Unkategorisiert

Sommer, Sonne, Meer…..und das Corona-Virus

Noch vor ein paar Monaten sind viele Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich das SARS-CoV-2-Virus, ähnlich wie bei anderen Grippe- und Erkältungserregern, im Sommer etwas zurückziehen würde. Aber leider beweist uns das Virus gerade in vielen heißen Ländern dieser Erde, dass das wohl leider nicht passieren wird.

Trotzdem spielt das Sommerwetter eine große Rolle bei der Verbreitung des Virus. Nur dass das nicht am Virus selbst liegt, sondern an unserem Verhalten.

Die Bedeutung der UV-Strahlung

Nach Meinung vieler Experten kann das neue Corona-Virus auf Oberflächen durchaus durch Bestrahlung mit UV-Licht zerstört werden. Nur hilft uns das leider nicht sehr viel weiter, weil sich das SARS-CoV-2-Virus kaum über Kontaktinfektionen verbreitet, sondern viel eher über Tröpfchen und Aerosole.

Und weder im menschlichen Körper noch gegen Tröpfchen und Aerosole hat UV-Licht irgendeine Wirkung. Das gilt übrigens trotz des völlig absurden Vorschlags des amerikanischen Präsidenten, man möge doch Patienten mit starkem UV-Licht bestrahlen.

Die Auswirkung des Sommers auf die Menschen

Das UV-Licht der Sonneneinstrahlung sorgt also nicht automatisch für eine langsamere Verbreitung des Virus. Aber wir selbst reagieren auf den Sommer, und diese Reaktionen könnten durchaus für eine Verlangsamung des Infektionsgeschehens sorgen.

Zum einen sorgt der Sommer dafür, dass die Zahl der Erkältungskrankheiten zurückgeht. Dadurch husten und niesen wir weniger, und dadurch singt die Anzahl der Tröpfchen, die wir im Winter gerne einmal als Folge einer banalen Erkältung aushusten und ausniesen. Bedingt durch diesen Rückgang der ausgestoßenen Tröpfchen sinkt natürlich auch das Risiko von Tröpfchen-Infektionen.

Und zum anderen halten wir uns im Sommer und im Frühling natürlich eher im Freien auf, als das im Herbst oder Winter der Fall wäre. Da wir wissen, dass die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen und bei schlechter Belüftung am höchsten ist, hat dieses veränderte Verhalten einen erheblichen Einfluss auf die Verbreitungsmöglichkeiten des Virus, denn es vermindert das Risiko von Aerosol-Übertragungen (da sich Aerosol-Wolken im Freien erheblich rascher auflösen oder gar nicht erst bilden).

Die Unterschiede zur Influenza

Grippeerreger verschwinden im Allgemeinen während der Sommermonate und tauchen dann im Herbst (meist in einer mehr oder weniger geringfügig mutierten Version) wieder auf. Das liegt allerdings nur zum Teil am UV-Licht, der größte Teil dieses Effekts geht auf unser verändertes Verhalten im Sommer und unsere zumindest teilweise vorhandene Immunität gegenüber diesem Virus zurück.

Denn alle Atemwegserkrankungen, das wiederum gilt auch für das neue Corona-Virus, können sich vor allem dann gut ausbreiten, wenn sich mehrere Menschen in Räumen mit trockener Heizungsluft aufhalten.

Woraus dann aber leider auch folgt, dass spätestens im Herbst auch die Neu-Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus ganz automatisch wieder ansteigen werden.

Immunität und Teil-Immunität

Viel wird auch über das Erreichen einer Herdenimmunität zum Beenden dieser Corona-Pandemie geredet. Länder wie Großbritannien und Schweden sind mit dieser Idee bereits recht katastrophal gescheitert, in einigen anderen Ländern (allen voran die USA und Brasilien) erleben wir gerade live und in Farbe, wie falsche Entscheidungen zu einer humanitären Katastrophe führen können.

Sicherlich gibt es Studien, die vom Vorhandensein von Antikörpern bei um die 20 % der Bevölkerung (beispielsweise in Bergamo oder New York) ausgehen. Leider lässt sich aber kaum belegen, ob diese Antikörper nun tatsächlich auf SARS-CoV-2 oder auf eine Infektion mit einem der Corona-Erkältungsviren zurückzuführen sind.

Landesweit gesehen dürfte jedenfalls in keinem Land der Welt eine Herdenimmunität auch nur annähernd erreicht sein, die optimistischeren Annahmen der meisten Wissenschaftler gehen derzeit von einer Durchseuchung im einstelligen Prozentbereich aus. Eine echte Herdenimmunität dürfte sich bei normalen Verlauf der Pandemie erst nach Jahren einstellen, einzig ein Impfstoff könnte ein schnelleres Erreichen ermöglichen.

Hinzu kommt, dass selbst eine überstandene Covid-19-Erkrankung nicht unbedingt eine vollständige Immunität auslösen dürfte. Denn zumindest nach einer Infektion mit einem Erkältungs-Corona-Virus ergibt sich keine besonders starke Immunität, ansonsten wären diese Viren schon lange verschwunden. Ähnliches gilt übrigens auch für das Influenza-Virus, es handelt sich hierbei um eine der Überlebensstrategien von Viren.

Hierbei handelt es sich allerdings nicht um ein Problem, das eine Immunität nach einer überstandenen Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus unwahrscheinlich macht. Tatsächlich liefert eine aktuelle Preprint-Studie des Instituts für Immunologie in Kalifornien eher Hinweise auf eine recht robuste Immunantwort des menschlichen Immunsystems liefert. Für die eventuelle Entwicklung eines Impfstoffes ist das eine ausgesprochen positive Nachricht, die allerdings bisher (wie so vieles) nicht wissenschaftlich bestätigt wurde.

Die Hintergrund-Immunität

Eine andere gute Nachricht liefert die oben genannte Studie bei der sogenannten Hintergrund-Immunität. Denn die Forscher konnten auch auf SARS-CoV-2 reagierende Antikörper bei Personen feststellen, die mit ziemlicher Sicherheit gar nicht mit dem neuen Corona-Virus in Kontakt gekommen waren.

Diese Patienten waren allerdings mit ziemlicher Sicherheit mit mehreren der gewöhnlichen Corona-Erkältungsviren in Kontakt, wodurch die beobachtete Kreuzreaktivität erklärt werden könnte. Eine (ebenfalls nur vorveröffentlichte) Studie der Berliner Charité zum selben Thema kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Bei beiden Studien handelt es sich nicht um wissenschaftlich belegbare Fakten, sondern um Vorveröffentlichungen. Aber wenn eine solche Hintergrundimmunität tatsächlich existiert, könnte sie ein schnelleres Ende der Pandemie herbeiführen. Allerdings wäre eine solche Hintergrundimmunität im derzeitigen Infektionsgeschehen (also in den Kennzahlen wie dem R-Wert) bereits enthalten.

Eine solche eventuell vorhandene Hintergrundimmunität würde also nichts daran ändern, dass wir weiterhin durch unser Verhalten die Pandemie kontrollieren müssen. Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen und das Vermeiden größerer Ansammlungen von Menschen werden uns also wohl noch eine Weile erhalten bleiben.

Auslandsreisen

Zu einem größeren Problem könnten Auslandsaufenthalte werden. Zwar sind zurzeit erst die Innengrenzen der EU geöffnet, es ist aber absehbar, dass der politische Druck durch die Reiselobby und die Regierungen der typischen Urlaubsländer wohl relativ frühzeitig zu weiteren Öffnungen führen wird.

Inwiefern durch Reisen ins Ausland wieder eine erhöhte Infektionstätigkeit ausgelöst, lässt sich im Moment kaum absehen. Aber wenn ein Politiker wie der deutsche Gesundheitsminister die Urlauber trotz der Aufhebung der Reisewarnung für 27 europäische Länder zur besonderen Vorsicht beim Reisen aufruft und Dinge wie „Jetzt darf nicht Ballermann sozusagen das nächste Ischgl werden“ und „Party feiern – würde ich mal sagen – ist dieses Jahr weniger angesagt.“ sagt, dann scheint die Politik manche Reiseziele nicht als allzu sicher zu betrachten.

Inwiefern europäische Reiseländer wie Griechenland mittlerweile tatsächlich sicher sind und welche Grenzöffnungen primär aus wirtschaftlichen Gründen erfolgen, darüber ließe sich wohl stundenlang und ohne greifbares Ergebnis diskutieren.

Der deutsche Gesundheitsminister rät jedenfalls dazu, sich jede Reise sehr gründlich zu überlegen. Ich würde dem vollumfänglich zustimmen.

Fazit

Der Sommer alleine wird uns kaum vor einer zweiten Pandemie-Welle retten können. Weder wird das zusätzliche UV-Licht einen größeren Einfluss auf das Virus haben noch ist eine genügend große Immunität in der Bevölkerung vorhanden. Das vermehrte Aufhalten im Freien während des Sommers kann allerdings durchaus einen großen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben.

Auch auf eine größere Immunität oder Hintergrund-Immunität gegenüber SARS-CoV-2 sollten wir uns im Moment auch eher nicht verlassen. Und eine vollständige Durchseuchung voranzutreiben erscheint, gerade aufgrund der Beispiele in den USA, Brasilien oder Schweden, als recht verantwortungslose Option.

Momentan wäre es für uns alle sinnvoller, wenn wir uns nach wie vor soweit wie möglich auf die Regeln zum Social Distancing verlassen und von Urlaubsreisen möglichst absehen. Denn dass das neue Corona-Virus eine Sommerpause einlegt, um uns unser normales Leben wieder zu ermöglichen, erscheint derzeit doch sehr unwahrscheinlich.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Der Autor ist freiberuflicher Autor, Texter und Web-Entwickler mit Sitz in Luxemburg. Er ist diplomierter Informatiker und Statistiker und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Er publiziert Artikel zu Themen rund um Gesellschaft, Internet und verschiedene Wissenschaftsgebiete in seinem eigenen Blog und in verschiedenen Foren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch das Abschicken des Kommentars werden die eingegebenen Daten in der Datenbank dieser Website gespeichert. Ausserdem speichern wir aus Sicherheitsgründen Ihre IP-Adresse für einen Zeitraum von 60 Tagen. Weitere Informationen zur Datenverarbeitung finden Sie in der Datenschutz-Erklärung.

Back to top button
Close