CoronaGesellschaft

Klinik-Realitäten, die Querdenker nicht wahrhaben wollen

Zuletzt aktualisiert am 4. Januar 2021 von Claus Nehring

Dieser Artikel stammt von „Bissiges Mäuschen“ und ist mit ihrer freundlichen Genehmigung hier im Blog veröffentlicht worden. Sie können (und sollten) ihr auf Twitter unter https://twitter.com/BMauschen folgen. 

Wir könnten einmal wieder auf die Zahl der freien Intensivbetten schauen, wie das die #Quarkdenker gerne machen. Aber genau wie denen würden den meisten von uns die Zahlen kein wirklich sinnvolles Bild geben.

Warum?

Naja, das fängt damit an, dass in einem Krankenhaus ein Bett nicht einfach ein Bett ist. Je nach PatientIn und Erkrankung stehen an diesem Bett ganz verschiedene Geräte, müssen verschiedene Medikamente verabreicht werden und muss ganz unterschiedlich viel Zeit und Expertise durch das Personal aufgebracht werden.

Schon bei „normalen“ Betten kann eine für Laien verwirrende Menge an Monitoren und Infusionströpfen neben einem solchen Bett stehen und je nach Infektiösität des Menschen im Bett können verschiedene Maßnahmen nötig sein, so dass auch manche Räume nicht voll belegt werden können.

Kann sich ein Patient nur eingeschränkt bewegen, dann muss Thrombose- und Dekubitusprophylaxe betrieben werden, was viel Zeit durch Pflegepersonal benötigt.

Und wenn wir schon hier eigentlich viele, viele Kategorien an „Betten“ unterscheiden müssten, dann wird das in der Intensivbetreuung nur noch schlimmer. Hier brauchen wir mehr Geräte, mehr Expertise und mehr Zeit.

Das eigentliche „Bett“ ist hier oft nur noch Beiwerk, das auch optisch unter dem „Herum“ verschwindet, vor allem bei invasiver Beatmung.

Das Limit ist also nicht nur das Bett und vor allem, es gibt nicht nur ein Limit!

Und in diese Limits laufen wir schneller als auf den ersten Blick zu erahnen, denn normalerweise liegt auf den Stationen unserer Kliniken ja eine bunte Mischung an PatientInnen.

Wenn aber COVID-19 einen großen Teil der Betten füllt, dann brauchen plötzlich viele Menschen die gleiche Betreuung, die gleichen Geräte.

Stellt Euch einen Baumarkt vor, in dem über Wochen die Hälfte der Kunden nur Schubkarren kaufen wollen – das könnte kein Markt stemmen. Nur sterben keine Menschen, wenn sie keine Schubkarre erhalten!

Und trotz all dieser Probleme, trotz all dieses logistischen und menschlichen Aufwands stemmen unsere Kliniken das – mit dem Schweiß, den Nerven und den Herzen der Heldinnen und Helden, die jeden Tag ihre eigene Gesundheit riskieren, um da eine Versorgung möglich zu machen, wo die meisten von uns schon beim Gedanken daran aufgeben würden.

Da werden Pläne für Operationen verschoben, Patienten über hunderte Kilometer transportiert, unzählige Überstunden erbracht – und alles, um diese letzten „Betten“ noch aufbringen zu können, wenn der nächste Fall eintrifft.

Und der nächste
Und der nächste
Und der nächste

Und trotz allem sterben die Menschen. Und auch das müssen sie stemmen, wieder und wieder!

Und dann vergleichen die #Quarkdenker die Auslastung von 2019 mit 2020, sie zählen die Atemwegserkrankungen und sagen: ist doch alles in Ordnung!

Sie vergleichen einen Normalfall mit einem Extremfall. Sie vergleichen Krankheitszahlen ohne Interventionen mit denen, die wir trotz aller Maßnahmen haben. Sie vergleichen schwere Atemwegserkrankungen wie eine zweiwöchige Grippe mit hohem Fieber mit kritischen Erkrankungen mit komplettem Lungenversagen und Tod.

Wissen sie nicht, was sie tun? Sind sie wirklich so dumm?

Oder wollen sie einfach nicht wissen, wollen sie sich die Welt schönreden?

Wollen sie sich schlauer fühlen als die Krankenpflegerin, die gerade den nächsten Fall an die Beatmung anschließt?

Und während die Leugner sich auf die Schultern klopfen, piept in der Ferne unbeeindruckt die nächste Flatline.

Mäuschen out!

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Bissiges Mäuschen

Wenn schon Mäuschen, dann wenigstens bissig! Ich trolle Twitter mit Argumenten und manchmal ein bisschen Sarkasmus

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch das Abschicken des Kommentars werden die eingegebenen Daten in der Datenbank dieser Website gespeichert. Ausserdem speichern wir aus Sicherheitsgründen Ihre IP-Adresse für einen Zeitraum von 60 Tagen. Weitere Informationen zur Datenverarbeitung finden Sie in der Datenschutz-Erklärung.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"