Corona

Die Covid-19-Impfung und die südafrikanische Mutante B.1.351

Diese Artikel-Serie stammt von Dr. Marco Binder und ist mit seiner freundlichen Genehmigung hier im Blog veröffentlicht worden. Sie können (und sollten) ihm auf Twitter unter https://twitter.com/TheBinderLab folgen. Den Original-Threads mit allen Kommentaren finden Sie hier auf Twitter.

In Israel bestätigt sich, dass die südafrikanische Variante B.1.351 den Immunschutz besser umgehen kann. Unter den sehr wenigen Fällen, in denen es trotz Impfung zur Infektion kam, war die Variante überproportional stark vertreten. Gute Nachricht: trotzdem verbreitet sie sich nicht.

Das heißt einerseits, dass die Gefahr real ist, dass solche Varianten in einer geimpften Bevölkerung einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Wildtyp oder auch B.1.1.7 haben. Wir tun also gut daran, B.1.351- oder P.1-Fälle streng zu überwachen und verstärkt einzudämmen. Siehe auch:

Aber ich bin trotzdem aus verschiedenen Gründen optimistisch.

  1. Schwere Erkrankung wird durch die Impfung in praktisch allen Fällen vermieden! Hauptziel ✅
  2. Ich bin nicht sicher, ob es B.1.351 (oder auch B.1.1.7 mit der E484K-Mutation) schaffen, sich in einer geimpften Bevölkerung zu verbreiten.

Bisher war noch ein nennenswerter Teil der Bevölkerung nicht geimpft, d.h. die Ansteckung der Geimpften mit B.1.351 kam höchstwahrscheinlich von einem nicht Geimpften. Wenn nun die meisten geimpft sind multiplizieren sich zwei Effekte:

  • ein Geimpfter, der sich dennoch infiziert, hat im Schnitt eine deutlich reduzierte Viruslast (siehe z.B. diese Studie ⬇️). Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben deutlich reduziert.
  • Wenn nun auch die Kontakte dieser Person geimpft sind, haben diese wiederum eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, sich ihrerseits anzustecken, da ihr Immunsystem das Virus ja sofort erkennt. Zumal sie ja, siehe oben, meist nur einer geringeren Virusdosis ausgesetzt wären.
Initial report of decreased SARS-CoV-2 viral load after inoculation with the BNT162b2 vaccine
Breakthrough infections of SARS-CoV-2 occurring 12 or more days after the first dose of the BNT162b2 mRNA vaccine were associated with lower viral loads than those found in unvaccinated individuals, suggesting that the vaccine might reduce infectiousness.

Ich halte es also für möglich bis wahrscheinlich, dass aus diesen Gründen die Infektionsketten sehr, sehr kurz wären und schnell abreißen würden. Ich wage zumindest zu hoffen, dass sich dadurch in einer geimpften Bevölkerung die aktuellen Varianten nicht halten und ausbreiten könnten. Aber klar, das ist „Bauchgefühl auf Datenbasis“!

Aber selbst wenn ich falsch liege, bleibt noch der Aspekt, dass die Wahrscheinlichkeit für schwere oder gar tödliche Verläufe bei Geimpften deutlich erniedrigt ist. Also: Impfen, Leute!

PS: Die Studien aus Israel beziehen sich immer auf BioNTech-Impfungen. Die Lage mit Vektorimpfstoffen ist unklarer. Die grundsätzlichen Überlegungen bleiben aber gleich, nur hier müssen wir weitere Daten abwarten.

Der Anteil an B.1.351 und P.1 liegt in Deutschland übrigens stabil bei grob 1%.

Anmerkung: In Luxemburg spielt P.1 nahezu keine Rolle, der Anteil von B.1.17 liegt aktuell bei 73,5%, der von B.1.351 bei 18,4%.

Den Original-Thread mit allen Kommentaren finden Sie hier:

Marco Binder

Dr. Marco Binder ist Leiter der Forschungsgruppe Dynamik der Virusreplikation und der angeborenen antiviralen Immunantwort am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

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