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Neuigkeiten zur Immunität gegen Corona

Eine sehr aktuelle Studie zur Langzeitimmunität (veröffentlicht am 15.11.2020 auf bioRxiv) beinhaltet sehr positive Neuigkeiten über die Langzeitimmunität nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung. Denn die Studie auf Basis von 185 genesenen Covid-19-Patienten deutet auf eine starke und langanhaltende Immunantwort hin.

Festgestellt wurde, dass die genesenen Patienten auch mehr als 6 Monate nach der Infektion noch immer eine relativ stabile Anzahl von Antikörpern (IgG) aufwiesen. Und noch positiver ist, dass die langsame Abnahmerate auf ein sehr, sehr langes Verbleiben dieser Antikörper im Organismus schließen lässt.

Wohlgemerkt, diese Forschungsarbeit wurde online veröffentlicht (als sog. Preprint) und bisher weder von Experten begutachtet noch in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Trotzdem ist es die bislang umfassendste und aktuellste Studie zum Immungedächtnis nach einer Covid-19-Erkrankung.

Was das bedeutet

Die Ergebnisse der Studie bedeuten, dass eine einmal überstandene Covid-19-Erkrankung möglicherweise eine jahrelang anhaltenden Immunität oder zumindest einen sehr lang anhaltenden Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf bedeutet.

Eine andere, allerdings deutlich weniger umfangreiche Studie der University of Washington (die am 8. August 2020 auf medRxiv veröffentlicht wurde) hatte zuvor schon gezeigt, dass Antikörper gegen die Covid-19-Erkrankung mindestens drei Monate im Körper verbleiben.

Ein weiterer Hinweis auf eine langanhaltende Immunität ergibt sich aus dem Wissen, dass bereits durch das erste SARS-CoV-Virus der Jahre 2002 und 2003 infizierte Menschen auch siebzehn Jahre nach ihrer Infektion nach wie vor über wichtige Immunzellen verfügen.

Eine am 12. November 2020 bei Nature veröffentlichte Studie ergab darüber hinaus, dass von einer Covid-19-Erkrankung genesene Menschen selbst dann, wenn Antikörper nicht nachweisbar sind, trotzdem über eine funktionierende Immunantwort (T-Zellen-Antwort) gegen das SARS-CoV-2-Virus verfügen und damit zumindest einen Teil-Schutz vor einer erneuten Erkrankung aufweisen dürften.

Und was es nicht bedeutet

Das Vorhandensein von Antikörpern (oder einer T-Zellen-Antwort) bedeutet zunächst einmal nur, dass das Immunsystem ein in den Organismus eindringendes Virus besser und schneller bekämpfen kann. Damit ist in den allermeisten Fällen ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zwar nicht ausgeschlossen, aber das Risiko ist zumindest deutlich verringert.

Das wiederum bedeutet nun allerdings nicht, dass man sich nicht trotzdem mit dem SARS-CoV-2-Virus infizieren und andere Menschen anstecken kann. Denn auch das Vorhandensein von Antikörpern dürfte nicht unbedingt dafür sorgen, dass das Immunsystem das SARS-CoV-2-Virus schon während der hochinfektiösen Phase einer Infektion in den Griff bekommt.

Eine langanhaltende Immunantwort gegenüber dem SARS-CoV-2-Virus ist also einerseits, und gerade mit Hinblick auf einen zukünftigen Impfstoff, eine sehr gute Nachricht. Aber an den derzeit geltenden Regeln dürfte sich deswegen zunächst einmal nichts ändern.

Fazit

In den letzten Monaten haben Berichte über abnehmende Antikörperspiegel vielfach die Sorge geweckt, dass die Immunität gegen das SARS-CoV-2-Virus sehr schnell wieder verschwinden könnte und wir dem Virus dann aufs Neue ausgeliefert wären. Dem ist glücklicherweise offenbar nicht so, die oben genannten Studien wiesen auf eine langanhaltende Immunität hin.

Das dürfte zumindest schwere Krankheitsverläufe recht zuverlässig verhindern, weil der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung eher langsam ist und dem Immunsystem genügend Zeit zur Reaktion lässt. Ob das Immunsystem allerdings so schnell reagieren wird, dass dadurch die Ansteckung anderer Menschen vermieden werden kann, ist eher unwahrscheinlich.

Letztlich wird es also in jedem Fall darauf hinauslaufen, dass wir zu einer Herdenimmunität kommen müssen. Das kann entweder über Jahre hinweg durch natürliche Infektionen oder viel schneller durch einen der vermutlich bald einsatzbereiten neuen Impfstoffe erfolgen.

Sowohl die deutsche Firma Biontech mit ihrem US-Partner Pfizer als auch der US-Pharmakonzern Moderna stehen mit ihren Impfstoffen offenbar kurz vor der Marktreife. Obwohl es noch bis weit ins nächste Jahr hinein dauern wird, bis genügend Dosen solcher Impfstoffe hergestellt werden können, ist das doch eine sehr ermutigende Neuigkeit.

Dank der oben genannten Studien wissen wir jetzt auch, dass die Suche nach einem Impfstoff sehr sinnvoll ist, weil die Immunität gegen das SARS-CoV-2-Virus voraussichtlich doch ziemlich lange anhalten dürfte. Was eine weitere sehr ermutigende Nachricht ist.

Das alles heißt natürlich nicht, dass die Corona-Pandemie jetzt vorbei wäre und dass wir jetzt unser altes Leben wiederbekommen. Im Moment wird sich deswegen nichts an den Regeln ändern, da ist eher noch eine Verschärfung absehbar.

Aber es heißt, dass wir jetzt zumindest ein (zugegebenermaßen noch ganz kleines) Licht am Ende des Tunnels sehen und uns ein bisschen mehr Optimismus erlauben können. Denn auch wenn’s noch Monate dauern wird – es wird absehbarer, dass wir das SARS-CoV-2-Virus letztlich besiegen werden. Wir müssen halt nur noch ein wenig durchhalten.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflicher Autor, Texter und Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er ist diplomierter Informatiker und Statistiker und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Er publiziert Artikel zu Themen rund um Gesellschaft, Internet und verschiedene Wissenschaftsgebiete in seinem eigenen Blog und in verschiedenen Foren.

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