Corona

Ein Plädoyer für den AstraZeneca-Impfstoff

Zuletzt aktualisiert am 31. März 2021 von Claus Nehring

Der Impfstoff von AstraZeneca kommt derzeit in der Presse und den sozialen Medien eher schlecht weg. Das liegt in der Hauptsache an einigen Missverständnissen, die ich hier gerne aufklären möchte.

Diese Aufklärung ist gerade jetzt sehr wichtig, weil der Impfstoff von AstraZeneca dafür sorgen kann, dass wir diese Corona-Pandemie in absehbarer Zeit in den Griff bekommen. Das liegt einfach daran, dass er im Vergleich mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna mehrere Vorteile in sich vereint, die ich hier noch einmal kurz darstellen möchte:

  • Der Impfstoff von AstraZeneca wurde von vornherein mit der Zielsetzung eines günstigen Preises und einer weltweiten Einsetzbarkeit entwickelt. Er benötigt deswegen keine extrem niedrigen Temperaturen bei Transport und Lagerung (Kühlschranktemperaturen von 2 bis 8 °C reichen aus). Das erleichtert die Verteilung enorm, sorgt für niedrige Distributionskosten und erlaubt den flächendeckenden Einsatz über Arztpraxen.
  • Die Herstellung beruht auf einem relativ einfachen und seit langem bekannten Produktionsverfahren. Deswegen gibt es weltweit geeignete Produktionsstätten und der Impfstoff wird schnell in großen Mengen verfügbar sein. Die einfache Produktion sorgt außerdem für ein günstiges Preisniveau, mit 1,78€ pro Dosis ist der Impfstoff der preiswerteste auf dem Markt (BioNTech 12,00€, Moderna 14,70€ pro Dosis).
  • Bei dem Impfstoff von AstraZeneca handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Wie bei mRNA-Impfstoffen veranlasst der Impfstoff körpereigene Zellen zur Produktion eines Oberflächenproteins des SASR-CoV-2-Virus (das sog. Spike-Protein), was wiederum das Immunsystem zum Aufbau einer Immunantwort veranlasst. Der Unterschied liegt in der Methode der Einbringung, bei Vektor-Impfstoffen werden dazu harmlose Trägerviren genutzt.
  • Der AstraZeneca-Impfstoff baut die Immunreaktion anders auf, als das bei den mRNA-Impfstoffen von BioNTech und Moderna der Fall ist. Während bei den mRNA-Impfstoffen der volle Schutz erst nach der zweiten Impfdosis aufgebaut wird, ist bei AstraZeneca schon nach der ersten Dosis eine sehr hohe Wirksamkeit vorhanden. Eine aktuelle Preprint-Studie der Universität von Edinburgh weist für AstraZeneca ein um 94 % gemindertes Risiko für einen schweren Verlauf aus, bei BioNTech sank das Risiko um 85 % (wohlgemerkt, nach der ersten Impfdosis).

In den folgenden Abschnitten möchte ich darauf eingehen, warum der Impfstoff von AstraZeneca trotz all dieser Vorteile in der Öffentlichkeit als schlechter als die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna angesehen wird und warum das so nicht richtig ist.

Denn ganz im Gegensatz zu seinem Ruf ist dieser Impfstoff in seiner tatsächlichen Effizienz wahrscheinlich sogar besser als die genannten mRNA-Impfstoffe, nur die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist etwas verzerrt. Und zwar vielfach nur aus dem Grund, dass Impfgegnern nicht mehr enorm viele Argumente gegen die Impfung einfallen, und sie deswegen alles nutzen, was auch nur im Entferntesten irgendwie Angst verursachen könnte.

Mehr zur Impfung im Allgemeinen finden Sie übrigens im Artikel Fragen und Antworten zur Impfung gegen Covid-19, mehr zur Wirkweise der mRNA-Impfstoffe im Artikel Wissenswertes über mRNA-Impfstoffe vom 30. November 2020 in diesem Blog.

AstraZeneca und die Impfreaktionen

Ich habe oben geschrieben, dass der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca nach aktueller Studienlage bereits nach der ersten Impfdosis eine sehr starke Immunantwort auslöst. Deswegen sind beim AstraZeneca-Impfstoff aber auch die Impfreaktionen nach der ersten Dosis stärker als nach der zweiten (bei den mRNA-Impfstoffen ist das umgekehrt, hier treten die stärkeren Impfreaktionen nach der zweiten Impfdosis auf).

Leider wird in der Berichterstattung über die Impfungen gerne vergessen, dass nun einmal erheblich mehr Personen bisher nur eine erste Impfdosis erhalten haben. Die Berichterstattung konzentriert sich daher sehr auf die auffälligeren Nebenwirkungen der ersten Impfdosis bei AstraZeneca gegenüber der ersten Impfdosis bei den beiden in der EU zugelassenen mRNA-Impfstoffe. Ein korrekter Vergleich müsste die Impfreaktionen der ersten Impfdosis bei AstraZeneca mit denen der zweiten Impfdosis bei BioNTech/Pfizer und Moderna vergleichen.

Gerne wir daneben auch übersehen, dass es sich bei den bisher aufgetretenen Impfreaktionen um die erwarteten Reaktionen handelt, unerwartete Nebenwirkungen sind bisher trotz Millionen von Impfungen kaum jemals aufgetreten.

Impfreaktionen sind etwas Positives

In der Berichterstattung werden im Prinzip die immer gleichen Impfreaktionen beschrieben, die den Symptomen einer Grippe ähneln (Fieber, Schüttelfrost, Mattigkeit, Muskelschmerzen, Erbrechen etc.). Das sind allerdings keine unerwarteten Nebenwirkungen der Impfung, sondern die ganz normalen Reaktionen beim Einsatz einer Immunreaktion.

Diese Impfreaktionen halten für ein bis zwei Tage an und sie sind nichts Ungewöhnliches. Die Virologin Sandra Ciesek vom Uniklinikum Frankfurt berichtet in ihrem NDR-Podcast sogar davon, dass der Antikörper-Spiegel bei geimpften Personen mit Impfreaktionen im Schnitt höher ausfällt als bei geimpften Personen ohne solche Impfreaktionen.

Es ist also sogar sehr wahrscheinlich, dass das Auftreten von Impfreaktionen ein Zeichen für eine starke Immunantwort und damit für einen besseren Schutz ist. Insofern ist es durchaus eine positive Nachricht, dass diese Impfreaktionen offenbar bei einem sehr großen Teil der mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpften Personen auftreten.

Mehr zum Thema finden Sie beispielsweise hier beim Deutschlandfunk oder hier auf den Informations-Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts.

AstraZeneca und Südafrika

Derzeit wird gerade eine Studie breit diskutiert, in der es um die Wirksamkeit des AstraZeneca Impfstoffs gegen die Mutante B.1.351 (die „südafrikanische“ Variante) geht. Diese Studie hat dazu geführt, dass Südafrika die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff ausgesetzt hat und wird von Impfgegnern gerne einmal als Argument gegen den Impfstoff im Allgemeinen verwendet. Daher möchte ich hier kurz einige Worte zu den Fehlinterpretationen dieser Studie schreiben.

In der Studie werden 1.010 Patienten betrachtet, die ein Placebo bekommen haben, diesen werden 1.011 Patienten gegenübergestellt, die den AstraZeneca-Impfstoff bekommen haben. Allerdings sieht es in der Studie danach aus, als ob ein Teil dieser Patienten nur eine Impfdosis bekommen hat, ob (und, wenn ja, wie viele) der betrachteten Patienten auch die zweite Impfdosis bekommen haben, ist aus den vorliegenden Daten nicht klar ersichtlich.

Nach den Studiendaten wurde eine Gruppe von 717 Patienten mit Placebo mit einer Gruppe von 750 geimpften Patienten verglichen. In der Placebo-Gruppe sind dabei 23 Infektionen mit mildem oder moderatem Verlauf aufgetreten, in der Impfstoff-Gruppe waren es mit 19 nur geringfügig weniger. Daraus lässt sich nun zwar statistisch mit einiger Wahrscheinlichkeit folgern, dass der Impfstoff gegen eine Infektion mit der Mutante B.1.351 nur eine geringe Wirksamkeit hat, für eine Festlegung ist die Studiengruppe allerdings viel zu klein.

Aber diese südafrikanische Studie hat noch einen zweiten Teil, der in der öffentlichen Diskussion so gut wie gar nicht erwähnt wird. Man hat nämlich bei dieser Studie auch die zelluläre Immunantwort (mehr dazu finden Sie im Artikel Das sollten Sie unbedingt über Impfungen und Immunität wissen vom 1. März 2021 hier im Blog) untersucht, und ist dabei auf sehr gute Werte gestoßen. Woraus sich dasselbe Ergebnis ablesen lässt, das auch in anderen Studien auftaucht, nämlich ein sehr wirksamer Schutz des AstraZeneca-Impfstoffes gegen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung, und zwar auch bei einer Infektion mit der B.1.351-Mutante.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass der AstraZeneca-Impfstoff zwar offenbar einen geringeren Schutz vor einer Infektion mit der B.1.351-Mutante bietet. Aber bei den mit AstraZeneca geimpften Patienten bietet die Impfung auch bei dieser Mutante einen nahezu vollständigen Schutz vor einem schweren Verlauf. Das geht übrigens sogar aus der südafrikanischen Studie selbst hervor, denn unter den geimpften und trotzdem infizierten Personen hat es keinen einzigen schweren Verlauf, keine Krankenhauseinweisung und keinen Todesfall gegeben.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Verzicht der südafrikanischen Regierung auf die Verimpfung eines verfügbaren Impfstoffes zumindest schwer nachvollziehbar. Denn der AstraZeneca-Impfstoff hätte in Südafrika Leben (speziell das von älteren Menschen) retten können und er hätte trotz allem die Infektiösität verringert.

Außerdem ist diese bisher nicht geprüfte Studie für belastbare Aussagen viel zu klein und zu schlecht dokumentiert. Sie hätte daher kaum als Entscheidungsgrundlage dienen dürfen und sie hätte auch nicht so stark mediatisiert werden sollen, dass damit das Vertrauen in einen lebensrettenden Impfstoff beschädigt wird.

AstraZeneca und die Wirkung gegen Covid-19

Wie oben bereits erwähnt, löst beim Impfstoff von AstraZeneca bereits die erste Dosis eine starke Immunantwort aus. Der oben bereits erwähnten aktuellen Studie der Universität von Edinburgh zufolge bietet der AstraZeneca-Impfstoff bereits vier Wochen nach der ersten Dosis einen Schutz von bis zu 73 Prozent gegen symptomatische Verläufe, der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer kommt hier auf bis zu 61 Prozent.

Bei schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt sind die Ergebnisse sogar noch deutlich besser. Schon vier Wochen nach der ersten Impfdosis mit dem Impfstoff von AstraZeneca zeigt die Studie ein um 94 % gemindertes Risiko für einen Krankenhaus-Aufenthalt, beim BioNTech-Impfstoff waren es lediglich 85 %.

Auf ähnliche Zahlen kommt übrigens auch eine aktuelle Studie von Public Health England, die Sie hier auf medRxiv (ebenfalls als Preprint) finden können.

Bei der Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe nach der zweiten Impfdosis lohnt sich ebenfalls ein etwas genauerer Blick. Nach den Zulassungsstudien wurde für AstraZeneca eine Wirksamkeit von 70 % angegeben, bei BioNTech/Pfizer und Moderna liegt dieser Wert bei 94 bzw. 95 %. Selbst wenn sich die Wirksamkeit für den AstraZeneca-Impfstoff durch Verschiebung der zweiten Dosis auf zwölf Wochen nach der ersten auf 80 % erhöht, liegt dieser Wert immer noch unter dem der beiden bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe.

Aber in den Studien-Ergebnissen werden Personen betrachtet, die sich trotz erfolgter Impfung mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben, die Schwere der Krankheits-Verläufe ist hier nicht erfasst. Und hier ändert sich das Bild durch die sehr gute T-Zellen-Antwort (mehr dazu finden Sie im Artikel Das sollten Sie unbedingt über Impfungen und Immunität wissen vom 1. März 2021 hier im Blog), die durch den AstraZeneca-Impfstoff erzielt wird.

Nach bisherigen Studien sieht es ganz danach aus, als würde die Impfung mit allen drei bisher zugelassenen Impfstoffen einen schweren Verlauf einer eventuellen Covid-19-Erkrankung in nahezu 100 % der Fälle verhindern können (siehe beispielsweise hier beim Paul-Ehrlich-Institut). Ganz genau lässt sich das momentan noch nicht bestätigen, weil die dafür notwendigen Studien-Ergebnisse noch nicht zur Verfügung stehen.

Ähnliches dürfte übrigens für die Langzeit-Folgen einer Covid-19-Erkrankung (sog. Long-Covid) gelten, die durch die sehr gute zelluläre Immunantwort vermutlich auch ausbleiben dürften. Aber auch das wird sich erst durch Langzeitstudien in den kommenden Jahren endgültig bestätigen lassen.

Aus England liegen mittlerweile auch erste vergleichende Studien-Ergebnisse für die Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech vor, die dem AstraZeneca-Impfstoff sogar eine leicht bessere Wirksamkeit gegenüber dem BioNTech-Impfstoff bescheinigen. Bestätigt wird das, zumindest für ältere Menschen, auch durch die Datenauswertungen der britischen Gesundheitsbehörde, die ebenfalls eine leicht bessere Wirksamkeit für den AstraZeneca-Impfstoff zeigen (siehe beispielsweise hier in der FAZ).

AstraZeneca und die verringerte Infektiösität

Der zweite wichtige Teil der Immunantwort ist die humorale Immunität, zu der die sogenannten IgA-Antikörper gehören. Diese Antikörper sind für die Verringerung der Infektiösität wichtig, weil sie aus dem Blut auch auf die Schleimhäute gelangen und eine Virus-Infektion direkt im Rachenraum bekämpfen können.

Diese Antikörper können im Idealfall dafür sorgen, dass eine Infektion von vornherein verhindert wird. Aber selbst, wenn sie die Infektion nicht verhindern, sorgen sie doch für eine verminderte Viruslast im Rachenraum und damit für eine verminderte Infektiösität.

Und das funktioniert beim Impfstoff von AstraZeneca offenbar sogar schneller als bei den beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffen. Denn einer aktuellen Studie zufolge verkürzt die AstraZeneca-Impfung die Zeit, in der ein PCR-Test Virusmaterial aus dem Rachenraum nachweisen kann, was ein Zeichen für eine Verringerung der Infektiösität wäre. Aus einer anderen aktuellen Studie über die AstraZeneca-Impfungen geht hervor, dass die Zahl der positiven Tests unter Geimpften deutlich geringer war als unter Nichtgeimpften, auch dies wäre ein Zeichen für eine bestehende Antikörper-Antwort im Rachenraum.

Eine eher schlechte Nachricht in Bezug auf die Infektiösität ist hingegen, dass sich dieser Effekt bei der SARS-CoV-2-Mutante B.1.351 (die „südafrikanische“ Variante) offenbar weitaus weniger zeigt. Aber auch diesbezüglich ist die Studienlage im Moment für eine genaue Betrachtung noch zu dünn.

Wir wissen allerdings leider, dass diese Variante in Luxemburg (dank der wenig wissenschaftlich getriebenen Öffnungspolitik der Regierung) gerade deutlich auf dem Vormarsch ist, im letzten Wochenbericht der Santé ist diesbezüglich die Rede von 22,7 % der sequenzierten Fälle.

Mehr zu diesem Thema finden Sie auch im Artikel Das sollten Sie unbedingt über Impfungen und Immunität wissen vom 1. März 2021 hier im Blog, zur Erklärung der Ergebnisse der oben genannten Studien zur Immunität empfehle ich Ihnen außerdem dieses ZEIT-Interview mit der Biostatistikerin Natalie Dean.

AstraZeneca und die Studien

Ein weiterer Unterschied in der Berichterstattung zu Ungunsten des AstraZeneca-Impfstoffes ergibt sich ausgerechnet aus der Tatsache, dass die Entwicklung des Impfstoffes durch die Universität Oxford erfolgt ist. Denn Wissenschaftler kommunizieren Studien-Ergebnisse anders als Pharma-Konzerne wie BioNTech/Pfizer oder Moderna.

Während Pharma-Unternehmen Wert darauf legen, dass Studien-Ergebnisse erst dann veröffentlicht werden, wenn genügend Daten für belastbare Ergebnisse vorliegen, funktioniert der Wissenschaftsbetrieb völlig anders. Hier werden häppchenweise viele kleinere Studien von vielen Forschungsgruppen (meist in Form von Preprints) veröffentlicht, aus der sich daraus ergebenden Diskussion entsteht dann nach einiger Zeit ein wissenschaftlicher Konsens.

In normalen Zeiten funktioniert dieses System sehr gut, in der jetzigen Situation werden diese kleinen und unvollständigen Informations-Häppchen allerdings sofort von Teilen der Medien aufgenommen und zur „neuen Wahrheit“ aufgebauscht.

Deswegen tauchen derzeit ständig neue Informationen zum Impfstoff von AstraZeneca auf und sorgen für ein unverdient schlechtes „Image“. Bei den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna passiert so etwas nicht, weil hier die Daten zusammengehalten und koordiniert werden, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen.

Dieses Vorgehen ist für AstraZeneca eine Stärke und gleichzeitig eine Schwäche. Denn es sorgt für eine erheblich höhere Transparenz und eine erheblich größere Datenvielfalt, als dass bei den beiden Konkurrenten der Fall ist. Aber diese Datenvielfalt ist in der jetzigen Situation aus Marketingsicht auch gleichzeitig eine große Schwäche, weil diese Daten eigentlich immer wieder aufs Neue erklärt und bewertet werden müssten.

In der aktuellen Situation müssten eigentlich die Medien dafür sorgen, dass diese Erklärung und Bewertung auch tatsächlich stattfindet. Dafür bräuchte es Wissenschaftsjournalisten, die es aber bei vielen großen Medien nicht oder nicht in ausreichender Zahl gibt. Und damit erklärt sich ein großer Teil der „schlechten Presse“ für den Impfstoff von AstraZeneca und ein mindestens ebenso großer Teil der Verunsicherung in der Bevölkerung.

AstraZeneca und der Impfstop (Updates)

Zwischenzeitlich hat es einen Impfstop für den AtrsZeneca-Impfstoff in einigen europäischen Ländern gegeben. Dieser Impfstop wurde verhängt, weil in zeitlichem Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung einige Hirnvenenthrombosen aufgetreten sind. Der Impfstoff ist von der EMA nach Überprüfung der Vorfälle am Donnerstag, den 18. März 2021, als sicher bestätigt worden, ein kausaler Zusammenhang der aufgetretenen Hirnvenenthrombosen konnte nicht bestätigt werden.

Ich habe in diesem Zusammenhang mehrere Beiträge auf Twitter veröffentlicht, die ich der Vollständigkeit halber auch in diesem Artikel wiedergeben möchte (schon alleine deswegen, weil sie ein schönes Beispiel für die Entwicklung von Wissen darstellen).

AstraZeneca und die Thrombosen

Update vom 12. März 2021 aus aktuellem Anlass (ursprünglich als Twitter-Thread erschienen)

Die Lungenembolie ist die dritthäufigste kardiovaskuläre Erkrankung mit einer Inzidenz von 100-200 Fällen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr. Bei den bisher 3 Millionen mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpften Personen sollten also schon rein rechnerisch zwischen 3.000 und 6.000 Fälle in einem Jahr geben, das wären zwischen 57 und 114 pro Woche. Die bisher bekannten 22 Fälle sind also schon statistisch gesehen eigentlich irrelevant, einen Hinweis auf einen Zusammenhang mit der Impfung gibt es ebenfalls nicht (auch wenn ein paar Schaumschläger in den sozialen Netzwerken daraus jetzt wieder ein riesiges Problem machen möchten).

Trotzdem, und das ist auch völlig richtig, wurde die betroffene Charge des AstraZeneca-Impfstoffes bis zur endgültigen Abklärung der Vorfälle gesperrt, von dieser Sperrung ist auch Luxemburg betroffen. In den sozialen Medien wird daraus dann gerne eine allgemeine Aussetzung der Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff gemacht, was so nicht korrekt ist.

Die Schwurbler und Impfgegner verschweigen darüber hinaus in diesem Zusammenhang gerne einmal, dass das Thrombose-Risiko durch eine eventuelle Covid-19-Erkrankung (nicht durch die Impfung) deutlich erhöht wird. Hier wird also eine statistisch irrelevante Anzahl von Gerinnungs-Störungen bei bereits geimpften Personen instrumentalisiert, um dadurch Ängste vor einer Impfung zu schüren, die vor einer Erkrankung schützen soll, die genau solche Thrombosen vermehrt auslösen kann.

Würde ich für die Aufrufe dieser Schwurbler und selbsternannten Impf-Experten zum Verzicht auf die Impfung eine griffige Metapher finden müssen, ginge mir vermutlich als erstes so etwas wie „Aufruf zum Selbstmord“ durch den Kopf.

Die Gastautorin „Bissiges Mäuschen“ hat in einem Artikel hier im Blog schon am 17. Dezember 2020 vor dem gewarnt, was die Schwurbler aus den Impffolgen so alles machen werden – und sie hatte leider (wie eigentlich immer) mit ihren hellsichtigen Worten völlig recht.

Den Original-Thread mit allen Kommentaren finden Sie bei Interesse hier auf Twitter.

Quellen und Weiterführendes

AstraZeneca und die Hirnvenenthrombosen

Update vom 18. März 2021 aus aktuellem Anlass (ursprünglich als Twitter-Thread erschienen)

Hirnvenenthrombosen kommen in Deutschland drei- bis fünfmal pro Jahr pro 1 Million Einwohner vor, normalerweise wären also bei einer Bevölkerung von 83 Millionen Menschen zwischen 250 und 415 Fälle dieser Art pro Jahr bzw. zwischen 5 und 8 pro Woche zu erwarten. Bei den Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff sind in Deutschland innerhalb einer kurzen Zeit 13 Fälle aufgetreten, das Paul-Ehrlich-Institut hat deswegen aufgrund einer statistisch erhöhten Häufigkeit die Impfungen bis zur Klärung der Ursachen ausgesetzt.

Allerdings werden hier teilweise Äpfel mit Birnen verglichen, weil sich die oben genannte statistische Häufigkeit der Hirnvenenthrombosen auf die Gesamtbevölkerung bezieht, die Erkrankung selbst aber gehäuft in bestimmten Subgruppen auftritt. Wenn die genannten Fälle also in diesen Subgruppen aufgetreten sind, würde das die Gesamtbetrachtung ändern.

Warum? Hirnvenenthrombosen treten in rund 75 % aller Fälle bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren auf. Diese Bevölkerungsgruppe macht in Deutschland rund 10,5 Millionen Menschen aus, in ihr alleine treten also 188 bis 311 Fälle pro Jahr auf. In dieser am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppe liegt die Inzidenz also nicht zwischen 3 und 5 wie in der Gesamtbevölkerung, sondern mit 18 bis 30 um ein Vielfaches höher. Wenn also diese Hirnvenenthrombosen bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren aufgetreten sein sollten, dann läge hier auf einmal keine statistische Häufung mehr vor, in diesem Fall wäre die Anzahl der Fälle sogar noch unterhalb des Erwartbaren.

Ob es so gewesen ist, wissen wir leider nicht. Wir wissen lediglich, dass es sich bei den 13 Fällen um zwölf Frauen und einen Mann im Alter zwischen 20 und 63 Jahren gehandelt hat. Damit ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr groß, dass die Inzidenz für die Fall-Gruppe über der Gesamt-Inzidenz liegt.

Das waren jetzt nur so ein paar schnell errechnete Zahlen; sie sollen nur aufzeigen, das absolute Zahlen nicht unbedingt eine Antwort auf alles bieten können……

Und deswegen glaube ich immer noch an den Impfstoff von AstraZeneca und daran, dass gerade dieser Impfstoff unseren derzeit besten Weg aus der Pandemie darstellt.

Den Original-Thread mit allen Kommentaren finden Sie bei Interesse hier auf Twitter.

Update vom 31. März 2021 aus aktuellem Anlass

Mittlerweile liegen deutlich mehr Informationen über die aufgetretenen Hirnvenenthrombosen vor, viele Länder haben aufgrund dieser Informationen die Impfung mit AstraZeneca für Menschen unter 60 gestoppt. Nachdem es tatsächlich eine statistisch relevante Steigerung dieser Fälle zu geben scheint und nachdem eine kausale Verbindung zur Impfung zumindest sehr wahrscheinlich ist, ist diese Entscheidung aus medizinischen Gründen richtig und nachvollziehbar.

Solange genügend andere Impfstoffe (derzeit BioNTech/Pfizer und Moderna) zur Verfügung stehen und sich durch den Impfstop für Unter-60-jährige kein Engpass ergibt, ist die Entscheidung auch aus epidemiologischer Sicht korrekt. Falls sich allerdings die Impfung für die betroffene Bevölkerungsgruppe dadurch verzögern sollte, müsste man die Risiko-Abwägung wahrscheinlich noch einmal überdenken. In diesem Fall könnten nämlich durch den Impfstop letztlich mehr Menschen gefährdet sein, als das durch diese sehr seltene Nebenwirkung der Fall wäre.

In der ZEIT gibt es zu diesem Thema eine exzellente Analyse vom 30. März 2021, die ich für alle interessierten Leserinnen und Leser hier verlinke.

Quellen

AstraZeneca und die allergischen Reaktionen

Update vom 15. März 2021 aus aktuellem Anlass (ursprünglich als Twitter-Thread erschienen)

Ich möchte hier schon mal vorgreifen und etwas zum wahrscheinlich nächsten Medien-Hype um AstraZeneca loswerden, weil’s dazu aus UK recht gute Zahlen gibt. Ich rede von schweren allergischen Reaktionen. Bis zum 28. Februar wurden in UK mindestens mehr als 20 Millionen Menschen (ca. 52,5% BioNTech und 47,5% AstraZeneca) geimpft, über 800.000 davon haben bereits die zweite Impfdosis (hauptsächlich BioNTech/Pfizer) bekommen.

Die meisten gemeldeten Impfreaktionen beziehen sich auf die erwarteten (grippeähnlichen) Reaktionen und waren nach einigen Tagen verschwunden. Dazu sollte man wissen, dass bei AstraZeneca die Reaktionen eher bei der ersten Dosis auftreten, bei BioNTech/Pfizer eher nach der zweiten.

Es gab schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie), die ebenfalls im Rahmen des Erwartbaren lagen. Bei BioNTech/Pfizer waren es 214, bei AstraZeneca 194. Verstorben ist daran kein einziger Geimpfter, wohlgemerkt bei 20 Millionen geimpften Menschen. Zum Vergleich: zum Berichtszeitpunkt sind in Großbritannien insgesamt rund 125.000 Menschen nach einem positiven Test auf SARS-CoV-2- verstorben.

Also ja, es gibt Reaktionen auf die Impfung. Die sollte es auch geben, sie deuten auf eine funktionierende Immunantwort hin, sind also ein gutes Zeichen. Aber schwere Reaktionen sind sehr, sehr selten. Lassen Sie sich also bitte den AstraZeneca-Impfstoff nicht schlechtreden, er ist unsere derzeit beste Chance, diese Pandemie unter Kontrolle zu bekommen.

Und es sieht sogar danach aus, als hätte die Impfung einen positiven Einfluss auf Long-Covid, der ebenfalls nicht ignoriert werden sollte. Die Twitter-Autorin Bissiges Mäuschen hat das in einem Twitter-Thread zusammengefasst, den ich der besseren Lesbarkeit ebenfalls bei mir im Blog unter dem Titel Long-Covid und die Impfeffekte veröffentlicht habe.

Den Original-Thread mit allen Kommentaren finden Sie bei Interesse hier auf Twitter.

Quellen und Weiterführendes

AstraZeneca und die Risiko-Faktoren

Es gibt einige Risiko-Faktoren, bei deren Vorliegen von einer Impfung abgeraten wird oder die eine vorherige Abklärung mit einem Arzt erforderlich machen. Die Informationen in den folgenden Abschnitten gelten grundsätzlich für alle drei in der EU zugelassenen Impfstoffe.

Allerdings ist bekannt, dass eventuelle Impf-Reaktionen bei den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna etwas stärker ausfallen, als das bei dem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca der Fall ist. Gerade für sehr empfindliche Menschen könnte daher der Impfstoff von AstraZeneca die bessere Alternative darstellen.

Impfung bei Erkältung oder Grippe

Grundsätzlich sollte sich jeder nur dann impfen lassen, wenn er sich fit fühlt. Eine leichte Erkältung stellt eher kein Problem dar, bei schweren Erkältungs- oder Grippe-Symptomen (Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, allgemeine Abgeschlagenheit) sollte man vorsichtshalber warten, bis die Symptome abgeklungen sind. Die Impfung belastet das Immunsystem sonst unnötig.

Impfung und Grippe-Impfung

Eine Impfung belastet das Immunsystem. Deswegen sollte man zwischen einer Grippe- und einer Corona-Impfung mindestens 14 Tage verstreichen lassen, damit der Körper nicht von zwei Impfstoffen gleichzeitig belastet wird.

Impfung bei vorheriger Corona-Infektion

In den bisherigen Studien zeigt sich keine besondere Gefährdung durch eine Impfung bei einer bereits überstandenen Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus, deswegen ist vor der Impfung auch kein Antikörper-Test notwendig.

Allerdings ist aus den Studien auch bekannt, dass eine Impfung eine stärkere Immunantwort ausbildet, als es die Infektion selber tut. Gerade bei einer vorherigen leicht-symptomatischen oder asymptomatischen Corona-Infektion kann eine Impfung also durchaus sinnvoll sein.

Derzeit laufen Untersuchungen darüber, ob die bereits überstandene Corona-Infektion als Ersatz für die erste Impfdosis angesehen werden kann, in diesem Fall würde eine einzelne Impfdosis als Wirkverstärker (Booster) wahrscheinlich ausreichend sein.

Impfung bei Allergien

Allergiker mit einfachen Allergien (Pollen, Hausstaub o.ä.) brauchen sich wegen der Impfung im Allgemeinen keine Sorgen zu machen. Anders sieht es bei multiplen Allergien oder bei Patienten aus, die in der Vergangenheit bereits starke allergische Reaktionen auf Medikamente oder andere Impfungen gezeigt haben. In diesen Fällen sollte man vor der Impfung mit einem Arzt sprechen, um das persönliche Risiko abzuklären.

Es hat einige Fälle von starken allergischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) nach einer Covid-19-Impfung gegeben. Allerdings sind solche Reaktionen bisher sehr selten (11,1-Mal bei einer Million Impfungen laut einer aktuellen Studie) vorgekommen und immer kurz nach der Impfung aufgetreten. Deswegen bleibt man nach der Impfung noch einige Minuten im impfzentrum, damit im Falle eines Falles sofort eingeschritten werden kann. Die genauen Gründe für diese allergischen Reaktionen sind nicht bekannt.

Eine Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts zur Corona-Impfung für Allergiker finden Sie hier.

Impfung bei Einnahme von Gerinnungshemmern

Blutgerinnungshemmer werden beispielsweise bei Herzproblemen, Lungenembolien oder einer erhöhten Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln eingesetzt. Wenn Sie solche Medikamente einnehmen, dann sollten Sie vor einer Impfung Ihren Arzt aufsuchen und das weitere Vorgehen absprechen.

Mehr Informationen finden Sie beispielsweise hier in der Ärztezeitung.

Impfung bei einer Krebserkrankung

Als Patient mit einer Krebserkrankung sollten Sie vor einer Impfung mit Ihrem Arzt Rücksprache halten, da hier Faktoren wie Krebsart, Erkrankungssituation, Therapie und Begleiterkrankungen bei der individuellen Entscheidung berücksichtigt werden müssen.

Ganz grundsätzlich stellt eine Krebserkrankung kein Problem für eine Covid-19-Impfung dar, eine aktuelle Chemotherapie könnte aber eines sein. Denn eine Chemotherapie unterdrückt das Immunsystem, deswegen muss untersucht werden, inwieweit der Impfstoff die gewünschte Schutzwirkung entfalten kann.

Weitere Informationen können Sie bei Bedarf den Empfehlungen zur COVID-19-Schutzimpfung bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) entnehmen.

Impfung bei rheumatischen Erkrankungen

Grundsätzlich sollten die drei derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffe bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen auch unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie uneingeschränkt einsetzbar sein. Da dafür allerdings noch keine belastbaren Daten aus Studien vorliegen, sollten Sie als Patient vorab mit Ihrem Arzt Ihre individuelle Impfeignung abklären.

Die Impfung wird jedenfalls von den Fachverbänden für Patienten mit Rheuma ausdrücklich empfohlen. Mehr Information zu diesem Thema finden Sie beispielsweise hier bei der Deutschen Rheuma-Liga, hier in der Ärzte-Zeitung oder hier in der Pharmazeutischen Zeitung.

Impfung bei Multipler Sklerose (MS)

Auch zum Thema der Impfung bei einer MS-Erkrankung finden sich haufenweise Falsch-Informationen im Internet. Deswegen gibt es eine Empfehlung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zusammen mit dem Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), die die Impfung ausdrücklich empfehlen.

Für alle drei derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffe wird das Risiko einer Auswirkung auf die MS-Erkrankung als gering eingeschätzt. Die drei zugelassenen Impfstoffe werden als gleichwertig eingeschätzt, eine Empfehlung für einen der Impfstoffe wird nicht abgegeben. Mehr Informationen zum Thema finden Sie beispielsweise hier bei PTAHeute oder hier bei der KKNMS.

Die britische Gesundheitsbehörde, die derzeit über die wohl besten Vergleichswerte für die Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca verfügt, sagt in Ihren Impf-Informationen für MS-Patienten „…the research information we have already confirms that the best way to stay out of hospital with COVID-19 is to get either of the vaccines now on offer (made by Pfizer-BioNTech and Oxford-AstraZeneca)…“

Fazit

Ich möchte mit diesem Artikel klarstellen, dass der AstraZeneca-Impfstoff viel besser als sein Ruf ist. Letztlich könnte sich durchaus herausstellen, dass er sogar noch wirksamer als die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe ist. Denn bei Vektor-Impfstoffen baut sich der Impfschutz über einen längeren Zeitraum (bis zu einigen Wochen nach der zweiten Impfdosis) immer weiter auf. Derzeit liegen für eine endgültige Beurteilung noch nicht genügend belastbare Daten vor, aber aus den vorliegenden Studien (siehe oben) gibt es erste Hinweise auf eine sehr hohe Wirksamkeit.

Mit Sicherheit können wir bereits heute sagen, dass zumindest der Schutz nach der ersten Impfdosis beim AstraZeneca-Impfstoffe höher als bei den beiden mRNA-Impfstoffen ausfällt.

Mit ebenso hoher Sicherheit lässt sich zudem sagen, dass der AstraZeneca-Impfstoff eine Immunantwort auslöst, die zu nahezu 100 Prozent gegen einen schweren Verlauf einer eventuellen Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus schützt. Das gilt sowohl für das ursprüngliche SARS-CoV-2-Virus als auch für die drei derzeit kursierenden Mutanten B.1.1.7, B.1.351 und P.1.

Außerdem wird aus den bereits vorliegenden Studien klar, dass der AstraZeneca-Impfstoff die Infektiösität einer infizierten Person bei einer Infektion mit dem ursprünglichen SARS-CoV-2-Virus und der Mutante B.1.1.7 deutlich verringert. Wir können daneben auch von einer (allerdings geringeren) Verringerung der Infektiösität bei einer Infektion mit den Mutanten B.1.351 und P.1 ausgehen. Beziffern lässt sich das derzeit allerdings noch nicht, weil (abgesehen von der oben erwähnten wenig aussagekräftigen südafrikanischen) keine entsprechenden Studien mit belastbaren Daten vorliegen.

Wir wissen auch, dass es ich bei dem AstraZeneca um die Entwicklung einer Universität handelt und dass deswegen erheblich umfangreicheres Studienmaterial als bei den beiden von Pharmakonzernen entwickelten mRNA-Impfstoffen zur Verfügung steht. Solches wissenschaftliches Studienmaterial wird normalerweise von anderen Wissenschaftlern geprüft, interpretiert und bewertet, wird derzeit aber von vielen Medien ohne vorherige Prüfung veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen tragen erheblich zur Verunsicherung über den Impfstoff von AstraZeneca bei.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist im Hinblick auf einen möglichst breitflächigen Einsatz entwickelt worden, er sollte preiswert zu produzieren und ohne aufwendige Logistik verteilbar sein. Diese Entwicklungsziele sind vollständig erreicht worden. Neben einer sehr hohen Wirksamkeit ist der Impfstoff preiswert (er kostet 1,78€ pro Dosis, BioNTech mit 12,00€ und Moderna mit 14,70€ sind deutlich teurer), benötigt lediglich Kühlschranktemperatur bei Transport und Lagerung (BioNTech und Moderna benötigen aufwändige Kühlketten) und kann weltweit in vielen Produktionsstätten produziert werden. Damit ist dieser Impfstoff als einziger auch zur breitflächigen Anwendung in Arztpraxen geeignet. Aufgrund all dieser Vorteile stellt gerade der Impfstoff von AstraZeneca unsere derzeit beste Möglichkeit dar, diese Pandemie endlich kontrollieren zu können.

Übrigens lässt sich die sowieso schon sehr gute Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes auch nachträglich (falls beispielsweise neue Mutanten das nötig machen sollten) noch durch eine dritte Impfdosis mit einem der mRNA-Impfstoffe verstärken. Auch in diesem Punkt sind Sie also bei einer Impfung mit diesem Impfstoff auf der sicheren Seite. Mehr dazu finden Sie bei Interessen beispielsweise hier bei der Tagesschau.

Nach allem, was wir derzeit wissen, habe zumindest ich selbst meine Meinung mittlerweile geändert. Noch vor einigen Wochen hätte ich mir im Falle einer Wahl-Möglichkeit wohl am ehesten den Impfstoff von BioNTech/Pfizer gewünscht, heutzutage würde ich mich eher für den von AstraZeneca entscheiden.

Sie sollten also ohne Zögern zugreifen, wenn Sie die Möglichkeit zur Impfung mit dem AstraZenceca-Impfstoff bekommen. Denn er ist sicher und effektiv, er schützt Sie vor einem schweren Verlauf einer eventuellen Corona-Infektion und er schützt Ihr Umfeld durch eine Verminderung der Infektiösität.

Umso mehr von uns sich für eine Impfung entscheiden, desto schneller werden wir wieder zu einem normalen Leben zurückfinden können. Die drei derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffe sind so gleichwertig, dass der beste Impfstoff unter diesen drei derjenige ist, den Sie so frühzeitig wie möglich bekommen können.

In eigener Sache: Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, dann können Sie mir das Schreiben und Recherchieren gerne mit einem Kaffee oder einer kleinen Spende versüßen. Eine Möglichkeit dazu finden Sie auf der Seite Buy me a coffee.

Wie denken Sie darüber? Haben Sie Anmerkungen oder andere Ideen zu diesem Thema? Oder sehen Sie es ganz anders? Schreiben Sie es mir in den Kommentaren.

Claus Nehring

Ich bin freiberuflicher Autor, Journalist und Texter (aka "Schreiberling") aus Luxemburg. Als Informatiker und Statistiker habe ich jahrelange Erfahrung in der Visualisierung und Modellierung großer Datenmengen. Ich beschäftige mich seit mehr als 30 Jahren mit Infektionskrankheiten und publiziere Artikel zu diesem Thema, aus verschiedenen anderen Wissenschafts-Bereichen und aus dem Bereich Internet & Gesellschaft,

4 Kommentare

  1. Ihre Artikel sind sehr informativ und interessant und ich lese sie gerne. Ich möchte zu dem “Plädoyer für AZ” ledeiglich eine Anmerkung machen, dass eventuell auftretende Blutgerinsel normalerweise kein grösseres Problem darstellen und Thrombosen im Alltag auch sehr häufig vorkommen, allerdings sind Sinusvenenthrombosen selten und haben sich nun doch nach der Verabreichung von AZ statistisch gesehen “gehäuft”, auch wenn der ursächliche Zusammenhang mit der Impfung noch nicht bewiesen ist….

    1. Hallo und danke für die Anmerkung. Sie haben völlig recht, ich werde den Artikel auch diesbezüglich noch auf den neuesten Stand bringen. Es ist mir auch bekannt, dass es da Differenzen zwischen Großbritannien und Deutschland gibt, weil in GB mit AstraZeneca vornehmlich ältere Menschen geimpft wurden, bei denen das Risiko einer Sinusvenenthrombose grundsätzlich geringer ist. In Deutschland sind mittlerweile 13 Fälle aufgetreten, betroffen sind 12 Frauen und 1 Mann zwischen 20 und 63 Jahren. In der Altersgruppe (und besonders bei Frauen, bei denen möglicherweise auch die Anti-Baby-Pille eine Rolle spielen könnte) fällt die statistische Häufigkeit einer Sinusvenenthrombose
      dann auch wieder anders aus, insofern ist auch die statistische Häufung noch nicht völlig sicher.

      Deswegen werde ich den Artikel aktualisieren, wenn die Bewertungen von EMA und PEI vorliegen.

  2. Sehr geehrter Herr Nehring.
    Allergrößten Respekt für ihre Arbeit. 👍
    Sie werden sich nicht vorstellen können wie glücklich ich bin, ihren Blog gefunden zu haben.
    Durch die Suche nach Infos über AstraZeneca bei Twitter sind mir ihre Tweeds aufgefallen.
    Gott sei Dank. 🙏
    Ich bin 54 Jahre alt und soll morgen(Ups heute, ist schon 2:48 Uhr) geimpft werden. Mit BioNTech.
    Übermorgen hat auch meine 72 jährige Mutter ihren Termin zur Impfung mit AstraZeneca.
    Natürlich ist sie voller Angst und Zweifel, wegen den ganzen negativen Berichten in den Medien.
    Sie hat sich trotzdem für die Impfung entschieden obwohl ihre Geschwister, Enkel usw. eher negativ gegenüber AstraZeneca eingestellt sind.
    Deshalb habe ich die letzten 36 Std versucht mich noch mehr in das Thema einzulesen,
    als ich es sowieso schon tue. 🙂
    Durch ihre fantastisch geschriebene Zusammenfassung rund um AstraZeneca kann meine Mum,
    nachdem ich es ihr vorgelesen/gezeigt habe, bestimmt gelassener und angstfrei zur Impfung gehen. Ich begleite sie natürlich und nehme sie auch heute zu meiner Impfung mit, damit sie schonmal einen Eindruck von allem bekommt.
    Mir ist wirklich ein Stein vom Herzen gefallen nachdem ich ihren Artikel gelesen habe und ich ihnen deshalb mit diesem Kommentar recht herzlich danken möchte.🙏🙏🙏
    Bleiben sie Gesund und mit lieben Grüßen, Udo. (Hessen, BRD)

    1. Hallo und vielen lieben Dank für Ihren Kommentar, es freut mich riesig, wenn ich Ihnen und Ihrer Mutter mit meinen Worten ein wenig Beruhigung verschaffen konnte. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute, ich bin sicher, dass die Entscheidung für die Impfung die richtige Entscheidung gewesen ist 👍
      Liebe Grüße aus Luxemburg
      Claus

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