen

Wenn schon Mäuschen, dann wenigstens bissig! Ich trolle Twitter mit Argumenten und manchmal ein bisschen Sarkasmus

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