Corona

23 Millionen Impfungen. Und Probleme? Fehlanzeige!

Dieser Artikel stammt von „Bissiges Mäuschen“ und ist mit ihrer freundlichen Genehmigung hier im Blog veröffentlicht worden. Sie können (und sollten) ihr auf Twitter unter https://twitter.com/BMauschen folgen. Hier geht’s zum Original-Thread mit allen Kommentaren.

Wir haben jetzt über eine halbe Million Impfungen in Deutschland und über 23 Millionen weltweit. Wirklich große Probleme? Fehlanzeige!

Aber was ist mit den paar Berichten, die derzeit durch die (digitalen) Medien geistern? Ein kurzer Blick…

Zur Erinnerung, darüber wie ich vermute, dass der Impffortschritt läuft, hatte ich ja schon einmal geschrieben und tatsächlich sind da ein paar Ideen schon drin, die ich jetzt nochmal aufgreifen und ein bisschen erläutern möchte.

Was mit der Impfung kommt - Hoffnung, Unsinn und Antworten auf diesen – CN Content & Blog
Bald geht es mit den Impfungen los. Der Artikel befasst sich mit den neuen Diskussionen und Irrtümern, zu denen die Impfung führen wird.

Fangen wir mal mit dem einfachsten an: Warum gibt es inzwischen einige Fälle von Menschen, die nach der Impfung an Corona erkrankt sind? Kann man vielleicht sogar durch die Impfung Corona bekommen?

Einfache Antwort: Definitiv nein, denn in den mRNA-Vakzinen ist gar kein vollständiges, vermehrungsfähiges Virus und das gilt auch für Adenoviren-basierte Impfstoffe, in denen eben auch kein Coronavirus ist. Was man durch die Impfung definitiv bekommen kann, sind einzelne Corona-Symptome.

Warum?

Weil viele Symptome, wie Fieber, Kopf- und Glieder-Schmerzen und Müdigkeit nicht direkt von dem Virus hervorgerufen werden, sondern von unserer Immunreaktion. So eine Impfung ist wie ein Militärmanöver des Immunsystems, da kann es kurzzeitig ganz schön krachen, aber es ist deshalb trotzdem kein feindlicher Angriff!

Wir sprechen hier deshalb auch nicht von Impfschäden, sondern von der Impfreaktion. Diese fehlzuinterpretieren dürfte bei weitem das häufigste Missverständnis bei individuellen Berichten von Problemen mit Impfungen sein. Und von denen werden wir viele hören…

Aber es gibt ja auch tatsächlich Fälle, wo Menschen nach der Impfung COVID-19, sauber diagnostiziert, bekommen haben. Dazu muss man sich klar machen, dass die Impfung eben nicht 100% effektiv ist und vor allem der Immunschutz nicht mit dem Pieks sofort da ist.

In Deutschland haben wir derzeit eine 7-Tage Inzidenz von etwa 170/100.000. Bei 500.000 Impfungen, würden wir – sehr grob überschlagen – mit 850 Corona-Fällen in der Woche nach der Impfung rechnen. Etwas weniger, da der Impfschutz sich ja langsam aufbaut, dafür mehr weil wir derzeit ja vor allem Risikogruppen impfen. Und da Superspreader-Ereignisse bei Corona nicht selten sind, ist auch sehr wahrscheinlich, dass in einzelnen Heimen nach der Impfung der Bewohner viele Fälle auf einmal auftreten (wenn wir von 20% Fällen in großen Clustern ausgehen, wären das bei obigen Zahlen 170 Fälle in größeren Ausbrüchen!).

Alle diese Zahlen sollen ganz grobe Abschätzungen sein, um die Größenordnungen klar zu machen, bitte missversteht sie nicht als fundierte Modelle, mit denen ihr vergleichen könnt, um zu bewerten, wie gut es wirklich läuft!

Auch Corona-Ausbrüche nach Impfkampagnen sind also nicht überraschend. Trotzdem kann man natürlich nicht ausschließen, dass es auch bei Impfaktionen oder in Impfzentren einmal zu groben Fehlern kommt und sich Menschen während der (aber eben nicht durch die) Impfung anstecken. Rein statistisch ist trotz aller Professionalität zu erwarten, dass das irgendwo auf der Welt auch mal passieren wird. Bei größeren Ausbrüchen nach Impfkampagnen hinzuschauen ist also sinnvoll, aber definitiv etwas für die Profis, nicht für Leute, die „nur Fragen stellen“, aber kein Fachwissen haben, diese Fragen auch zu beantworten!

So, kommen wir zu den Nicht-Corona-Folgen.

Ich hatte ja schon damals von einem Nocebo bzw. „Nocebo-by-Proxy“-Effekt geschrieben, das sollte ich vielleicht noch einmal ein bisschen genauer erklären. Unter dem Nocebo-Effekt versteht man den „bösen Zwilling“ des Placebo-Effekts: Negative Wirkungen einer medizinischen Handlung, die nicht auf die eigentlich wirksamen Elemente dieser Handlung zurückgehen.

Da könnten zum Beispiel Angstreaktionen auf die Spritze eine Rolle spielen, aber eben auch die Überinterpretation von unangenehmen Dingen, die eigentlich gar nichts mit dem Eingriff zu tun hatten.

Nach der Impfung ist Dir vom essen schlecht geworden? Du hattest Kopfweh? Flimmern vor den Augen? Streit mit den Eltern? Dinge, die wir sonst evtl. kaum wahrnehmen würden, fallen auf, wenn wir negative Folgen erwarten. Und wenn jemand anderes Dich beobachtet und sich Sorgen macht fallen dieser Person vielleicht noch mehr Dinge auf – das wäre dann „Nocebo by Proxy“.

Und mit Fachwissen kann man natürlich unter Umständen noch mehr entdecken! Es ist kein reines Klischee, das Medizinstudierende (und auch Biologen) zuweilen alle Krankheiten „bekommen“, von denen sie während des Studiums so hören…

Wir müssen hier also extrem vorsichtig sein bei der Bewertung und müssten eigentlich mit dem Auftreten solcher Symptome unter Normalbedingungen vergleichen. Aber wer von uns führt im normalen Alltag ein Bauchschmerz- oder Kopfweh-Tagebuch?

Und ein Symptom, das eben auch im normalen Leben gelegentlich auftritt, ist der Tod. Und für den gilt alles oben Gesagte auch. Erinnert Ihr Euch an die oben genannten Zahlen? 500.000 Impfungen in Deutschland, 23 Millionen auf der Welt?

Wie viele von 0,5 bzw. 23 Millionen Menschen sterben denn so an einem Tag, in einer Woche oder in einem Monat? Und vor allem, wie sieht das aus, wenn ein großer Teil dieser Menschen schon über 80 ist?

Stellt Euch Nürnberg oder Duisburg vor mit einer Bevölkerung zur Hälfte aus Pflegeheimbewohnern. Wie viele Todesfälle treten hier innerhalb einer Woche nach jedem Mittagessen auf?

Das heißt natürlich nicht, dass wir Todesfälle einfach ignorieren können, aber wenn von 82 Millionen Deutschen 2019 pro Tag etwa 2.500 sterben (siehe hier auf Statista) dann sollten das von einer halben Million Geimpften pro Tag 15-16 tun, selbst wenn die Geimpften repräsentativ für die Gesamtbevölkerung wären.

Und ich will hier nicht herzlos erscheinen, jeder Todesfall ist für die Angehörigen tragisch und hat unser Mitleid verdient. Und wir sollten verzweifelte Menschen nicht dafür verurteilen, dass sie in ihren schwersten Momenten Schuldige suchen, das ist ihr Recht und für den Trauerprozess manchmal nötig.

Aber solche individuellen Schicksale journalistisch auszuschlachten, um – ohne den Kontext zu berücksichtigen – Zweifel an lebensrettenden Maßnahmen zu schüren, das ist einfach abscheulich.

Insgesamt sollte die Auswertung der wirklichen Probleme Leuten überlassen werden, die sich besser damit auskennen. Und die paar Berichte, die durch die (digitalen) Medien geistern, sollten uns derzeit nicht beunruhigen, denn sie liegen völlig im Bereich dessen, was zu erwarten war – selbst für eine Menschengruppe ohne Impfungen!

Die negativen Folgen von Corona sind dagegen eindeutig und viel schwerwiegender.

Also: Pieks on und Mäuschen out!

Den Original-Thread mit allen Kommentaren gibt’s übrigens hier :

Bissiges Mäuschen

Wenn schon Mäuschen, dann wenigstens bissig! Ich trolle Twitter mit Argumenten und manchmal ein bisschen Sarkasmus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch das Abschicken des Kommentars werden die eingegebenen Daten in der Datenbank dieser Website gespeichert. Ausserdem speichern wir aus Sicherheitsgründen Ihre IP-Adresse für einen Zeitraum von 60 Tagen. Weitere Informationen zur Datenverarbeitung finden Sie in der Datenschutz-Erklärung.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"